Von Silke Halpick

„Wir machen allein weiter“, sagt Nora Baum, nur einen Tag nach ihrem großen Fernsehauftritt in der „Höhle des Löwen“. Das kommt überraschend, denn ein Millionenpublikum hatte am Bildschirm noch miterlebt, wie die Cottbuserin gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Markus Uhlig gleich zwei Investoren von ihrer Idee überzeugte.

Finanz-Guru Carsten Maschmeyer und Seriengründer Frank Thelen boten jeweils einen Deal an. Den Zuschlag erhielt letzterer. Thelen wollte 100 000 Euro investieren und im Gegenzug 22 Prozent der Unternehmensanteile.

Allerdings ist die Vox-Fernsehsendung bereits vor einigen Monaten aufgezeichnet worden, wie Baum erzählt. Danach habe es weitere Gespräche mit dem Thelen-Team gegeben.

Dabei sei offenbar beiden Seiten klar geworden, dass man doch nicht zusammenpasst. Schon in der Sendung hatte Thelen die Zusammenarbeit mit „verstaubten Magazinen“ kritisiert und bei der Vermarktung der App auf Influencer, in den sozialen Netzwerken bekannte Persönlichkeiten, gesetzt. Sein Team schätzte den Markt für Schnittmuster auch als „zu klein“ ein.

Cottbuser wollen vor allem mit kleinen Designern zusammenarbeiten

Das sehen Nora Baum und Markus Uhlig völlig anders. „Fünf Millionen Menschen in Deutschland nähen gerne und die geben zusammen jedes Jahr acht Millionen Euro für ihr Hobby aus“, argumentiert Baum. Die Cottbuser wollen auch weiterhin mit Verlagen wie Burda und Frech, aber vor allem auch mit vielen kleineren Designern zusammenarbeiten.

„Selbst Schnittmuster zu erstellen, ist mit einem großen Aufwand verbunden“, begründet Baum. Ihrer Meinung nach lebt die App auch von einer möglichst breiten Vielfalt an unterschiedlichen Schnittmustern. Thelens Vorschlag wollen die beiden aber trotzdem berücksichtigen und diese Schiene als drittes Standbein ausbauen.

Finanzierung auch ohne Löwengeld möglich

Die aktuelle Finanzierung des Start-ups ist auch ohne das Löwengeld gesichert. „Pattarina“ hat erst im September im Rahmen des Gründerwettbewerbs „Digitale Innovationen“ des Bundeswirtschaftsministeriums ein Preisgeld in Höhe von 32 000 Euro eingesackt. Die Einstellung des dringend benötigten Programmierers konnte mithilfe eines Förderprogramms der Investionsbank des Landes Brandenburg (ILB) gestemmt werden.

„Wir haben auch schon einen Business-Engel gefunden“, erzählt Baum. Ein Ehepaar aus Berlin sei von der Idee der Schnittmuster-App derart begeistert gewesen, dass es sich mittlerweile finanziell beteiligt, Gesellschafter ist, sich jedoch nicht ins operative Geschäft einmischt. „Die Suche nach Anteilseignern wird bestimmt wieder ein Thema werden, ist es aber aktuell nicht“, sagt Markus Uhlig.

Nach DHdL-Show schnellt Zahl der Installationen auf 40 000

Allein der Auftritt in der „Höhle des Löwen“ hat sich für die Cottbuser gelohnt. Vor der Sendung ist die „Pattarina“-App insgesamt 3000-mal heruntergeladen und installiert worden. Am Mittwochmorgen waren es tatsächlich schon 40 000. „So viel Publicity bekommt man nicht wieder“, betont Baum.

Die Cottbuser sind von den Fernsehmachern angesprochen worden. „Wir hatten uns damals nicht viel Chancen ausgerechnet“, so Baum. Fast zwei Stunden dauerte das Gespräch mit den Löwen. Die bearbeitete 15-Minuten-Version sahen sie auch erst live im Fernsehen. Entsprechend groß war die eigene Aufregung, so Baum.

Ihre Zukunft sehen die Beiden positiv. „In fünf Jahren soll Pattarina das Grundwerkzeug für jeden Hobbynäher sein“, sagt Baum selbstbewusst. Wenn die Idee auch international ankommt, sieht sie Potenzial für 30 bis 40 Mitarbeiter. „Pattarina“ gehört auch zu den Anwärtern für den diesjährigen Lex-Preis, der am 13. November vergeben wird.