Ein Tango-Fan sei er zugegebenermaßen nicht, sagt Christian Möbius, Kapellmeister am Staatstheater Cottbus und Leiter des Bach Consorts. Doch die leidenschaftliche Musik darf bei der aktuellen Ausgabe der Reihe „Alte Musik in Sielow“ nicht fehlen. Das Konzert trägt schließlich den Titel „Passion“. Ungewöhnlich ist allerdings die Kombination mit Luigi Boccherinis „Stabat mater“.

„Wir wissen noch nicht, was dabei rauskommt“, sagt Möbius mit einem Augenzwinkern. Das „Stabat mater“ sei als Klagegesang der Mutter über dem gekreuzigten Christus ein jahrtausendealter Hymnus, der bereits vielfach vertont wurde. Die Version des italienischen Komponisten Luigi Boccherini stammt aus dem Jahr 1781. „Boccherini war ein hervorragender Cellist und hat sich in das Stück virtuose Stellen reingeschrieben“, erzählt Möbius. Das heißt im Klartext: Das Werk stellt auch für das erfahrene Armonia Quartett Cottbus und Sopranistin Meike Funken eine Herausforderung dar.

Unterbrochen wird das 40-minütige „Stabat mater“ von Tangoklängen aus der Feder Astor Piazollas, „dem König des Tangos“, wie Christian Möbus erklärt. Der Argentinier gilt als Begründer des Tango Neuvo. Bevor er den Tango für sich entdeckte, liebte Piazolla allerdings Jazz und die Musik Johann Sebastian Bachs. Viele von Piazollas Tangos gelten als nicht mehr tanzbar im klassischen Sinn, sondern sind Musik zum Zuhören.

Staatstheater Kapellmeister ist dieses Mal selbst „nur“ Zuhörer

Mit der Rolle des Zuhörens wird sich diesmal auch Christian Möbius zufrieden geben, eine Premiere für ihn. Er hat die Reihe „Alte Musik in Sielow“ ins Leben gerufen. Im nächsten Jahr feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen. Es ist eine echte Erfolgsgeschichte: Rund 250 Zuhörer kommen regelmäßig zu den vier bis fünf Konzerten pro Jahr, die vorwiegend von den Musikern des Bach Consorts und der Singakademie gegeben werden. Der Eintritt ist frei. Das macht die Veranstaltungsreihe zu etwas Besonderem.

Warum ausgerechnet Sielow? „Die Kirche ist schön, hell und freundlich und sie hat eine gute Akustik“, sagt Möbius. Auch Pastorin Katharina Köhler und die Kirchgemeinde seien „tolle Gastgeber“. Auch weitere Auftrittsorte könne er sich vorstellen. Spontan fällt ihm die Dorfkirche in Kahren ein, vor der schon Gerhard Printschitsch den „Jedermann“ gab. Auch die Bühne von „Stary Lud“ in Dissen habe eine „wundervolle Atmosphäre“. Allerdings wären für solche Projekte weitere Mitstreiter dringend nötig, die die Musiker unterstützen.

„Passion“ erklingt am Sonntag, 8. März, um 16 Uhr, in der evangelischen Kirche in Sielow.