Jonas Gallin (26) aus Finsterwalde, (Elbe-Elster): Bei mir gibt es keine Weihnachtsrituale, da bin ich ehrlich. Mir geht das ganze Drumherum so auf die Nerven, dass ich im vorigen Jahr extra zu der Zeit nach China gereist bin. Allerdings war die Weihnachtshysterie dort fast noch schlimmer als hier.

Jonas Gallin ist Gastgeber der Familien-Weihnacht.
Jonas Gallin ist Gastgeber der Familien-Weihnacht.
© Foto: Heike Lehmann

Aber: In diesem Jahr kommt erstmals seit zehn Jahren die Familie – Oma, Opa, Mutter und deren Lebensgefährte – Weihnachten zu mir. Ich habe extra einen echten Tannenbaum besorgt, im Topf natürlich. Zum Glück sind die Weihnachtskugeln doch noch nicht entsorgt. Und auf den Tisch kommt Bockwurst mit Kartoffelsalat.

Detlef Siegert (64) aus Zerkwitz (Oberspreewald-Lausitz): Wir kommen aus der Spreewaldregion. Also essen wir Heiligabend ganz klassisch selbstgemachten Kartoffelsalat und Bockwurst. Meine Frau stammt aus Vetschau. Da gab es immer Eisbein, Salzkartoffeln und Spreewälder Sauerkraut.

Emma (18), Tamila (64), Detlef (64) und Josephine Siegert (31), Igor (knapp 2) und Peter Lehmann (35) (v.l.n.r.) aus Zerkwitz. Bei den Spreewäldern gibt es mal Kartoffelsalat, mal Eisbein.
Emma (18), Tamila (64), Detlef (64) und Josephine Siegert (31), Igor (knapp 2) und Peter Lehmann (35) (v.l.n.r.) aus Zerkwitz. Bei den Spreewäldern gibt es mal Kartoffelsalat, mal Eisbein.
© Foto: Michael Helbig

Seit wir uns kennen und lieben gelernt haben, gibt es das nun bei uns auch. Das Beste an unserem Weihnachtsritual: Alle 15  Familienmitglieder, die bei uns zu Weihnachten zu Gast sind, essen mit. Mal Kartoffelsalat, mal Eisbein. Von jedem etwas. Und nach dem Essen schwirren alle Frauen mit ihren Partnern zu deren Eltern aus.

Susann Drogoin (48) aus Krausch­witz: Wir haben drei erwachsene Töchter, das sind Jessica, Maggie und Lilly. Am Heiligabend gehen wir in Krauschwitz in die Kirche, dann sehen wir uns auch gern das Krippenspiel an. Anschließend finden wir uns gemütlich zum Kaffeetrinken zusammen. Abends gibt es Kartoffelsalat, Bratwurst und Sauerkraut. Bei uns gibt es dann auch zur Bescherung noch ganz klassisch Geschenke, die mit großer Freude ausgepackt werden.

Susann Drogoin setzt traditionell auf Familie.
Susann Drogoin setzt traditionell auf Familie.
© Foto: Martina Arlt

Weihnachten sind dann alle einmal beisammen. Es ist einfach nur schön, beisammen zu sitzen. Diese Momente kommen heutzutage ja nicht so oft in den Familien vor.

Ilona Gnauck (70) aus Hoyerswerda: Weihnachten ist das Fest der Liebe. Dann sollen die Familien beisammen sitzen. Ich persönlich bin allein und lade mir dann am Heiligabend einen langjährigen Bekannten ein.

Ilona Gnauck hat Heiligabend einen Bekannten bei sich.
Ilona Gnauck hat Heiligabend einen Bekannten bei sich.
© Foto: Martina Arlt

Jedes Jahr bereite ich dann etwas Leckeres in der Küche zu, meist ist es Entenbraten. Es gab aber auch schon Roulade oder Forelle. Meine Wohnung ist schön geschmückt, es leuchtet ein Weihnachtsstern. Dann trinke ich gern ein Gläschen Sekt und schaue etwas im Fernsehen. Am ersten Feiertag bin ich dann bei meiner Tochter eingeladen.

Kerstin Raschen (34 Jahre) aus Schipkau: Seit wir ein Haus mit Garten in Schipkau haben, kommt die ganze Familie, Oma, Schwester mit Kindern, zu uns. Nach dem Mittagessen geht es los. Dann wird die Feuerschale mit Holz gefüllt und ein Lagerfeuer gemacht. Mein Mann macht den Glühwein und es gibt Stockbrot. In der Zwischenzeit treffen dann alle Weihnachtsgäste ein.

Bei Kerstin Raschen gibt’s Glühwein und Stockbrot.
Bei Kerstin Raschen gibt’s Glühwein und Stockbrot.
© Foto: Peter Aswendt

Gegen 16 Uhr gehen wir dann ins Haus und machen die Bescherung. Darauf freut sich unser vierjähriger Sohn Simon schon ganz besonders. Und nachdem alle Geschenke ihren Empfänger gefunden haben, geht es wieder in den Garten zum gemütlichen Weihnachtsfeuer. Das ist bei uns eine schöne Tradition geworden.

Marlene Jedro (68) aus Leipe: Mein Partner und ich werden in diesem Jahr zum ersten Mal Weihnachten in einem Hotel in Burg verbringen, da die Familie, mit der wir im letzten Jahr gefeiert haben, gerade Nachwuchs bekommen hat. In Burg werden wir auch zum Weihnachtsgottesdienst gehen, der dort sehr schön gestaltet ist.

Marlene Jedro verbringt die Tage in einem Hotel in Burg.
Marlene Jedro verbringt die Tage in einem Hotel in Burg.
© Foto: Hegewald

Am ersten Weihnachtstag ist es dann Tradition, mit der Familie essen zu gehen. Mit meinem Patenkind habe ich in diesem Jahr auch schon Plätzchen gebacken. Weihnachtsdekoration gibt es eher draußen, im Haus nur ein bisschen. Einen Baum werden wir vielleicht noch aufstellen.

Regina Köhler (64) aus Arnsnesta (Herzberg): Heiligabend läuft bei uns stets gleich ab. Um 15 Uhr gehen wir mit Sohn, Schwiegertochter und Enkelin in die Kirche. Auch mein Bruder und seine Frau, die nebenan wohnen, kommen mit.

Bei Regina Köhler (r.) läuft es immer gleich ab: Kirche, Kaffee, Bescherung, Kartoffelsalat und Stadt-Land-Fluss.
Bei Regina Köhler (r.) läuft es immer gleich ab: Kirche, Kaffee, Bescherung, Kartoffelsalat und Stadt-Land-Fluss.
© Foto: Dieter Müller

Nach dem Kaffeetrinken ist Bescherung, und wenn abends Kartoffelsalat und Würstchen verspeist sind, spielen wir alle gemeinsam „Stadt, Land, Fluss“. Das haben wir schon gemacht, als wir noch Kinder waren. Ohne das Spiel zu Heiligabend geht Weihnachten gar nicht. Außerdem gehören die „Haselnüsse für Aschenbrödel“  dazu.

Dietmar Heilenz (77) aus Biebersdorf (Märkische Heide): Heiligabend feiern wir so, wie ich es schon als Kind kenne. Am frühen Abend gibt es die Geschenke. Jeder, der ein Geschenk hat, überreicht es persönlich. Das ist immer eine schöne Überraschung. Anschließend setzen wir uns an den Tisch. Es gibt Kartoffelsalat und Würstchen, das kenne ich gar nicht anders. Ich habe diese Tradition von meinen Eltern übernommen. Nach dem Essen sitzen wir gemütlich zusammen, unterhalten uns und schauen Fernsehen.

Bei Dietmar Heilenz wird gefeiert wie in seiner Kindheit.
Bei Dietmar Heilenz wird gefeiert wie in seiner Kindheit.
© Foto: Andreas Staindl

Auch die Festtage sind so wie früher. Am ersten Feiertag gibt es Gänsebraten – manchmal auch von mir zubereitet. Anschließend geht es raus an die frische Luft. Ein längerer Spaziergang gehört einfach zu Weihnachten dazu. Ebenso das spätere Kaffee-Trinken mit der Familie.

Hardy Schulze (23) aus Luckau-Alteno: Bei uns hat am Heiligabend jeder eine Aufgabe. Mutti packt zum Beispiel die Geschenke ein und bereitet den traditionellen Karpfen für den Abend vor.

In Hardy Schulzes Familie hat jeder seine Aufgabe.
In Hardy Schulzes Familie hat jeder seine Aufgabe.
© Foto: Birgit Keilbach

Unser großes Geheimnis ist der Weihnachtsbaum. Diesmal schmücke ich ihn. Erst wenn wir vom Gottesdienst zurückkommen, werden das Wohnzimmer geöffnet und der Baum beleuchtet. Dann gibt es Abendessen,  danach ist Bescherung. Später kommen die Großeltern und weitere Verwandte aus dem Dorf zu uns.

Willfried Krüger (72) aus Elsterwerda: Ich bin seit fast 40 Jahren blind und lebe oft und gern in Erinnerungen an die Weihnachtszeit. Wenn wir heute über den Weihnachtsmarkt gehen, nehme ich alles umso intensiver mit den verbliebenen Sinnen wahr. Natürlich schmücke ich mit meiner Frau unsere Wohnung. Heute reicht uns ein künstlicher Baum mit vielen Lichtern.

Willfried Krüger schwelgt gern in alten Zeiten.
Willfried Krüger schwelgt gern in alten Zeiten.
© Foto: Manfred Feller

Heiligabend gibt es bei uns traditionell Kartoffelsalat und an den Feiertagen Pute. Unsere Tochter, die in Ludwigsfelde wohnt, hält sich an diese Familientradition. Entweder kommt sie mit ihren drei Jungs zu uns oder wir fahren hin. Für das nächste Jahr, wenn die Zwillinge Jugendweihe haben, schenken wir uns eine gemeinsame Reise nach New York.