Totensonntag: Wildschweine pflügen den Südfriedhof um
Rudolf Beil geht derzeit immer mit gemischten Gefühlen auf den Südfriedhof. Schließlich weiß er nicht, welcher Anblick ihn dann wieder erwartet. Wildschweine haben die Gräber seiner Schwiegereltern und das Umfeld bereits mehrfach heimgesucht und sprichwörtlich umgegraben. „Wir haben Blumenzwiebeln in der Erde. Das ist wie Schokoladenpudding für die“, sagt er. In der Vergangenheit habe es bereits Besuche der Schwarzkittel gegeben. So schlimm wie in diesem Jahr sei es aber noch nie gewesen. „Das kann man nicht hinnehmen“, betont er. „Hier muss grundsätzlich etwas passieren.“
Die Friedhofsverwaltung ist bemüht, das Problem in den Griff zu bekommen. Der genaue Höhe des Schadens sei noch nicht ermittelt worden. Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärt: „Wir müssen von mehreren Zehntausend Euro ausgehen.“ Um die nächtlichen Besuche der Schwarzkittel zu verhindern, wurden demnach Zäune zum Teil erneuert, verstärkt und tiefer verankert. Auch der Anschlag der Türen sei verändert und Baumstämme an Zäunen ausgelegt worden. Zudem kämen Vergrämungsmittel zum Einsatz.
Pulver zum Vergrämen
Rudolf Beil bestätigt das. „Wir haben ein Pulver bekommen, dass wir rund ums Grab ausstreuen sollen.“ Das habe er auch angewendet. Trotzdem hegt der Cottbuser seine Zweifel. „Das hilft doch nicht grundsätzlich.“ Nachdem es die Schwarzkittel am Familiengrab besonders wild getrieben hätten, sei er ganz bewusst den Zaun rund um den Südfriedhof abgelaufen. Er ist sich sicher, wie die Schweine den Weg aufs Friedhofsgelände finden. „Die kommen von hinten rein“, sagt er. „Ein Eingang hinter dem Russischen Ehrenfriedhof ist mit einem Tor versehen. Das ist ein Meter breit und lässt sich nicht verschließen.“
Die Friedhofsverwaltung hat derweil sämtliche Tore mit knallrosa Zetteln versehen, auf denen sie auf das Problem aufmerksam macht. Darauf steht das Versprechen: „Wir sind im Rahmen unserer Möglichkeiten tagtäglich bemüht, diesen unzumutbaren Zustand umgehend abzustellen.“ Auf weiteren Zetteln wird in roten Lettern darauf hingewiesen: „Achtung Wildschweine! Türen bitte einklinken!“

Südfriedhof immer wieder wüten Wildschweine.
Peggy KompallaSchäden werden über Gebühren refinanziert
Wie viele Gräber bereits von den Wildschweinen heimgesucht wurden, kann die Friedhofsverwaltung nicht beziffern. Für die Behebung der Schäden an den Gräbern selbst, sind die Familien verantwortlich, während die Stadt sich um die öffentlichen Flächen kümmert. Allerdings kommen am Ende für die Schäden die Gebührenzahler auf. Denn die entstandenen Mehrkosten werden umgelegt.
Eine Wildschwein-Jagd auf dem Südfriedhof bleibe unmöglich. Nichtsdestotrotz habe die Verwaltung das Problem an die Untere Jagdbehörde gemeldet. Stadtsprecher Jan Gloßmann ergänzt: „Außerhalb des Südfriedhofs sind bislang vier Schwarzkittel durch Jäger zur Strecke gebracht worden.“
Südfriedhof ist allein mit dem Wildschwein-Problem
Das Wildschwein-Problem gebe es allein auf dem Südfriedhof. Das liege an der Nähe zu den Madlower Schluchten. „Rund herum ist Wald, die Spree befindet sich in der Nähe. Es herrscht ein gutes Nahrungsangebot. Außerdem bietet die Umgebung den Tiere gute Deckungsmöglichkeiten“, so Jan Gloßmann. Vorteile die sich die Wildschweine zu nutze machen.
Bestattungsflächen werden halbiert
Dabei bleiben auf dem Südfriedhof immer größere Flächen ungenutzt. Die Ruhestätte gleicht in weiten Teilen eher einem Park. Das wird sich weiter verstärken. Bis zum Jahr 2040 sollen sich die Flächen für die Bestattungen sowohl auf Süd- als auch Nordfriedhof halbieren. Ein Grund dafür ist die sinkende Einwohnerzahl von Cottbus, aber auch der Wandel in der Bestattungskultur. So verzeichnet die Friedhofsverwaltung bei den Urnenbeisetzungen in den vergangenen Jahren einen Anstieg auf 90 Prozent. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr Menschen für eine anonyme Bestattung. Das klassische Gräberfeld gibt es damit immer seltener.
Der Friedhof als Kulturgut
In Cottbus gibt es 19 Friedhöfe. Der kleinste liegt in Maiberg, der größte ist der Südfriedhof. Alle Ruhestätten sollen erhalten bleiben, da sie insbesondere in den Ortsteilen identitätsstiftend und Teil des örtlichen Selbstverständnisses und der Heimat sind, heißt es von der Friedhofsverwaltung. Trotz aller Veränderungen in der Bestattungskultur und die Zunahme von anonymen Gräberfeldern, müsse durch attraktivere Grabanlagen Raum für jeden Einzelnen geschaffen werden, damit Gemeinschaftsanlagen nicht die Oberhand gewinnen. Denn nur so werde es möglich sein, Friedhöfe als Kulturgut zu erhalten.
Einzelne Gräber werden über die reguläre Liegezeit hinaus erhalten. Dazu zählen die Grabmale von Paul Werner (Südfriedhof), Mathias Klos (Ströbitz), Max Lauterbach (Südfriedhof), Fryco Rocha (Südfriedhof), Gotthold Schwela (Nordfriedhof), Walter Drangosch (Nordfriedhof), Elisabeth Wolf (Nordfriedhof). Welche Gräber erhalten werden, entscheidet die Verwaltung. Dabei müsse jeder Fall recherchiert und bewertet werden - durchaus auch mit Blick auf die anfallenden Kosten.






