Drei Lastwagen biegen aus der Karl-Liebknecht-Straße ab in die Bahnhofstraße, von wo aus sie den Weg zum Cottbuser Altmarkt nehmen. Dort erwartet sie der Lichtkünstler Jörn Hanitzsch, pünktlich um 14 Uhr am Freitag. Seine Installation trägt den Titel „Einer trage des anderen Last“. Ein Radlader wird an einem Kran über dem Altmarkt schweben. So hat es sich Jörn Hanitzsch überlegt.

Bezug zur Bibel

Mit dem Namen der Aktion bezieht er sich keinesfalls nur auf den berühmten DEFA-Film, in dem ein Marxist und ein Christ miteinander in einem Krankenzimmer zurechtkommen müssen. Ihm geht es vielmehr um die originäre Aussage in der Bibel, um zwischenmenschlichen Respekt. Schließlich gebe es doch etwas Größeres in der Welt als nur die Betrachtung des Selbst, des eigenen Spiegelbildes, sagt Jörn Hanitzsch. Darauf wolle er mit seiner Installation hinweisen.

Zugleich schlägt er den Bogen in die Zeit, als sich das Ende der DDR abzeichnete. Damals, vor genau 30 Jahren, saß er nach eigenem Bekunden abgeschottet in einer Nachrichtensperre bei den Grenztruppen. Keine Botschaft drang von außen durch, weshalb er zunächst auch nichts von der Öffnung der Mauer mitbekam. „Erst am Montag darauf haben wir erfahren, was los war“, erinnert er sich. „Bis dahin mussten wir eine Grenze verteidigen, die es bereits nicht mehr gab.“

Balance für den Radlader

Auf dem Altmarkt setzt der Kran die Platten ab. Dann fährt er komplett aus, bis er die volle Stützbreite erreicht hat. 62 Tonnen wiegt der Kran, weitere 75 Tonnen der Ballast, der für das nötige Gleichgewicht sorgt, um den Radlader zu halten.

Der Aufbau der Installation dauert ungefähr zwei Stunden. Die Fahrzeuge stammen von einer Firma aus Lübbenau. Jörn Hanitzsch betont, dass er alle Mitarbeiter ordentlich bezahlt. Die Installation kostet ihn nach eigener Aussage mehrere Tausend Euro.

Schon im Mai 2017 arbeitete er für ein Projekt in der Stadtpromenade mit einem Kran, der in 95 Meter Höhe ragte. Es handelte sich um die höchste freischwebende Lichtinstallation Europas, die den Namen „Sola Scriptura“ trug. Damals thematisierte er den Thesenanschlag von Martin Luther.