Der Schreck sitzt den Mitarbeitern des Cottbuser Tierheims noch immer in den Knochen: Insgesamt 16 Hunde wurden in der Nacht zu Dienstag offenbar in einer gut vorbereiteten und gezielten Aktion gestohlen. Es handelt sich dabei um Tiere, die zuvor vom Veterinäramt Cottbus/Spree-Neiße beschlagnahmt wurden.

Diebstahl beim Morgenrundgang entdeckt

Kurz nach 8 Uhr bekommt Tierheimleiterin Claudine Klose den Anruf von ihrem Schichtleiter, wie sie erzählt. Beim ersten obligatorischen Rundgang durch die Anlage ist schnell klar, dass etwas nicht stimmt. Die Räume der Quarantäne-Station sind leer. Hier sind eigentlich 16 Hunde untergebracht, die erst seit rund zwei Wochen im Tierheim sind.

Cottbus/Jänschwalde

„Die Tiere wurden gegen Würmer und Flöhe behandelt, am Mittwoch sollten sie wieder dem Tierarzt vorgestellt werden“, berichtet Claudine Klose. Einige von ihnen haben durch Inzucht entstandene schwere Fehlbildungen, gesundheitlich geht es vielen nicht gut. Seit Oktober 2020 ist Claudine Klose die Chefin der Einrichtung. Einen Diebstahl in dieser Größenordnung habe es noch nicht gegeben. Selbst ein in der Vergangenheit gestarteter Versuch, einen einzelnen Rottweiler zu stehlen, sei gescheitert.
Vermutlich kamen die Täter mit Leitern über die Mauer. „Sie haben offenbar das Gelände zuvor ausspioniert“, sagt die Leiterin der Einrichtung. Nachts wird das Tierheim von einer Objektschutz-Firma überwacht. Wenn der letzte Tierheim-Mitarbeiter geht, wird auch die Alarmanlage scharf geschaltet. Doch die Täter konnten diese offenbar umgehen, die Schieber zum Innenbereich öffnen und die Hunde herausholen.

Besitzer darf keine Hunde halten

„Wir sind alle stinksauer“, sagt Claudine Klose. In die Wut mische sich aber auch Angst um die Tiere. Das Veterinäramt hatte die Hunde beschlagnahmt, weil gegen den Besitzer schon in der Vergangenheit ein Haltungsverbot ausgesprochen worden sei. Er ist den Behörden hinlänglich bekannt, wie es heißt. Ein konkreter Name wird nicht genannt.
Auch die Kriminalpolizei war bereits im Cottbuser Tierheim, hat Spuren vor Ort gesichert und wertet diese aktuell aus. Die Umfeldbefragung und die Ermittlungen laufen, wie Polizeisprecher Torsten Wendt auf Nachfrage bestätigt. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, dass die Hunde gefunden werden.
Großen Ärger hatte es vor drei Jahren mit einer Tierfarm in Merzdorf gegeben. Die Anwohner beschwerten sich über Lärmbelästigungen, Tierschützer kritisierten die nicht artgerechte Haltung der Hunde und Katzen. Es folgten zwei Polizeieinsätze, ein Teil der Tiere wurde vom Veterinäramt beschlagnahmt. Die Betreiberin siedelte 2020 mit ihrer Farm und den Tieren nach Polen über.

Illegaler Tierhandel floriert an der Grenze

Allerdings gibt es immer wieder Fälle von illegalem Welpenhandel auch in der Lausitz. Immer wieder entdecken Polizei und Zoll illegale Tiertransporte entlang der Autobahn 15, die an Cottbus und Forst vorbei bis nach Krakau und Lwiw führt. Experten zufolge ist das jedoch nur die Spitze des Eisberges. Der Markt für illegalen Hundehandel ist lukrativ, weil er große Gewinn-Margen abwirft.
Die Tiere selbst leiden. Die Welpen sind wegen der schlechten Haltungsbedingungen der Mutter oft schon bei der Geburt geschwächt oder kommen wegen Inzucht vorgeschädigt zur Welt. Sie werden nicht geimpft, was für die jungen Hunde oft das Todesurteil bedeutet.
Züchter werden vom zuständigen Veterinäramt risikoorientiert kontrolliert. Sobald es Probleme oder Beschwerden gibt oder Züchter sich nicht an Auflagen halten, schreitet das Veterinäramt ein.