„Ein Untersuchungsgefangener der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen ist am 30. Mai in seinem Einzelhaftraum stranguliert aufgefunden worden“. Das berichtet das Brandenburger Justizministerium am Sonntag. Reanimationsversuche durch Vollzugsbedienstete seien erfolglos geblieben. Auch der alarmierte Notarzt konnte nichts mehr für den Mann tun.
Erste Ermittlungen der Polizei ließen keinen Hinweis auf ein Fremeinwirken feststellen. Das Justizministerium geht daher von einem Suizid aus – auch wenn darauf offenbar nichts hingedeutet hatte.

Haftbefehl wegen Vergewaltigung und Körperverletzung

Wie die Behörde weiter informiert, wurde der Mann (42) am 28. Mai in die JVA überführt. Gegen ihn habe ein Haftbefehl wegen des Verdachts der Vergewaltigung sowie der Körperverletzung vorgelegen. „In dem haftrichterlichen Ersuchen um Aufnahme zum Vollzug war die Frage nach Gründen für die Annahme der Gefahr der Selbsttötung oder Selbstverletzung explizit verneint worden. Dennoch wurde der Gefangene in der JVA Cottbus-Dissenchen sicherheitshalber – auch weil bei Erstinhaftierten und bei Verdacht einer Sexualstraftat ein potenzielles Suizidrisiko grundsätzlich stets bedacht wird – in einem kameraüberwachten Haftraum untergebracht“, teilt Pressesprecher Frank Schauka mit.
In einem Gespräch mit dem Anstaltspsychologen habe sich kein Hinweis auf Suizdabsichten des Gefangenen ergeben, deshalb sei er am 29. Mai in eine normale Zelle verlegt worden. Auch am Tag darauf habe weiterhin nichts auf ein drohende Selbsttötung hingedeutet. Der 42-Jährige habe seine Mahlzeiten in der Zelle entgegen genommen. „Er erkundigte sich zudem nach Taschengeldanträgen, die ein Bediensteter anschließend gemeinsam mit ihm ausfüllte“, berichtet Schauka weiter.
Um 18 Uhr wurde der Mann dann leblos in seiner Zelle gefunden.

Bereits der zweite Suizid in der Cottbuser JVA in diesem Jahr

Es ist bereits der zweite bekannt gewordene Suizid in der Cottbuser JVA in diesem Jahr. Am 14. Februar war bekannt geworden, dass sich ein 23-Jähriger das Leben genommen hatte. Auch er war stranguliert in seiner Zelle gefunden worden.

Cottbus/Luckau

In Brandenburger Gefängnissen haben sich nach Angaben der Behörde seit dem Jahr 2000 mehr als 40 Menschen das Leben genommen. Im vergangenen Jahr waren es zwei – darunter ein 57-Jähriger, der verdächtigt wurde, in Teltow seine Ehefrau getötet zu haben. Der Mann wurde im November 2019 tot in seiner Zelle in der JVA Brandenburg/Havel entdeckt.