Selbst in Zeiten niedriger Zinsen sind die deutschen Sparer konservativ. Die meisten privaten Anleger halten am Sparbuch fest, obwohl es kaum Zinsen abwirft. Auch Lebensversicherungen, Bausparen und Immobilien sind beliebter als beispielsweise der Kauf von Aktien. Etwas zugelegt hat zuletzt das Sparen mit Investmentfonds: Knapp ein Viertel der Bundesbürger (22 Prozent) legt sein Geld darin an, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS für den Verband der Privaten Bausparkassen vom März 2019 zeigt.

Die Verwalter von Investmentfonds steckten das Geld der Anleger wiederum in Immobilien, Aktien, erneuerbare Energien, Rentenfonds und andere Wertpapiere. Die Investmentfonds können einfach wieder verkauft werden und so Kapital flüssig machen. Sie gelten aber auch als langfristige Sparanlage.

Investmentfonds: Diese Steueränderungen sind wichtig

Daher sollten Steuerzahler beachten, dass das Steuerrecht für Fondsanlagen seit 2018 komplizierter geworden ist. „Es ist aufwendiger, die Steuerlast auf den tatsächlichen Gewinn zu verteilen“, sagt Dirk Rosenbaum, Steuerberater aus Cottbus. Dies wirkt sich auf die Steuererklärung aus. Steuerzahler sollten daher wichtige Anträge beim Finanzamt stellen und die richtigen Formulare KAP-BET und KAP-INV ausfüllen, sagt Rosenbaum.

Dies sei insbesondere wichtig, wenn Steuerzahler die Steuerbefreiung für Kapitalerträge in Anspruch nehmen wollten. Auch wenn die Bank bereits Abgeltungsteuer auf die Erträge einbehalten habe, sollte bei der Steuererklärung der Gewinn angegeben werden, weil die Steuern gegen die Einkommensteuer gerechnet würden. Ausländische Banken ziehen keine Kapitalertragsteuer für den deutschen Staat ein. Deshalb müssen Steuerzahler mit solchen Depots laut Rosenbaum selbst überprüfen, welche Erträge im Formular KAP-INV beim Finanzamt eingetragen werden sollen.

Aufpassen müssen laut Rosenbaum auch die Besitzer thesaurierender Investmentfonds. Das sind Fonds, die ihre Gewinne reinvestieren, statt sie auszuschütten. Im Inland behalten Banken deshalb seit 2019 Steuern auf die sogenannte Vorabpauschale ein. „Die Kapitalertragsteuer muss jährlich aufgrund der Wertsteigerung des Fonds entrichtet werden, obwohl die Anteile noch gar nicht mit Gewinn veräußert wurden“, sagt Rosenbaum. Beim tatsächlichen Verkauf der Fondsanteile müsse der realisierte Gewinn – oder Verlust – mit den in den Vorjahren versteuerten Vorabpauschalen verrechnet werden. Gegebenenfalls zu viel gezahlte Steuern müsse sich der Bürger selbst „mit vielen Mühen vom Finanzamt zurückholen“.

Was steuerlich beim Verkauf von Fondsanteilen wichtig wird

Der Verkauf von Investmentanteilen ist seit 2018 steuerpflichtig. Allerdings können Steuerzahler für bestandsgeschützte Alt-Anteile, das sind vor 2009 erworbene Fondsanteile, einen Freibetrag von bis zu 100000 Euro in Anspruch nehmen. Der Freibetrag muss mit der Einkommensteuererklärung 2019 festgestellt, beantragt sowie in den Folgejahren fortgeschrieben werden. Darauf weist Steuerberater Dirk Rosenbaum hin.

„Beim Freibetrag handelt es sich um einen sogenannten Lebensfreibetrag pro Person“, sagt Erich Nöll, Co-Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Diesen Betrag könne jeder Steuerpflichtige einmal ausschöpfen, auch auf viele Jahre verteilt. Der Freibetrag werde nicht automatisch von den Banken berücksichtigt.

Wird der Freibetrag für die Steuererklärung genutzt, würden zu viel einbehaltene Kapitalertragsteuer sowie Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer erstattet. Hinweis der Steuerfachleute: Kursgewinne der Alt-Anteile bis zum 31. Dezember 2017 sind steuerfrei. Ab dem 1. Januar 2009 gekaufte Investmentfondsanteile seien bereits seit Anfang 2018 steuerpflichtig.

Nicht nur selbst vor 2019 erworbene bestandsgeschützte Alt-Anteile, sondern auch später im Erbfall oder durch eine Schenkung erworbene Alt-Anteile können aufgrund des Freibetrags steuerfrei bleiben, sagt Dirk Rosenbaum. Dafür sei der Antrag beim Finanzamt notwendig. Gewinne aus Neu-Anteilen seien immer zu versteuern. Das betrifft alle Fondsanteile, die ab 1. Januar 2018 erworben worden sind. (mit dpa)

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Wie Ehepaare vom Freistellungsauftrag profitieren


Kapitalerträge: In der Regel führt die Bank die Steuern auf diese Erträge direkt ans Finanzamt ab. Hat der Sparer der Bank einen Freistellungsauftrag erteilt, sind Gewinne bis zu dessen Höhe steuerfrei, heißt es beim Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Für Einkünfte aus Kapitalvermögen hat jeder Steuerzahler einen Freibetrag von 801 Euro im Jahr.

Das Geldinstitut behält die Kapitalertragsteuer nur auf positive Kapitalerträge ein. Fallen Verluste an, nimmt die Bank zunächst eine Verrechnung der Verluste vor. Ehegatten können das für sich nutzen: Sie können einen gemeinsamen Freistellungsauftrag für Kapitalerträge bis zu einer Höhe von 1602 Euro im Jahr erteilen. Das bedeutet, dass erst ab 1602 Euro Kapitalertragsteuer einbehalten wird – unabhängig davon, welcher der Ehegatten die Kapitalerträge erzielt hat.

Zudem wird eine Verlustverrechnung zwischen den Ehegatten von der Bank durchgeführt. Dadurch kann es zu einer höheren Gutschrift von Kapitalerträgen auf dem Konto kommen.