Anders als das Erststudium gelten eine Lehrausbildung und ein duales Studium jeweils mit Arbeitsvertrag als steuerlich absetzbar. Denn Auszubildende in der Lehre zählen als Arbeitnehmer. Darauf weist Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL), hin. Dabei kommt gar nicht so sehr darauf an, wie viel man während der Lehre verdient.

In der Praxis liegen viele Azubis mit ihren Lehrlingsgehältern zwar unter der für das Steuerjahr 2019 maßgeblichen Grenze für das Grundeinkommen von 9168 Euro. Bis zu diesem Betrag bleiben Einkommen steuerfrei.

Doch selbst „wenn die Kosten höher sind als Einnahmen oder wenn gar keine steuerpflichtigen Einnahmen vorliegen, bescheinigt das Finanzamt auf Antrag einen Verlust. Dieser kann bei der späteren Berufstätigkeit die Steuerlast mindern“, sagt Rauhöft der Lausitzer Rundschau.

Als steuerlich absetzbare Kosten gelten laut Rauhöft zum Beispiel Fahrtkosten zum Ausbildungsbetrieb. Die Entfernungspauschale, das sind 30 Eurocent je Kilometer der einfachen Wegstrecke, gilt für die Fahrt zur ersten Tätigkeitsstrecke und egal, ob diese mit dem Fahrrad, mit dem eigenen Auto oder in Fahrgemeinschaft oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Steuerlich absetzbar: Fahrt zur Berufsschule, Bücher und Telefon

Fahrten zur Berufsschule können nach Angaben der Lohnsteuerhilfe Bayern als Dienstreise geltend gemacht werden. Für die Dienstreise könnten nur die tatsächlich entstandenen Aufwendungen angesetzt werden, zum Beispiel Ausgaben für Fahrkarten oder bei Fahrten mit dem Auto für Hin- und Rückfahrt je Kilometer 0,30 Euro.

Auch die Kosten für einen Computer oder Bücher für die Berufsschule kann man steuerlich geltend machen, ebenso Bewerbungskosten, Kontoführung oder weitere Arbeitsmittel. Selbst der häusliche Internetanschluss und Ausgaben fürs Telefon – wenn beruflich eingesetzt, können zum Beispiel zu 20 Prozent – maximal 20 Euro für jeden Monat – steuerlich abgesetzt werden.

Auch Arbeitskleidung oder Werkzeug können absetzbare Kosten sein. Übersteigen diese Kosten die 1000-Euro-Grenze, also jenen Betrag an Werbungskosten, den das Finanzamt pauschal ansetzt, lohnt sich die Steuererklärung auf jeden Fall – zumal eventuelle Verluste eben auf Folgejahre übertragen werden können.

Finanzamt: Manche Azubis sind steuerpflichtig

Ist für Azubis ist die Steuererklärung meistens freiwillig. Es gibt aber auch steuerpflichtige Auszubildende. Dies kann laut BVL der Fall sein, wenn zum Beispiel einer weiteren Nebentätigkeit nachgegangen wird – oder wenn Azubis aus einem Erbe oder einer Schenkung noch weitere Einkünfte erzielen.

Aufpassen müssen Azubis bei den sogenannten Sonderausgaben. Zwar ist es möglich, auch Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträge hier steuerlich geltend zu machen. Wenn aber die Eltern dies ebenfalls tun wollen, ist laut BVL eine Absprache in der Familie notwendig: Sozialbeträge dürfen natürlich nicht doppelt angegeben werden.

Apropos Eltern: Sie erhalten bei der ersten Ausbildung ihrer Kinder weiter Kindergeld. Neben diesem Anspruch stehen den Eltern laut BVL weitere steuerliche Vergünstigungen zu, etwa der Kinderzuschlag bei Riesterverträgen oder ein Freibetrag für Sonderbedarf, wenn das Kind während der Ausbildung auswärtig untergebracht ist. Alleinerziehende erhalten weiterhin den Entlastungsbetrag.

Eltern von Azubis können laut BVL auch die Kosten für freie Träger von Ausbildungen und private Berufsschulen, deren Abschlüsse von staatlichen Stellen anerkannt werden, anteilig absetzen: 30 Prozent der Schulkosten seien als Sonderausgaben abzugsfähig, höchstens 5000 Euro pro Jahr und Kind. Ausgenommen Kosten für Betreuung, Unterkunft und Verpflegung.

Mehr Steuertipps lesen Sie im Dossier auf LR Online

Hinweise zur Steuererklärung 2019 sowie für Unternehmer, Freiberufler und Arbeitnehmer zu möglichen Hilfen in der Coronavirus-Krise:

lr-online.de/steuern-sparen

Smartphone als steuerfreies Extra

Die Lohnsteuerhilfe Bayern für Azubis noch diesen Tipp parat: Sei ein Umzug aufgrund der Berufsausbildung notwendig, könne die Umzugskostenpauschale in Höhe von 811 Euro für Ledige beantragt werden. Da es sich um einen Pauschbetrag handele, seien keine Nachweise für Ausgaben notwendig. Seien die Aufwendungen höher, müssten Rechnungen, Quittungen und Kontoauszüge gesammelt werden, um den Mehrbetrag geltend zu machen.

Und die Deutsche Handwerks Zeitung rät Auszubildenden, beim Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb durchaus wegen Gehaltsextras nachzufragen – da Ausbildungstarife ansonsten feststünden. Ein solches Extra kann demnach ein Smartphone sein, dass der Arbeitgeber zur Verfügung stellt. Der Clou sei, so die DHZ in einem Artikel zu Steuerfragen, dass Azubis sich so Gerätekosten und monatliche Telefonrechnungen sparen könnten – und dies sogar steuerfrei sei.