Mehr als 150 Fragen und Fallbeispiele haben Leserinnen und Leser der Lausitzer Rundschau in einer Umfrage zum Thema Steuern sparen geschickt. Als Steuerexperten hat die LR Dirk Rosenbaum, Steuerberater aus Cottbus, gewonnen. Er beantwortet hier Fragen und Fälle von Unternehmern, Selbstständigen und Eigenheim-Besitzern. Es geht auch um die Coronakrise.

Falls man eine Pension betreibt und über Jahre eher keinen Gewinn macht, gibt es einen Zeitpunkt, von dem ab das Finanzamt keine Rückforderungen wegen von ihm angenommenen „Unwillens“ des Steuerzahlers zur Gewinnerlangung erklärt?

Dirk Rosenbaum: Eine Pension fällt entweder unter die Einkunftsart Vermietung und Verpachtung oder unter Gewerbebetrieb. Beide Einkunftsarten gehen von einer Überschusserzielungsabsicht bzw. Gewinnerzielungsabsicht aus.

Entsteht über mehrere Jahre Verlust, ist das Finanzamt bei Gewerbebetrieben eher ungeduldig als bei Vermietung und Verpachtung. Allerdings gibt es keine definierten Fristen, innerhalb derer ein Gewinn erzielt werden muss. Es kann zu einer Einordnung als „Liebhaberei“ und damit zur Nichtanerkennung einer Betätigung als Gewerbe und somit zur Versagung der Verlustverrechnung kommen. Bei Vermietung und Verpachtung ist eine Kürzung des abziehbaren Werbungskostenanteils denkbar.

Steuerexperte: Wann das Finanzamt bei Verlusten reagiert

In der Regel wird das Finanzamt nach drei bis fünf Jahren zunächst erfragen, welche Maßnahmen zur Beseitigung der Ertragsschwäche geplant sind und danach weitere drei Jahre abwarten. Führt der Steuerpflichtige die Pension dann immer noch weiter, obwohl er fortwährend Verluste aus seinen positiven Einkünften ausgleichen muss, wird das Finanzamt argumentieren, dass „vernünftige Kaufleute“ einen nachhaltig verlustbringenden Betrieb schließen würden.

Den Betrieb trotz Verluste immer weiter fortzuführen, sei kein Gewerbe, da das notwendige Kriterium der „Gewinnerzielungsabsicht“ nicht mehr nachweisbar sei. Es könne sich demnach nur um „Liebhaberei“ handeln.

Müssen Künstler im Nebenerwerb Umsatzsteuer ausweisen?

Sind künstlerische Tätigkeiten bis 2400 Euro im Jahr generell steuerfrei? Und wenn ja, muss ich in Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen, wenn ich weiß, dass ich den Jahresbetrag nicht erreichen werde?

Dirk Rosenbaum: Zunächst ist zu unterscheiden: 2.400 Euro sind nach § 3 Nr. 26 Einkommensteuer-Gesetz (EStG) der Freibetrag für Aufwandsentschädigungen ehrenamtlicher Übungsleiter. Das betrifft gemeinnützige Vereine in der Einkommensteuer. Für künstlerische Tätigkeiten gibt es keinen solchen Freibetrag. Selbst § 22 Nr. 3 EStG gewährt einen Freibetrag von 256 Euro jährlich nur für gelegentliche Leistungen.

Für die meisten Menschen sind künstlerische Tätigkeiten eher ein Hobby oder – wenn es Verkäufe gibt – meist wegen der ewigen Verluste „Liebhaberei“. Erst wenn der Künstler nachhaltig einen Überschuss erzielt, wird das Finanzamt diese Tätigkeit als eine „freiberufliche künstlerische Tätigkeit“ anerkennen.

Abweichend von der Einkommensteuer können künstlerische Tätigkeiten der Umsatzsteuer unterliegen, denn in der Umsatzsteuer kommt es nicht auf die Gewinn-, sondern nur auf die Einnahmeerzielungsabsicht an. Hier kann die Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmer § 19 UStG (bis 22.000 Euro jährlich) in Anspruch genommen werden.

Wie werden Unternehmen in der Coronakrise unterstützt?

Coronakrise: Welche Möglichkeiten wird es geben, kleinen Unternehmen wie meinem zum Beispiel mit Finanzspritzen, die keine Darlehen, Kredite oder dergleichen sind, zu unterstützen?

Dirk Rosenbaum: Seit dem 25. März 2020 kann auf der nachstehende Seite der Investionsbank des Landes Brandenburg (ILB) Soforthilfe beantragt werden. Dies ist ein Zuschuss.ilb.de

Welche Leistungen rund um Hausbau und Eigenheim sind steuerlich absetzbar?

Dirk Rosenbaum: Soweit es um die selbst genutzte Immobilie – Einfamilienhaus, Zweifamilienhaus und Eigentumswohnung – geht: Der Neubau sowie Baumaßnahmen an einem gebraucht erworbenen Eigenheim zur erstmaligen Bezugsfertigkeit sind steuerlich gar nicht absetzbar.

Baumaßnahmen an genutzten Eigenheimen werden durch § 35a EStG gefördert: Bei Handwerkerleistungen sind 20 Prozent der auf die Arbeitsleistungen entfallenden Aufwendungen als Steuerermäßigung (maximal 1200 Euro) von der Einkommensteuer abziehbar. Es muss eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegen, die per Bank bezahlt sein muss.

Brandneu ist § 35c EStG, der im Rahmen des „Klimapakets“ die energetische Gebäudesanierung – ebenfalls mit 20 Prozent der Aufwendungen – als Steuerermäßigung fördert. Hier sind jedoch alle Aufwendungen inklusive Material bis zu einem Aufwand von 200.000 Euro je selbst genutzter Wohnung in der Europäischen Union begünstigt. Das sind also bis zu 40.000 Euro Minderung der Einkommensteuer, wenn die Baumaßnahmen die Dämmung des Gebäudes, die Effizienz der Heizung/Lüftung/Klimaanlage und die Steuerung dieser Elemente verbessern. Eine Positiv-Liste findet man in der Verordnung vom 2. Januar 2020 (ESanMV) zu § 35c EStG.

Verordnung als PDF

Welche Kosten einer Solaranlage kann ich steuerlich absetzen?

Warum wird die steuerliche Behandlung von kleinen Solaranlagen so verkompliziert?

Dirk Rosenbaum: Das Warum vermag ich nicht zu beantworten. Jedenfalls wird jeder Betreiber, der einspeist, vollumfänglich als Unternehmer behandelt. Er kann die Anschaffungskosten der Anlage und die Finanzierung absetzen, aber sich auch die Umsatzsteuer erstatten lassen. Dafür zahlen Millionen andere Bürger einen mehr als doppelt so hohen Strompreis als zum Beispiel in Frankreich.

Die neueren kleinen Anlagen, die auf einen hohen Anteil Eigenverbrauch ausgelegt sind, würden ihren Betreibern den Strombezug ohne Teilnahme an der EEG-Umlage zu einem Drittel des Strompreises ermöglichen, den alle anderen zahlen müssen, um die Einspeisevergütung zu finanzieren. Das wäre wohl sehr ungerecht.

Können in einem Vereinsgarten (Pachtland, Bauten Eigentum) Handwerkerleistungen abgesetzt werden? Rechnungslegung erfolgte an den Verein.

Dirk Rosenbaum: Der Verein selbst würde – wenn er steuerpflichtig wäre – Körperschaftsteuer (KSt) zu zahlen haben. Im KStG gibt es den § 35a EStG nicht. Würde der Verein steuerpflichtige Leistungen an die Vereinsmitglieder erbringen, wären die Handwerkerleistungen Betriebsausgaben und würden den Gewinn mindern.

Sollte der Verein die Handwerkerleistungen im Umlageverfahren – ähnlich den Betriebskostenabrechnungen des Vermieters – an die Gartenbesitzer weiterberechnen, könnte er die Handwerkerleistungen anteilig bescheinigen, denn zum Haushalt gemäß § 35a EStG gehört auch der Garten.

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