Von Peggy Kompalla

Cottbus bekommt ein zweites Zentrum am Ostsee und muss sich in den nächsten Jahrzehnten zwischen Innenstadt und Hafenquartier entwickeln. Das zeigt das neue Stadtumbaukonzept. Um der Entwicklung am einstigen Tagebaurand einen ordentlichen Schub zu verpassen, soll die Seevorstadt zum neuen Stadtumbaugebiet erklärt werden. Dafür laufen gerade Verhandlungen mit Potsdam, um die Grenzen des Fördergebietes zu umreißen. Aber auch für ein altes Rückbaugebiet der Stadt gibt es gute Nachrichten. Schmellwitz erhält einen neuen Status.

Das Papier beeinflusst die Entwicklung der nächsten Jahrzehnte. Das Stadtumbaukonzept ist genauso wie das Integrierte Stadtentwicklungskonzept ein Leitfaden für alle weiteren Entscheidungen und der Fachplanung. Es ist aber auch die Voraussetzung für Fördergeld.

Cottbus hat in den nächsten Jahrzehnten Investitionen von rund 120 Millionen Euro vor sich. Das rechnet Mike Lux von der DSK Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft vor. Gleichzeitig kämpft die Stadt aber mit einem Investitionsstau von rund 320 Millionen Euro für kommunale Infrastruktur. Cottbus muss es trotzdem gelingen, künftig sowohl die Innenstadt weiter zu stärken als auch mit dem Ostsee ein völlig neues Quartier zu erschließen. In diesem Spannungsfeld sind Prioritäten das A und O. Das Stadtumbaukonzept soll sie setzen.

Der größte Brocken wird die Entwicklung des Ostsee-Quartiers. Das Areal entlang der Seeachse muss sich von einem Gewerbegebiet in eine urbane Zone verwandeln. Um die Innenstadt weiter zu stärken, ist aus Sicht der Fachleute ein zielgerichteter Rückbau notwendig. „Bisher lag der Fokus an den Stadträndern“, erklärt Lux. „Rückbau soll künftig auch in der Innenstadt möglich sein, etwa bei übermäßiger Verdichtung.“

Neu Schmellwitz erhält einen Umstrukturierungsstatus. Bisher war das Wohngebiet als Rückbaugebiet deklariert. Investitionen waren damit per se nicht vorgesehen. „Aber die Bevölkerung hat sich doch positiver entwickelt als angenommen“, erklärt Mike Lux die Korrektur. „Hinzu kommt die relative Nähe zum künftigen Ostsee.“ Applaus dafür gibt es von Bürgervereinschef Michael Tietz. Er hat gleich eine ganze Liste von Projekten im Kopf. Ganz oben: der Ausbau der Gerhart-Hauptmann- und der Schmellwitzer Straße – inklusive der Radwege.

Auch der Status von Sandow verändert sich. Der Stadtteil wird vom Beobachtungsgebiet zum Umstrukturierungsgebiet. Es gibt gleich zwei Gründe: Sandow ist das Verbindgungsstück zwischen Innenstadt und Ostsee – also der zwei Zentren von Cottbus. „Deshalb sind größere Eingriffe nötig“, so Lux. „Aber auch die Bevölkerung befindet sich in einem Umbruch.“ Einst überaltert, verjüngt sich der Stadtteil.

Die Handlungsräume im Überblick mit Zielen und vordringlichen kommunalen Investitionsprojekten:

OSTSEE künftige Uferzone – Entwicklung als wassertouristisches Zentrum, Erschließung des Hafenquartiers, Schaffung touristischer Anlagen. Projekte: Erschließung und Freiraumgestaltung an den Standorten Lakoma, Hafenquartier und Hauptstrand sowie Bau des Rundwegs.

Gewerblich geprägte Kernzone – Neugestaltung der Seeachse und Aufwertung von Verkehrs- und Freiflächen. Projekte: Bau der Seeachse, Erneuerung der B 169 vom Turbokreisel in Richtung Peitz.

Dörflich geprägte Siedlungskerne – Erhalt der ortstypischen Eigenarten mit Verdichtung, bessere Verbindung der Orte mit der Innenstadt. Projekte: Erweiterung der Grundschule Dissenchen – eventuell mit Neubaustandort.

Landschaftsraum – naturnahe Gestaltung und Verbindung des Ostsees mit dem Branitzer Park. Projekte: keine.

Gewerbegebiet Dissenchen Süd – Verlängerung der Siemensstraße an die Ortsumfahrung der B 168, Bündelung des Schwerlastverkehrs außerhalb der Siedlungen, Nutzung der Gewerbeflächen als Ausweich für nötige Betriebsverlagerungen aus der Nähe der neuen Seeachse. Projekte: Verlängerung der Siemensstraße.

Modellstadt INNENSTADT – Stärkung des Einzelhandels, Ergänzung des Wohnangebots, Nachverdichtung der Baulücken. Projekte: Hort-Erweiterung Erich Kästner-Grundschule, Neubau einer Kita an der Wehrpromenade und einer Turnhalle für das Oberstufenzentrum, Erneuerung der Sandower Brücke.

Bahnhofsumfeld – Aufwertung der angrenzenden Quartiere sowie der Infrastruktur. Projekte: Erneuerung des Bahnhofsvorplatzes und Entwicklung des städtebaulichen Entrees im nördlichen Bahnhofsumfeld.

Ostrow – Schaffung von Wohnraum, Aufwertung des öffentlichen Raums und städtebauliche Verbesserung des Wohnquartiers Lindenplatz. Projekte: Entwicklung des bisherigen Busbahnhofs zu einem innerstädtischen Wohnquartier.

Westliche Stadterweiterung – wohnbauliche Nutzung des Viehmarktes und Verlagerung der Veranstaltungsfläche in das nördliche Bahnhofsumfeld. Projekte: Erneuerung von Karl-Liebknecht- und Lausitzer Straße.

Nördliche Innenstadt – bessere Verbindung von Campus und Innenstadt, wohnbauliche Entwicklung des Spreebogens, besserer Zugang zur Spree. Projekte: Bau des Gründerzentrums, Erneuerung des Schulstandortes an der Elisabeth-Wolf-Straße und der Kita „Villa Kunterbunt“ an der Seminarstraße.

Brunschwig – Entwicklung des Quartierzentrums und Auflockerung der Wohnbebauung. Projekte: Erneuerung Leichhardt-Gymnasium und Neubau Grundschulzentrum an der Hallenser Straße.

Sandow – Verbindung zum Ostsee, Anpassung des Wohnungsangebots inklusive (Teil)-Abriss und Neubau. Projekte: Aufwertung der Stadtachse Mehring- und Dissenchener Straße, Erneuerung der Fontane-Gesamtschule sowie der Kita „Pfiffikus“ und „Siebenpunkt“.

Ströbitz – Anpassung des Wohnungsangebots und Aufwertung von öffentlichen Flächen. Projekte: keine.

Spremberger Vorstadt Mitte Ost – Aufwertung der Thiemstraße als wichtige Nord-Süd-Verbindung. Projekte: Erneuerung Schulstandort Gartenstraße und Aufwertung der Thiemstraße.

Westliche Spremberger Vorstadt – Entwicklung einer Perspektive für die Hochhausruine Leipziger Straße und das Umfeld. Projekte: keine.

Sachsendorf-Madlow – Rückbau an den Quartiersrändern, Stärkung des Stadtteilzentrums, Aufwertung von Gelsenkirchener Alle und Lipezker Straße. Projekt: Erneuerung des Gebäudes Kantstraße (Juks e.V.).

Neu Schmellwitz – Rückbau an den Quartiersrändern, Aufwertung der sozialen Infrastruktur. Projekte: Erneuerung der Schmellwitzer Oberschule und Neubau der Turnhallen der Gotthold-Schwela-Straße.

Schmellwitz – städtebauliche Gestaltung des Stadtentrees von Burg. Projekte: Erneuerung der Lindgren-Grundschule und der Luxemburgstraße.