Staatstheater Cottbus: So sichern sich Lausitzer einen großen Auftritt

Staatstheater Cottbus: Franziska Benack, Co-Schauspieldirektorin und Dramaturgin des geplanten Theaterstücks mit dem Titel „Aufstand“
Frank Hammerschmidt/dpaDas Theater ist nicht nur ein Ort der Unterhaltung, sondern kann auch eine Plattform für lokale Diskussionen sein. Dafür braucht es persönliche Geschichten von Menschen, die mit der Region verbunden sind. Davon ist Dramaturgin Franziska Benack überzeugt. Deshalb will sie die Lausitzer und ihre Erzählungen selbst auf die Theaterbühne bringen.
Für gewöhnlich bleiben die Vorbereitungen eines Stücks dem Publikum verborgen, da sie größtenteils hinter den Kulissen stattfinden – angefangen bei der Themenauswahl bis hin zur Entwicklung der einzelnen Charaktere. Die sogenannte Hochkultur muss aber nicht immer so exklusiv sein.
Als Laie in Cottbus auf die große Bühne?
Für das Stück „Aufstand“ von Milena Michalek, das am 5. April 2025 in der Kammerbühne uraufgeführt werden soll, werden jetzt Cottbuser Stimmen gesucht. Gemeinsam an einem Tisch sollen Fragen diskutiert werden wie: Was macht sie wütend? Was sollte boykottiert werden? Worüber wollte man sich schon immer beschweren? Aber auch Trauererfahrungen, Sorgen und Hoffnungen der Menschen stehen im Fokus.
Das Schauspiel-Team des Staatstheaters unter der Leitung von Schauspieldirektorin Franziska Benack legt bei der Themensuche schon seit einiger Zeit Wert auf Inhalte, zu denen die Menschen aus der Region einen persönlichen Bezug haben. Jetzt sollen die Cottbuser nicht nur Impulse liefern, sondern selbst zu den Charakteren der Geschichten werden.
Die Details der konkreten Umsetzung seien noch offen. „Wir haben es uns bewusst freigehalten“, sagt Franziska Benack. Auf diese Weise bliebe die Stück-Gestaltung flexibel. Die Überlegung sei aber, Zitate der Cottbuser in den Text des Stückes einfließen zu lassen und Inhalte aus ihren Geschichten zu schöpfen. „Vielleicht bringen wir auch die Cottbuserinnen und Cottbuser selbst direkt auf die Bühne. Also lassen es nicht nur von unserem Ensemble spielen, sondern auch von Laien“, macht Benack neugierig.
Staatstheater Cottbus sucht Nähe zu den Bürgern
Als Staatstheater sei es ohnehin wichtig, Bedingungen herzustellen, die es möglich machen, Menschen und ihre persönlichen Geschichten auf die Bühne zu bringen – auch wenn sie nicht viel mit dem Theater zu tun haben. „Wir wollen die Stadtgesellschaft so mitgestalten, ein Teil des Netzwerkes sein“, macht Benack deutlich.
Im Gegenzug werden Ressourcen zur Verfügung gestellt: Es gebe viele Räume und Menschen, die für Recherchen bezahlt werden können. „Wenn man da als Theater der Stadt was zurückschenken kann, ist das auch für uns ein großer Gewinn“, hebt Benack hervor.
Die erste Stammtisch-Runde hat bereits stattgefunden. Zwei weitere Runden, um die Geschichten der Cottbuser und der Lausitzer zu finden, sollen noch folgen. Wer Lust hat, das Stück mitzuentwickeln und vielleicht auch selbst einmal auf der Bühne zu stehen, ist herzlich eingeladen.
Termine zum Stammtisch
11. Oktober 2024, 17.00 Uhr
Salon der Klage – Gespräche über Trauer
Ort: Kreuzkirche, Karlstraße 80
19. Oktober 2024, 19.00 Uhr
Bankett der Begierde - Gespräche über Sehnsucht
Ort: Café Zelig, Friedrich-Ebert-Str. 21
Anmeldung und weitere Informationen über: dramaturgie@staatstheater-cottbus.de


