Am Pückler-Gymnasium in Cottbus wurden am Donnerstagabend (20. Februar) in vier Räumen der Schulleitung und des Lehrerrates Abhöreinrichtungen entdeckt, sogenannte Wanzen. Der Schulleiter informierte umgehend das zuständige Staatliche Schulamt Cottbus und dieses die Polizei. Seitdem ermittelt die Cottbuser Staatsanwaltschaft.
Zudem wurden der Landkreis Spree-Neiße als Schulträger, der Hauptpersonalrat der Lehrkräfte sowie die Datenschutzbeauftragte des Landes umgehend informiert. Das teilte am Freitagnachmittag das Brandenburger Bildungsministerium mit.

Stellvertretender Schulleiter unter Verdacht

Der Verdacht richtet sich demnach gegen den stellvertretenden Schulleiter des Pückler-Gymnasiums, er ist seit Februar 2015 in dieser Funktion an der Schule tätig. Er wurde am Freitagmittag zu der Sache angehört, der Verdacht gegen ihn hat sich bestätigt, so das Ministerium. Daraufhin wurde der stellvertretende Schulleiter mit sofortiger Wirkung suspendiert und darf die Schule nicht mehr betreten. Gegen ihn wurde Strafanzeige gestellt.
Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum erklärt, dass die Ermittlungen noch ganz am Anfang stehen. „Es hatte sich ein Verdacht gegen den stellvertretenden Schulleiter ergeben, woraufhin dann die Wanzen gefunden wurden.“ Sollte sich der Verdacht gegen ihn erhärten, drohen bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe wegen „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“.

Verdächtiger flog zuvor in Spremberg

Frank B. (60) ist seit 2015 an der Cottbuser Schule tätig. Zuvor war der Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie stellvertretender Direktor am Spremberger Gymnasium. Dort galt er nach Aussagen von Eltern seiner früheren Schüler als schwierig. Er sei durch wechselhafte Stimmungen und herablassendes Verhalten gegenüber Mädchen aufgefallen. Deshalb musste er die Schule irgendwann verlassen.
Seine Kollegen in Cottbus äußern sich derzeit nicht zu den Vorfällen an ihrer Schule. Nach Auskunft des Ministeriums sind Schulbetrieb und Unterrichtsablauf gesichert.
Frank B. war für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen.