Singen in Cottbus
: Kneipenchor – großer Trend noch exklusiv in der Stadt

Immer mehr Leute schaffen sich neue Orte für ihre Lust am gemeinsamen Singen. Menschen aus Cottbus zieht es in eine Raucherkneipe. Wie hält das die Stimme geschmeidig?
Von
Stefanie Krautz
Cottbus
Jetzt in der App anhören
Der Cottbuser Kneipenchor bei einer Probe im August in der Galerie Haus 23.

Der Kneipenchor in Cottbus bei einer Probe in der Galerie Haus 23 in der Marienstraße.

Stefanie Krautz

Singen im öffentlichen Raum ist selten geworden – meist hört man nur zu, schaltet Radio oder Spotify an oder geht in ein Konzert. Wer gern selbst singt, findet den Weg in einen Chor nicht immer leicht. Denn wer weiß schon, ob er den dort herrschenden hohen Ansprüchen genügt?

Die gute Nachricht ist: Nach dem Chorsterben der vergangenen Jahre organisiert sich viel Neues, auch in der Lausitz. Hier zieht der Cottbuser Kneipenchor jene an, die unkompliziert mit anderen singen wollen.

Was für einen Anspruch haben Laienchöre in Kneipen?

Kneipenchöre gibt es schon eine Weile, gerade das Berliner Vorbild hat bundesweit viele Sangesfreunde inspiriert. Im Kern geht es nicht um den perfekten Klang, sondern um Freude am Singen. Ohne Proben geht auch das nicht, im Gegenteil: Für den Cottbuser Kneipenchor sind sie sehr zentral. Dabei ist der ungezwungene Rahmen, und auch das Zusammensitzen bei einem Getränk vorher, selbst wenn das in einer Raucherkneipe ist. Die Lieder suchen sich die Mitglieder selbst aus.

Und wo sich andernorts wie in England Leute zum spontanen Singen zusammentreffen im Pub, ist der Cottbuser Kneipenchor auch für Auftritte gefragt. Klar ist: Es soll gut klingen, hier wird nicht betrunken gegrölt.

Die Geschichte des noch einzigen Cottbuser Kneipenchores

Der Cottbuser Kneipenchor ist nicht ganz so alt wie sein Berliner Vorbild, der sich seit 2011 trifft.  Die Cottbuserin Monique Androck erzählt: „Wir haben uns im Juni 2020 im ‚Prima Wetter‘ in Cottbus gefunden mit unserer Idee. Schließlich gibt es ja auch in anderen Städten Kneipenchöre – sowas wollten wir auch haben.“

Gesagt, getan – seitdem treffen sich die Kneipensänger regelmäßig zum Singen, zur Probe und auch zu Auftritten vor Publikum im Prima Wetter/Scandale, im Strombad oder in der Galerie Fango. Der Chor wächst. Mittlerweile sind es an die 40 Mitglieder aus Cottbus und Umgebung. Was sie verbindet: „Wir singen alle gern, wollten aber nicht in einen Theaterchor, Kirchenchor oder ähnliches. Es soll entspannt sein“, sagt Monique Androck.

Diese Lausitzer Klassiker sind mittlerweile im Repertoire

Was aber singt der Chor, wenn es nicht um klassische Werke geht? „Das Repertoire ist bunt gemischt“, sagt Moniqe Androck. „Wir haben Hits aus der Popwelt, von den Doors, Max Raabe und Nina Hagen. Dazu kommen Lausitzer Klassiker wie das Cottbus-Lied ‚Die Wüste lebt‘ oder Songs von Gundermann. So, wie es sich die Mitsingenden wünschen.“

Von Anfang an dabei ist Mario Heß, Lehrer für Gesang am Konservatorium, Dozent der BTU und vielseitiger Musiker. Er ist einer der beiden Chorleiter und übt mit dem Kneipenchor, gemeinsam mit dem Cottbuser Musiker Johannes Schöne.

Diese Bedingung gibt es fürs Mitsingen im Kneipenchor

Mittlerweile kommen vermehrt Angebote für Auftritte, die Cottbuser wollen den Kneipenchor hören. Das ist schön, aber bei bezahlten Auftritten gibt es manches zu beachten. „Das ist für einen lockeren Haufen nicht unkompliziert zu regeln, daher haben wir uns zu einer Vereinsgründung entschlossen“, sagt Monique Androck, die künftige Vereinsvorsitzende. Ab September wird der Cottbuser Kneipenchor ein eingetragener Verein.

Das soll nichts daran ändern, dass jeder willkommen ist. Der Gedanke dahinter: Jeder kann singen. Eine Bedingung gibt es: Wer dabei sein will, sollte Lust auf Singen und Geselligkeit mitbringen. Monique Androck sagt: „Es soll kein Stress sein. Wir treffen uns einmal in der Woche zum Singen.“ Was aber, wenn jemand kommt und so richtig daneben liegt? „Bei uns singt keiner schief“, sagt sie, „Das schleift sich schon ein.“

Der Cottbuser Kneipenchor im Januar 2024

Der Cottbuser Kneipenchor im Januar 2024.

Petra Domke

Entspannung ist das eine, „richtig gesungen“ wird trotzdem, mehrstimmig und in vier Tonlagen. Auch Stimmbildung und Rhythmus werden angegangen, man singt sich ordentlich ein. Johannes Schöne sagt: „In den Stimmgruppen gibt es eine gewisse Dynamik. Einige von uns haben ja Chorerfahrung.“ Den Rahmen geben die Mitglieder, und da ist auch eine Logopädin dabei – und auch mit ihr wurde schon geübt.

Müssen Kneipengäste jetzt mit Überraschungen rechnen?

Kern der Chorarbeit sind die Proben, zu denen sich der Chor in der „Marie“ in der Marienstraße trifft, dazu kommen alle zwei Monate Auftritte in den verschiedenen Locations. Wenn alles so locker ist – kann es passieren, dass man in einer Gastwirtschaft spontan von Chorgesang überrascht wird? Das sei unwahrscheinlich, sagt Monique Androck, auch wenn schon in der "Marie“ im Garten gesungen wurde.

Der Cottbuser Kneipenchor ist am 8. September 2024 zu erleben beim Tag des offenen Denkmals im Strombad Cottbus, ab 17 Uhr. Neue Mitsingende erreichen den Chor bei Interesse unter kneipenchor-cottbus@gmx.de.