Von Silke Halpick

Carlos von Schlossrudwalde ist ein Prachtexemplar von einem Dobermann: sportlich, muskulös, temperamentvoll. „Ein toller Hund mit großem Potenzial“, sagt auch seine Halterin Mandy Niedergesäß. Die Cottbuserin hat jetzt mit ihm die „IDC-World-Champion­ship“ in Ungarn gewonnen. Den Siegerpokal in der Hand zu halten, war auch für sie selbst eine Riesenüberraschung.

„Unser Ziel war, unter die ersten Zehn zu kommen“, erzählt die amtierende Weltmeisterin gut gelaunt. Allerdings sei der Start „katastrophal“ verlaufen. Nur 92 Punkte gab es in der Kategorie Fährte, schuld war der Dauerregen. „Acht Punkte holt man bei einem solch hochkarätigen Wettkampf nicht so schnell wieder auf“, erklärt sie.

Doch Carlos schaffte das scheinbar Unmögliche. In der zweiten Kategorie Unterordnung lag er mit 92 Punkten im vorderen Spitzenfeld, und beim Schutzdienst lieferte er mit 98 von 100 möglichen Punkten die beste Leistung von allen ab. Andere Vierbeiner wurden hier disqualifiziert, weil sie nicht rechtzeitig auf Kommando vom vermeintlichen Angreifer abließen. „Selbst der Wertungsrichter war begeistert“, erzählt sie.

Für Mandy Niedergesäß gehören Dobermänner zum Leben einfach dazu. Schon mit 13 Jahren bekam sie ihren ersten, der rasch den „Rüpel raushängen lieߓ, wie sie sich erinnert. Folglich stand sie schnell mit ihm auf dem Hundeplatz zum Gehorsamkeitstraining.

Heute ist Mandy Niedergesäß Mitglied im Dobermann-Verein in Vetschau (Oberspreewald-Lausitz). Ein Mini-Verein, wie sie einräumt, aber mit großem Zusammenhalt. Viele der zwölf Mitglieder haben sogar Urlaub genommen, um sie zur dreitägigen Weltmeisterschaft Anfang Mai zu begleiten.

Insgesamt 44 Starter aus 17 Nationen traten in Ungarn mit den weltbesten Dobermännern des Gebrauchshundesports gegeneinander an. Die Cottbuserin hatte sich durch ihren zweiten Platz bei der Deutschen Meisterschaft im Oktober 2018 in Dimelstadt (Hessen) direkt qualifiziert. Am Ende sicherte sich das deutsche Team durch die hervorragenden Ergebnisse der einzelnen Starter auch den Gewinnerpokal in der Mannschaftswertung.

Viele Menschen halten Dobermänner für aggressiv. In Brandenburg gehört die Rasse zu den Listenhunden. Das heißt: Sofern der Hundehalter nicht über ein Negativzeugnis verfügt, wird von einem gefährlichen Hund ausgegangen. Mandy Niedergesäß sieht es entspannter: „Das ist alles eine Frage der Erziehung“, sagt sie. Der Dobermann habe einen großen Bewegungsbedarf und brauche Beschäftigung.

Die hat Carlos: Er bewacht als Gebrauchshund den Hof von Leo-Reisen in Gallinchen. Hier führt Mandy Niedergesäß gemeinsam mit ihrem Bruder die Geschäfte. Das Familienunternehmen hat rund 30 Mitarbeiter, ist im Schülertransport, Linienverkehr sowie Reisegeschäft tätig. „Ohne die Unterstützung meiner Familie und Freunde würde das alles gar nicht funktionieren“, sagt sie. Doch auch Ehemann Christian und Tochter Leonie sind längst Dobermann-Fans. „Unsere Tochter zieht bei den Wettkämpfen immer die Startnummer. Das bringt uns Glück“, verrät Ehemann Christian Niedergesäß.

Ein ausgesprochener Glücksgriff ist auch Carlos, wie seine Halterin einräumt. „Nicht jeder Dobermann verfügt über solch hervorragende Anlagen“, erklärt sie. Er sei schnell, wendig und habe Spaß an der Arbeit. „Für ihn ist das alles ein Spiel“, so Niedergesäß. Doch auch sie als Trainerin habe mit jedem Hund dazugelernt.

Mit dem IDC-Weltmeisterschaftstitel in der Tasche kann die Cottbuserin theoretisch auch zu den rasseübergreifenden FCI-Weltmeisterschaften im Herbst nach Österreich fahren. Allerdings wisse sie noch nicht, ob dafür Zeit bleibt. Im Kalender notiert sind die Termine für die nächste Deutsche Meisterschaft sowie die Dobermann-WM, die 2020 in Italien ausgetragen wird. „Als Titelverteidigerin bin ich da ohnehin gesetzt“, so Mandy Niedergesäß.