Angesichts des Russland-Ukraine-Konflikts zeigen sich Unternehmen in Südbrandenburg wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit beiden Ländern beunruhigt. „Viele unserer Mitgliedsbetriebe blicken mit Sorge auf die politische Entwicklung“, sagte Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Das Ausfuhrvolumen aus Brandenburg Richtung Russland, Ukraine und Belarus betrug ihm zufolge im vergangenen Jahr 307 Millionen Euro.
Nicht nur im Strukturwandel sind Russland und die Ukraine wichtige Außenhandelspartner der regionalen Wirtschaft in Südbrandenburg. Seit 2019 hat die IHK ein Büro in der Außenhandelskammer (AHK) Russland in Moskau, dass brandenburgische und russische Unternehmen bei der Stärkung der Außenhandelsbeziehungen unterstützt.

Russland-Ukraine-Konflikt könnte für Störungen der Lieferketten sorgen

Dort werden Unternehmen unter anderem zu Ansiedlungen, Vertriebspartnerschaften, Lieferantensuche oder Mitarbeiterentsendungen beraten. Bislang wurden nach IHK-Angaben 50 Unternehmen betreut, 20 auf russischer Seite und 30 in Südbrandenburg. Das Büro begleitete auch sieben Ansiedlungen.
Das am Dienstag von den EU-Außenministern verabschiedete Sanktionspaket der EU-Kommission umfasst nach Angaben aus Brüssel ein Handelsverbot für russische Staatsanleihen, um eine Refinanzierung des russischen Staates zu erschweren. Zudem sollen mehrere Hundert Personen und Unternehmen auf die EU-Sanktionsliste kommen.

Russland-Ukraine-Konflikt kann zu Explosion der Energiekosten führen

„Mit der Zuspitzung des Konfliktes droht eine massive Störung der Lieferketten und eine weitere Explosion der Energiekosten, unter denen die Unternehmen heute schon stark leiden“, warnte Krüger. Vor allem Unternehmen aus den Branchen Maschinenbau, Gummi und Kunststoff, Nahrungs- und Futtermittel sowie Landwirtschaft und Kraftfahrzeugbau und -zulieferer seien stark beim Export in die Zielländer. Gerade die Ukraine hat nach Angaben der IHK Cottbus spürbar an Bedeutung gewonnen.
Im vergangenen Jahr lagen die Einfuhren aus den Ländern bei rund 4,1 Milliarden Euro, hier vor allem Öl und Gas. „Die Umsätze sind nicht einfach durch andere Märkte zu ersetzen“, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Einfuhren seien unter anderem für den Chemiekonzern BASF am Standort Schwarzheide wichtig, für die Rohstoff- und Energiesicherheit des PCK Schwedt „die Lebensader“.