Rentner und Pensionäre müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn ihre Bezüge im Ruhestand das beitragsfreie Grundeinkommen übersteigen. Für das Steuerjahr 2019 bedeutet dies: Wer als Rentner mehr als 9168 Euro verdient hat, gibt eine Steuererklärung ab. Bei zusammen veranlagten Ehepartnern liegt der steuerfreie Betrag für die Rente bei 18.336 Euro jährlich.

Rentenerhöhung 2019: Die Rente ist ab 1. Juli 2019 erneut angehoben worden. Die Rentenerhöhung ist voll steuerpflichtig. Darauf weist der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) hin. Allerdings gibt es für Rentner ein steuerfreies Existenzminimum. Dieses schrumpft seit 2005 allerdings von Jahr zu Jahr. „Allein durch die jährliche Anpassung kommen nur wenige Rentner in die Steuerzahlung“, sagt BVL-Geschäftsführer Uwe Rauhöft. Das hänge vor allem damit zusammen, dass auch der steuerfreie Grundfreibetrag jährlich steige.

Vereinfachtes Verfahren: In Brandenburg und Sachsen können Rentner und Pensionäre eine vereinfachte Steuererklärung in ausgedruckter Form abgeben. Die Erklärung zur Veranlagung von Alterseinkünften besteht aus zwei Seiten. Dabei müssen Ruheständler laut BVL ihre Renten- und Pensionseinnahmen und die Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr eintragen: Die Finanzämter übernehmen diese Daten aus den elektronischen Meldungen der Leistungsträger.

Außerdem werden in der verkürzten Steuererklärung nur die am häufigsten auftretenden Aufwendungen abgefragt: So können außergewöhnliche Belastungen, Behinderten-Pauschbeträge, Kirchensteuern, Spenden und Parteibeiträge, Aufwendungen für Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienste sowie weitere Versicherungsbeiträge erfasst werden.

Wer als Rentner die ganze Steuererklärung ausfüllen muss

Klassische Steuererklärung: Werden beispielsweise Unterhaltszahlungen an Angehörige geleistet oder sollen Pflegekosten angesetzt werden, für die neben dem Abzug als außergewöhnliche Belastung auch eine unmittelbare Steuerminderung gewährt wird, muss der vollständigen Steuererklärungsvordruck benutzt werden. Dieser sei auch erforderlich, wenn weitere Einkünfte vorliegen, beispielsweise aus einer Nebentätigkeit oder aus Vermietung und Verpachtung, so der BVL.

Auch Rentner, die den Altersentlastungsbetrag für Einkünfte aus Kapitalvermögen geltend machen und Abgeltungsteuer zurückholen wollen, benötigen laut BVL den vollständigen Steuererklärungsvordruck. Und für Rentner, die ihre Steuererklärung elektronisch abgeben, ist die vereinfachte Steuererklärung bisher nicht vorgesehen.

Allgemeine Steuererklärung: Für die Einkommensteuererklärung sind dafür laut Finanzministerium Brandenburg neben den allgemeinen Angaben die Anlage R (für Renten), die Anlage N (für Versorgungsbezüge) und die Anlage Vorsorgeaufwand (für Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge) zu verwenden.

Wer außerdem Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung erzielt, braucht auch die Anlage V. Gibt es noch Nebenjobs, kommt Anlage N zum Einsatz. In der Anlage R (Renten und andere Leistungen) ist die Jahresbruttorente aus der Rentenmitteilung einzutragen. Beitragsanteile zur Kranken- und Pflegeversicherung seien nicht vom Rentenbetrag abzuziehen, könnten aber als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Diese Altersbezüge werden bei Senioren besteuert

Besteuerte Bezüge: Neben den Leibrenten der gesetzlichen Rentenversicherung, der Versorgungseinrichtungen (zum Beispiel für Ärzte, Rechtsanwälte) und aus der landwirtschaftlichen Alterskasse sind auch Leistungen aus Rürupverträgen anzugeben und zu besteuern. Hinzu kommen Erträge aus privaten Rentenversicherungen, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen sowie Renten aus dem umlagefinanzierten Teil von Zusatzversorgungseinrichtungen wie VBL-Renten. Wer privat zum Beispiel mit der Riesterrente vorgesorgt hat oder Leistungen aus betrieblicher Altersversorgung erhält, muss das angeben.

Was mindert die Steuerlast? Das Finanzamt rechnet Senioren, die weitere Einkünfte als die Rente erzielen und zum Beispiel einer Nebenbeschäftigung nachgehen, automatisch einen Altersentlastungsbetrag an. Der ist abhängig vom Jahr des Rentenbeginns. Ist ein Rentner 2005 65 Jahre alt geworden, liegt der Betrag im Steuerjahr 2019 noch bei 1900 Euro jährlich. Für Rentner, die 2019 das erste Mal Rente bezogen haben, liegt der Betrag bei 836 Euro. Minijobs bleiben bei Rentnern steuerfrei.

Als Werbungskosten erkennt das Finanzamt pauschal 102 Euro pro Steuerpflichtigem an. Wer höhere Aufwendungen nachweist, muss das gegebenenfalls belegen können. Als Sonderausgaben können Rentner Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherung geltend machen. Außerdem gehören laut brandenburgischem Finanzministerium zum Beispiel Kirchensteuern, Spenden für gemeinnützige Zwecke und Unterhaltsleistungen (bei Geschiedenen) dazu. Ohne Nachweis erkennt das Finanzamt demnach als Pauschbetrag 36 Euro an.

Gegebenenfalls können Rentner und Pensionäre außergewöhnliche Belastungen geltend machen: zum Beispiel Behandlungskosten von Ärzten, Ausgaben für Brillen, Hörgeräte und Zahnersatz oder Kuren. Dabei fordert das Finanzamt gegebenenfalls ein ärztliches Attest ein, dass die Notwendigkeit der Ausgaben belegt. Eine steuerliche Entlastung trete allerdings nur ein, wenn die Aufwendungen die zumutbare Belastung übersteigen, heißt es beim brandenburgischen Finanzministerium. Das seien vier bis sechs Prozent der jährlichen Einkünfte.

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Wie Berufstätige können auch Rentenbezieher Aufwendungen für Haushaltshilfe, Gartenpflege, Reinigungsservice und Pflegedienste steuerlich geltend machen. Als Handwerkerleistungen können Aufwendungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Dazu gehören auch Reparaturkosten für Waschmaschine, Geschirrspüler und Fernseher. Dabei sind laut Finanzministerium in Potsdam nur die Arbeitskosten abzugsfähig, die per Rechnung aufs Konto des Dienstleisters bezahlt worden sind.

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Höhere Renten auch 2020


Rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können sich im Sommer 2020 auf eine Rentenerhöhung freuen. In den neuen Ländern steigen die Renten ab 1. Juli laut Bundessozialministerium um 4,2 Prozent. Beispiel: Eine monatliche Rente von 1000 Euro erhöht sich dadurch um 42 Euro.

Der Rentenwert im Osten steigt damit auf 97,2 Prozent des Rentenwerts West. Bis zum Jahr 2024 soll er auf 100 Prozent klettern. Das Bundesfinanzministerium rechnet durch die Rentenerhöhung mit zusätzlicher Einkommensteuer in dreistelliger Millionenhöhe.

Finanzamt und Steuerbescheide: Der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine rät dazu, den Steuerbescheid genau überprüfen. Fehlt etwas, sollte Einspruch eingelegt werden. Wer Fehler zu seinen Gunsten feststellt, beispielsweise dass eine Rente fehlt, sei verpflichtet, das Finanzamt darauf hinzuweisen.

Die Finanzämter bieten auch für Rentner in der Service- und Informationsstelle telefonische Auskünfte an.

Cottbus: (0355) 49 91-4922.

Calau: (03541) 83-116 und -163.

Finsterwalde: (03541) 83-6000, -6001, -6002.

Königs Wusterhausen: (03375) 275-136, -138, -140 oder -167.

Görlitz: (3581) 875-0.

Bautzen: (3591) 488-0.