Ein Cottbuser Kneipenwirt und Stadtverordneter steht als mutmaßlicher Erpresser vor Gericht. Gemeinsam mit zwei Mitangeklagten soll er versucht haben, den Inhaber eines Cottbuser Küchenstudios um Geld zu erpressen.
Was ist laut Anklage geschehen? Im Dezember 2019 soll der Kneipen-Wirt mit den beiden Mitangeklagten und einem weiteren bisher nicht identifizierten Mann in dem Cottbuser Küchenstudio aufgetaucht sein. Vom Inhaber habe er dort 2000 Euro gefordert – und untermauert von der körperlichen Präsenz der Mitangeklagten gedroht, dass „der Laden kurz und klein“ geschlagen werde, wenn der Mann die Zahlungsfrist tatenlos verstreichen lasse. Der Betreiber der Küchengalerie hat das bei der Polizei angezeigt.

Lauchhammer

Den Unmut des Cottbuser Gastronomen soll der Küchenstudio-Chef aus folgendem Grund auf sich gezogen haben: Im Rahmen von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Cottbus gegen die rechte Kampfgemeinschaft Cottbus ist ein Angestellter des Küchenstudios ins Visier der Behörden geraten. Es ging um die Bildung einer kriminellen Vereinigung in der Stadt. Der Verdacht, der am Rande auftaucht: Der Küchenstudio-Mitarbeiter soll bei dem Kneipen-Wirt schwarz gearbeitet haben. Aussagen des dazu befragten Betreibers der Küchengalerie erhärteten das laut Ermittlungsbehörde.

Auftritt im Cottbuser Küchenstudio von Kamera aufgenommen

Der Zoll ist dem Cottbuser Wirt deshalb auf den Pelz gerückt. Und das soll diesen so verärgert haben, dass er mit den Mitangeklagten im Küchenstudio erschien. Dort ist die angebliche versuchte Erpressung von der Überwachungskamera des Geschäftes aufgenommen worden. Und der im Prozess Beschuldigte soll laut Opfer-Aussage auch diese klare Ansage an den Küchenstudio-Inhaber gerichtet haben: Mit ihm mache das niemand. Keiner zeige ihn in Cottbus an. Ihm könne in dieser Stadt keiner was.
Die von der Staatsanwaltschaft Cottbus erhobenen Vorwürfe werden im Prozess am Amtsgericht Cottbus von der Verteidigung bestritten. Die drei Angeklagten äußern sich in der Sache selbst nicht, was auch ihr gutes Recht ist.
Doch wegen der Anzeige des Küchenstudio-Inhabers hat das Trio eine Gefährderansprache von der Polizei erhalten. Die Verdächtigen sind also mit der Anzeige konfrontiert und dringend aufgefordert worden, den Küchenstudio-Chef in Ruhe zu lassen und das vermeintlich an den Tag gelegte Verhalten zu unterlassen. Und nur deshalb, so konstatiert der Staatsanwalt in der öffentlichen Hauptverhandlung am Amtsgericht Cottbus, sei die Erpressung letztlich nicht vollendet worden.

Kann dem Cottbuser Wirt in der Stadt wirklich keiner was?

Selten sind im Gericht so gut gelaunte Angeklagte in Strafverfahren anzutreffen wie der Kneipen-Wirt und die Mitangeklagten am ersten Prozesstag. Das Trio amüsiert sich vor dem Gerichtssaal offensichtlich prächtig. Zur Aufklärung in der Strafsache selbst trägt keiner der drei Angeklagten bei.
Im Verfahren bekommt der Staatsanwalt von dem Gastronomen und einem Mitangeklagten auf seine Fragen auch Antworten, die durchaus als despektierlich interpretiert werden können. Der Cottbuser Wirt macht deutlich, dass er „mit einem Freispruch“ rechnet und er seine Einkommensnachweise für ein mögliches Strafmaß nicht für relevant hält.
Der erste Mitangeklagte, der bei der Justizkasse aus einem früheren Verfahren noch 21.000 Euro Schulden hat und die Summe in 30-Euro-Raten abstottert, erklärt zur Dauer seiner Zahlungsverpflichtung: „Ich will ja auch lange leben.“ Lediglich der zweite Mitangeklagte lässt allein seinen Anwalt für sich sprechen.
Kann den Angeklagten, wie der Kneipen-Wirt behauptet haben soll, „in Cottbus wirklich keiner was“? Der Hauptzeuge, der Küchengalerie-Inhaber, bleibt der Verhandlung unentschuldigt fern. Er bekommt deshalb von der Richterin in Abwesenheit ein Ordnungsgeld aufgebrummt.

Einstellen des Strafverfahrens gegen Geldzahlung beantragt

Die Verteidigung fordert das Beiziehen einer Gerichtsakte, die aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die Kampfgemeinschaft Cottbus resultiert. Die Hauptverhandlung wird deshalb ausgesetzt. Das Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, das im April 2019 nach einer Razzia in Cottbus eingeleitet wurde und ein großer Schlag gegen die rechtsextreme Szene in Südbrandenburg werden sollte, ist allerdings im Januar 2022 eingestellt worden. Es hat mit den Angeklagten nichts zu tun.
Nach mehreren internen Rechtsgesprächen steht nun auch im Raum, das Strafverfahren wegen gemeinschaftlicher Erpressung gegen die drei Männer aus Cottbus gegen die Zahlung von jeweils 2500 Euro einzustellen. Dazu soll sich jetzt die Anklagebehörde, die Staatsanwaltschaft Cottbus, positionieren. „Die erforderliche Zustimmung der Staatsanwaltschaft zu dieser Entscheidung ist bisher nicht erteilt worden, da die Entscheidung durch den zuständigen Dezernenten getroffen werden soll und die Akten bei der Staatsanwaltschaft bisher noch nicht wieder eingegangen sind“, sagt Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon.
Der im Prozess beschuldigte Wirt und Stadtverordnete äußert sich gegenüber LR.de nicht.