Premiere in Cottbus
: Lausitz im Kino – Film führt in fünf Kapiteln zum Geheimnis

Cottbus feiert Premiere. Der in Spremberg gedrehte Film „Ein Feuerwerk für die Kleinstadt“ läuft im Weltspiegel und stellt einige Klischees vom Kleinstadtleben auf den Kopf.
Von
Janine Reinschmidt
Cottbus
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Cottbus feiert Premiere. Der in Spremberg gedrehte Film „Ein Feuerwerk für die Kleinstadt“ läuft ab Samstag im Weltspiegel und bricht so einige Vorstellungen vom Dorfleben.

Der Film „Ein Feuerwerk für die Kleinstadt“ feiert am Samstag im Weltspiegel Cottbus Premiere. Gedreht wurde an verschiedenen Plätzen in Spremberg.

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In einer Kleinstadt ist die Welt noch in Ordnung, oder? Naja, zumindest nicht in der Drama-Komödie „Ein Feuerwerk für die Kleinstadt“. Denn in der Kleinstadt trägt so ziemlich jeder sein individuelles Päckchen an Last mit sich herum. Zum Ferienstart verpassen Aniko (Aniko Urbanski) und ihre Freunde direkt den Bus. Wer auf dem Dorf lebt, weiß: Die nächste Fahrtgelegenheit lässt lange auf sich warten. Also entscheiden die Teenies sich Mutproben zu stellen. Denn Anikos eigentlicher Tanzunterricht und die goldene Hochzeit ihrer Großeltern am Abend passen der Schülerin so gar nicht in den Plan.

Bei den Mutproben kommen die Schüler auf die kreativsten Ideen: ein Kondom über den Kopf ziehen, auf einem abgesperrten Gelände ein Rap-Video drehen und Kleinstadt-Bewohner ärgern, die daraufhin empört vom kindischen Verhalten der Jugendlichen sind.

Film in Cottbus über das chaotische Kleinstadtleben

Währenddessen feiert ihre große Schwester Henriette (Bianca Ehrecke) das bestandene Abitur und erfährt prompt, dass viele ihrer Freunde die Region verlassen möchten. Zu abenteuerlich klingt für sie der Traum von einem Studium in der großen weiten Welt. Und dann gibt es da noch ihren besten Freund, der die Heimat auch hinter sich lassen will. Schon bald bekommt die Handlung noch eine überraschende Wende für die beiden, die ihre Freundschaft auf die Probe stellt.

„Das ist auch so gewollt. Viele Szenen enden anders, als man denkt“, sagt Erik Schiesko, Regisseur des Films, mit einem Lächeln. Vieles in einer Kleinstadt sei eben nicht sichtbar, ergänzt sein Bruder Clemens Schiesko (Kameramann). Genau das wolle man im Film zeigen. So offenbart das letzte Kapitel ein für die Kleinstadt außergewöhnliches und untypisches Ende.

Das Ehepaar Elfriede und Peter auf ihrer goldenen Hochzeit. Liebhaber Klaus kommt mit einem Fotobuch zum Jubiläum.

Das Ehepaar Elfriede und Peter auf ihrer goldenen Hochzeit. Liebhaber Klaus kommt mit einem Fotobuch zum Jubiläum.

LAUSATIA FILM

Die Filmschaffenden wollen auf witziger Art und Weise das kleinstädtische Miteinander wiedergeben und gleichzeitig mitteilen, dass vieles, was eher dem Stadtleben zugeordnet wird, auch im Dorf passiert - allerdings nur unter der Oberfläche. Zudem wird der Zugang zu Menschen in den Vordergrund gestellt. „Wir sind alle soziale Wesen und wollen miteinander agieren. Auch wenn es manchmal schwierig ist“, sagt Erik Schiesko.

Mit ihrer Sommerkomödie, die gemeinschaftlich mit Autorin Sophie Riedel und Kameramann Clemens Schiesko entstanden ist, wollen sie die Lausitz stärker in die Filmindustrie binden. „Ein Feuerwerk für die Kleinstadt“ ist das erste Stück der neu gegründeten LAUSATIA FILM. Dafür haben sie über 65 Rollen besetzt. Darunter Michael Apel, Matthias Greupner, Olaf Pöschk, Hellmuth Henneberg und viele Talente der Nachwuchsgruppen des Piccolotheaters Cottbus. Zudem ist Božena Bjarsch als Meike Weigel vor der Kamera als Mutter zu sehen, die zwischen Karriere als Journalistin und Haushalt, den Alltag versucht zu meistern. „Sie hat sorbisch als Muttersprache und wir wollen gerne mit ihr und anderen Schauspielern weiter zusammenarbeiten“, sagt Erik Schiesko. Generell wolle er die sorbische Kultur und Sprache in weitere Projekte intensiver integrieren, erklärt er.

„Ein Feuerwerk für die Kleinstadt“ mit politischer Wende

Neben Henriette und Aniko kümmert sich Meike Weigel noch um das Kleinkind Kito (Ferris Mertens).  Eine weniger große Hilfe dabei ist ihr Patchwork-Ehemann Meto (Daniel Ratthei), der ausgerechnet am Tag der goldenen Hochzeit mit einer „Männergrippe“ aufwacht.

Als ob das nicht reicht, erfährt sie, dass die amtierende Bürgermeisterin (Beate Furcht) ihren Posten bei den nächsten Wahlen aufgrund einer Krebserkrankung ihres Mannes abgibt. Bei einer Stadtverordnetenversammlung kommt es zum großen Streit. Die Bürgermeisterin möchte Meike Weigel das Amt überlassen. Vor allem die Marketing-Beauftragte der Kleinstadt (Anne Diedering) kann die Entscheidung nicht nachvollziehen und missgönnt Meike Weigel den Posten. „Hier wollen wir in der Form einer Groteske verdeutlichen, wie schnell es zu ‚professionellem Mobbing‘professionellem Mobbing“ in der Politik kommen kann", sagt Erik Schiesko. Trotzdem läst der Film an vielen Stellen zum Lachen ein. Von den männlichen Stadtverordneten hagelt es nicht weniger Kritik. Meike Weigel wird mit dem Vorwurf konfrontiert, sie habe sich „hochgeschlafen“ und besitze keine politische Erfahrung.

„Die Geschichte der Frau Weigel basiert auf Eindrücken von einer guten Freundin, welche in Spremberg wohnte“, sagt Erik Schiesko. Sie spielt im Film selbst eine Nebenrolle. Generell beruhe der ganze Film auf Geschichten und Erzählungen der Lausitzer auf. „Sophie Riedel hat vorher in Spremberg viele Interviews geführt und Anregungen geholt. Dadurch sind wir mit dem Besitzer des Hotels und Restaurants Georgenberg in Kontakt gestoßen, bei dem wir letztlich unentgeltlich die goldene Hochzeit drehen konnten“, erklärt Erik Schiesko weiter. „Und er schrieb für den Film einen Schlager, von dem wir am Set und wochenlang einen Ohrwurm hatten“, sind sich die Brüder einig.

Spieltermine im Weltspiegel Cottbus

  • 31.08.24 - 20:00 Uhr - Premiere.
  • 01.09.24 - 17:00 Uhr.
  • 03.09.24 -17:30 Uhr.
  • Weitere Termine veröffentlicht das Kino Weltspiegel ab nächster Woche.