Party in Cottbus
: Clubszene der Wendejahre feiert 2026 noch größer

Das Revival der Szene aus den 90er-Jahren in Cottbus kehrt zurück. Mehr Locations, mehr DJs, neue Highlights. Was haben die Veranstalter 2026 vor?
Von
Mariya Druzyaka
Cottbus
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bb

In den 1990er-Jahren bietet Cottbus jungen Menschen viele Orte zum Feiern und Zusammensein. 36 Jahre später lässt das Cottbuser Revival-Treffen diese Erinnerungen für eine Nacht wieder aufleben. 2026 mit mehr Locations, Highlights und DJ's.

Karsten Richter
  • Revival-Party kehrt in Cottbus zurück – am 13. Juni 2026 trifft sich die Szene erneut.
  • Mehr Orte und DJs geplant: Gladhouse, Marie 23 und neu der Weltspiegel mit Dachterrasse.
  • Musikbereiche erweitert: Soul, Funk, Hip-Hop oben, Reggae/Ska/Rocksteady in der Kinobar.
  • Marie mit klarem Ablauf: 18–22 Uhr House/80er, 22–2 Uhr EBM/Gothic/New Wave, danach Afterparty.
  • Kontingent steigt auf 1000 Karten. Bändchen ab 14 Uhr im Gladhouse, Vorverkauf bis 13. Mai.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„If the kids are united, they’ll never be divided“ – so lauten die berühmten Zeilen der britischen Band Sham 69. Die Botschaft war in den 1980er-Jahren klar: keine Spaltung in der Jugendkultur. Doch gegen manche Hürden kommen selbst die leidenschaftlichsten Musikliebhaber nicht an.

Die Zeit vergeht, Menschen werden älter, Clubs und Diskotheken schließen, viele ziehen weg, auch die Mode wandelt sich. Was bleibt, sind Erinnerungen, etwa an laue Morgenstunden gegen 5 Uhr in der Diskothek Aqua, wenn dort noch immer Techno lief.

In den Wendejahren ist Cottbus ein anderer Ort als heute. Für viele junge Menschen bedeuten die Jahre 1989 und 1990 schlaflose Nächte in den zahlreichen Diskotheken der Stadt. Es ist eine Zeit, in der sich eine Jugendkultur formt, die die Clubszene in der Stadt nachhaltig prägen wird.

2026 Party in Cottbus: Fast so, als wäre es wieder 1990

Veranstalter Delf Ruhe und sein Team lassen diese Ära bereits zum zweiten Mal bei einem großen Revival wieder aufleben. Einmal im Jahr trifft sich in Cottbus genau jene Szene, die damals das Nachtleben der Stadt geprägt hat. Am 13. Juni 2026 ist es wieder soweit.

Natürlich sind es heute nicht mehr Orte wie die Diskotheken Zwecke, Aqua, Mentana oder der Club Südstadt. Und mit Dauerwelle, bemalten Kunstlederjacken und Stonewashed-Jeans taucht auch keiner mehr auf. Doch die Szene kommt wieder zusammen, es wird getanzt und gefeiert – fast so, als wäre es wieder 1990.

Die erste Ausgabe der Party im vergangenen Jahr war für Delf Ruhe ein voller Erfolg. „Mit der Veranstaltung haben wir viele Menschen aus unterschiedlichen Szenen und Freundeskreisen wieder zusammengebracht. Es war schon eine emotionale Wiedersehensstimmung, wenn Gäste sich nach langer Zeit zufällig wiedererkannt haben“, sagt er sichtlich bewegt.

  • bb

    Delf Ruhe (r.) ist einer der Veranstalter des Cottbuser Revival-Treffens. Mit dem Event bringt er die Clubszene der Wendejahre bereits zum zweiten Mal zusammen. Diesmal soll die Party größer werden – mit mehr Tanzflächen, DJs und besserer Organisation.

    Delf Ruhe
  • Damalige Jugendliche Susi, Delf und Marco im Jahr 1994 auf Disco

    Damalige Jugendliche Susi, Delf und Marco im Jahr 1994 in der Disco

    Archivfoto: Delf Ruhe/ privat
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    Eine Freundinnen-Gruppe beim letzten Revival Treffen (2025) in Cottbus.

    Delf Ruhe
  • Clubszene der frühen 1990er Jahren im Discozelt auf der damaligen Pressefestwiese in Cottbus.

    Clubszene der frühen 1990er Jahre im Discozelt auf der damaligen Pressefestwiese in Cottbus.

    Archivfoto: Delf Ruhe/ privat
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    Die Kultkneipe Marie 23 ist mit Biergarten, Musik und Tanzfläche Teil der Veranstaltung. Auch in diesem Jahr gehört sie wieder zum Party-Zirkel.

    Delf Ruhe
  • Bildbeschreibung Bowling Disko 90-91

    In den 1990er-Jahren stehen jungen Menschen zahlreiche Orte zur Verfügung, um das Leben zu feiern, ihren Musikgeschmack auszuleben und gemeinsam Zeit zu verbringen. Besonders beliebt ist die Cottbuser Diskothek Bowling.

    Archivfoto: Delf Ruhe/ privat
  • bb

    Im vergangenen Jahr traf sich im Gladhouse vor allem die Generation X. 2026 soll das Event auch ältere Millennials ansprechen.

    Delf Ruhe
  • Manche Partys in den Schuldiskotheken wurden von jungen Menschen eigenständig organisiert. Die Leidenschaft für neue Musik verbindet die Szene kurz nach der Wende.

    Manche Partys in den Schuldiskotheken wurden von jungen Menschen eigenständig organisiert. Die Leidenschaft für neue Musik verbindet die Szene kurz nach der Wende.

    Archivfotos: Delf Ruhe/ privat
  • bb

    Delf Ruhe blickt auf seine ersten Schritte als DJ in der DDR zurück. Damals brauchte er eine sogenannte „Pappe“, um öffentlich aufzulegen. Mehr als 30 Jahre später steht er beim Revival-Treffen in Cottbus noch immer am Mischpult.

    Karsten Richter
  • bb

    Großer Andrang bei der letzten Party der Clubszene aus den 1990er- und 2000er-Jahren: Zahlreiche Cottbuser belebten das Gladhouse.

    Karsten Richter
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Die Resonanz sei so groß gewesen, dass zeitweise sogar ein Ticketstopp nötig wurde. „Am Ende war die Party im Prinzip ausverkauft“, sagt Ruhe. Für die nächste Auflage wollen er und sein Team deshalb nachbessern und erweitern: mit mehr Platz, mehr Locations, mehr DJs und einer besseren Organisation.

Für den Organisator lag eine Fortsetzung daher früh auf der Hand. Schon im vergangenen Jahr habe er intern dafür plädiert, die Veranstaltung zu wiederholen – vorausgesetzt, sie trägt sich wirtschaftlich. „Es geht ja nicht darum, dass hier jemand seinen Jahresverdienst macht, sondern schlicht darum, die Kosten zu decken“, erklärt Ruhe.

So soll die Revival-Party in Cottbus 2026 werden

Als ehemaliger Cottbuser ist er mit seinem Team in der Stadt gut vernetzt. Zudem bringt Delf Ruhe reichlich Erfahrung darin mit, Partys in großem Stil auf die Beine zu stellen. Dass dafür eine sorgfältige und langfristige Planung nötig ist, weiß er genau. „Im Grunde investieren wir dafür mehr als 600 Stunden“, betont Ruhe.

Bei der ersten Ausgabe bewegten sich die Gäste zwischen Gladhouse und der Kultkneipe Marie 23. Der Biergarten auf dem Hinterhof war für lange Gespräche, zum Versacken; drinnen in der Kneipe liefen New Wave und Punk, während im Gladhouse Techno und Electronic Body Music (EBM) den Takt vorgaben.

In diesem Jahr will Delf Ruhe das musikalische Spektrum erweitern und dafür auch Orte einbinden, an denen bislang wohl noch kaum jemand getanzt hat. „Wir haben dieses Jahr den Weltspiegel ins Programm aufgenommen. Ich glaube, die wenigsten kennen die Dachterrasse“, sagt Ruhe.

Dort soll zunächst zwischen 16 und 18 Uhr eine kleine Dankeschön-Veranstaltung für größere Unterstützer aus dem Vorjahr stattfinden. Später wird die Dachterrasse dann für alle geöffnet und zu einem eigenen musikalischen Bereich des Abends. Über den Abend hinweg sollen dort Soul, Funk und Hip-Hop laufen.

Verschlafene Plätze in Cottbus werden zum Dancefloor

„Neu ist in diesem Jahr auch die Kinobar im Gladhouse, die wir erstmals mit ins Programm nehmen. Das wird ein eigener Floor mit Reggae, Ska und Rocksteady“, sagt Delf Ruhe. Bespielt wird die Tanzfläche von einem DJ aus dem Umfeld der früheren Brannford-Crew, die einst, wer sich erinnert, im damaligen „Haus der Wahrheit“ aktiv war.

Auf dem Mainfloor im Gladhouse steht unter anderem DJ Leineweber hinter den Reglern. „Leineweber ist, glaube ich, im Moment der dienstälteste DJ aus Cottbus“, sagt Delf Ruhe.

Die Marie bleibt im Kern wie im Vorjahr, bekommt diesmal jedoch ein klar strukturiertes musikalisches Programm. Geplant sind mehrere Phasen über den Abend hinweg: Von 18 bis 22 Uhr laufen House und 80er, von 22 bis 2 Uhr EBM, Gothic und New Wave. Ab 2 Uhr folgt eine Afterparty mit House, Elektro und Minimal. Der Hinterhof bleibt dabei der Ort für Gespräche und Wiedersehen.

„Durch die Erweiterung mit dem Weltspiegel steigt das Kontingent in diesem Jahr auf 1000 Karten. Der Vorverkauf läuft bereits – und das ziemlich gut“, erzählt der Organisator. Noch gibt es Karten im Vorverkauf bis 13. Mai. Um lange Schlangen vor den Locations und unnötige Wartezeiten zu vermeiden, können die Bändchen am Veranstaltungstag bereits ab 14 Uhr im Weltspiegel abgeholt werden.