Osteoporose: In Cottbus gibt es 5000 Betroffene - die markantesten Warnsignale

Eine Frau mit Gipsverband am Bein (Symbolbild): Laut der AOK sind in allen Altersgruppen Frauen deutlich häufiger von Osteoporse betroffen als Männer. Problematisch ist, dass Osteoporose oft unerkannt bleibt, bis es zu einem Knochenbruch kommt.
georgerudy/stock.adobe.com- Rund 5000 Menschen in Cottbus leiden an Osteoporose, vor allem Frauen sind betroffen.
- Cottbus hat mit 5,1 % eine mittlere Erkrankungsrate, bedingt durch eine ältere Bevölkerung.
- Vorbeugung durch Krafttraining und calciumreiche Ernährung ist entscheidend, Vitamin-D-Mangel häufig.
- Knochendichtemessungen in Apotheken bieten Hinweise, eine genaue Diagnose erfolgt per Dexa-Messung.
- Am Weltosteoporosetag am 20. Oktober fordern Experten mehr Prävention und bessere Früherkennung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Osteoporose, sprich Knochenschwund, ist eine Volkskrankheit. Von der sind Frauen stärker betroffen als Männer. Das geht aus dem neuesten „Gesundheitsatlas Osteoporose“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. In Brandenburg leidet etwa jede vierte Frau über 75 Jahre unter Osteoporose. Der Anteil variiert jedoch stark zwischen den Regionen. So weist der Landkreis Elbe-Elster mit 6,5 Erkrankten auf 100 Einwohnerinnen und Einwohner den höchsten Wert auf, während Potsdam mit 3,8 Prozent am unteren Ende der Statistik liegt. Cottbus befindet sich mit 5,1 Prozent im Mittelfeld.
Oberärztin Wiebke Pontzen von der Orthopädie der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) führt dies auf die Altersstruktur der Stadt zurück: „Cottbus hat einen höheren Altersdurchschnitt, viele jüngere Menschen sind abgewandert. Dazu kommt eine große Zahl an Pflege- und Altenheimen.“ Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Rauchen wirken sich zusätzlich negativ aus.
In Cottbus leiden rund 5000 Menschen an Knochenschwund
Nach Angaben der AOK waren deutschlandweit 4,02 % der Bevölkerung Osteoporose erkrankt (Stand 2023). In allen Altersgruppen sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer. Der Grund dafür sind die hormonellen Veränderungen nach der Menopause: Das Hormon Östrogen schützt nämlich den Knochenstoffwechsel. Fällt dieser Schutz weg, steigt das Risiko für Knochenschwund deutlich.
Besonders problematisch ist, dass Osteoporose oft unerkannt bleibt, bis es zu einem Knochenbruch kommt. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie betroffen sind“, sagt Pontzen. In Cottbus kommt ein strukturelles Problem hinzu: Die ärztliche Versorgung ist schlecht, viele Haus- und Fachärzte fehlen. Damit sinkt auch die Chance, dass Risikopatientinnen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Genaue Zahlen zu diesem Problem gibt es bisher nicht. „Das Thema Versorgungsforschung ist aber enorm wichtig und wird sicherlich in Zukunft an der Uniklinik in Cottbus eine große Rolle spielen“, betont die Oberärztin.
Osteoporose vorbeugen mit Krafttraining und richtiger Ernährung
Umso wichtiger ist deshalb die Vorbeugung. Dabei spielen Bewegung und Ernährung eine zentrale Rolle. „Krafttraining ist essenziell, weil der Knochen mechanische Reize braucht, um stabil zu bleiben“, sagt Wiebke Pontzen. In Cottbus gibt es Reha-Sportgruppen und einige Fitnessstudios mit speziellen Osteoporose-Programmen. Diese werden jedoch nach Ansicht der Orthopädin noch zu wenig genutzt. „Ausdauersport allein reicht nicht aus. Schwimmen etwa ist zwar gelenkschonend, aber die Knochen werden dabei zu wenig gefordert“.

Wiebke Pontzen, Oberärztin der Orthopädie an der Uni-Klinik in Cottbus, hält es für dringend nötig, dass Osteoporose-Prävention in Cottbus künftig noch stärker in den Fokus gerückt wird.
Martin Ender/MUL-CTNeben regelmäßiger Bewegung ist auch eine calcium- und eiweißreiche Ernährung entscheidend. Gerade ältere Menschen essen oft zu wenig Fleisch und Fisch. „Viele haben zusätzlich einen Vitamin-D-Mangel, weil sie sich viel weniger im Freien aufhalten“, so die Ärztin. Vitamin D ist wichtig gegen Osteoporose, da es die Calciumaufnahme im Darm fördert und somit die Knochenstärke und -stabilität unterstützt.
Knochendichtemessung bei Apotheken nur ein erster Hinweis
Immer häufiger bieten auch Apotheken in Cottbus weiterführende Gesundheitsservices wie die Messung der Knochendichte und des Vitamin-D3-Status an. Dies kann als ein erster Hinweis dienen, ersetzt aber keine ärztliche Diagnose. Denn die Methode hat Grenzen: In Apotheken wird die Knochendichte meistens per Ultraschall an der Ferse gemessen – eine Technik, die laut den Leitlinien des Dachverbandes der Osteologen nicht für eine verlässliche Diagnose anerkannt ist.
Eine präzise Einschätzung liefert nur die sogenannte Dexa-Messung, die bei Fachärzten oder in Kliniken durchgeführt wird. Dabei wird mit einer speziellen Röntgentechnik die Knochendichte am Oberschenkelhalsknochen und den Lendenwirbelkörpern gemessen – hier soll eine Osteoporose besonders deutlich nachweisbar sein.
Oberärztin Wiebke Pontzen hält es für dringend nötig, dass Osteoporose-Prävention in Cottbus künftig noch stärker in den Fokus gerückt wird. „Das oberste Ziel ist es schließlich, einen Knochenbruch zu verhindern. Davon haben wir in Deutschland viel zu viele.“ Auch die niedergelassenen Ärzte müssten ihrer Ansicht nach noch stärker als bisher für die Krankheit sensibilisiert werden. Zudem könnten sie durch das Disease-Management-Programm (DMP) eine bessere Prävention und Aufklärung anbieten und diese dank zusätzlicher Dokumentations- und Schulungspauschalen besser abrechnen. Ein flächendeckendes DMP für Osteoporose existiert in Brandenburg derzeit aber noch nicht.
Welt-Osteoporose-Tag – was an diesem Tag
Jedes Jahr wird am 20. Oktober der Weltosteoporosetag begangen. Fachärzte nutzen diesen Tag, um auf die Knochenerkrankung aufmerksam zu machen. Sie fordern dringend eine bessere Früherkennung und frühere Therapien, um Leiden zu verhindern und Kosten für das Gesundheitssystem zu senken. Denn Frakturen aufgrund von Knochenschwund sind schwierig zu behandeln und heilen schlecht, weil poröse Knochen nur langsam wieder zusammen wachsen und Implantate schwerer einzusetzen sind. Orthopäden schätzen, dass weltweit etwa 200 Millionen Menschen von Osteoporose betroffen sind.

