Von René Wappler

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hat am Freitag eine eigene Klimademonstration organisiert. Er traf sich bei der Lausitzer Wirtschafts- und Gesundheitsakademie mit Gästen aus Lipezk[Link auf Beitrag 21572041]. „Entgegen der Abkühlung des internationalen politischen Klimas will ich doch deutlich machen, dass Deutschland und Russland befreundete Staaten sind“, sagte Holger Kelch. Schließlich feiere auch Cottbus seine 45-jährige Städtepartnerschaft mit Lipezk. Er selbst könne immerhin für sich in Anspruch nehmen, im Jahr 2018 das erste Cottbuser Stadtoberhaupt gewesen zu sein, das nach dem Ende der DDR den russischen Partner besucht hat. „Es ist mir wichtig, auf kommunaler Ebene deutlich zu machen, dass uns diese guten Beziehungen am Herzen liegen“, erklärte der Cottbuser Oberbürgermeister.

Am Donnerstag traf wiederum eine Delegation aus Lipezk in Cottbus ein. Zu den Gästen zählen Mitarbeiter des Rathauses der Partnerstadt, die 375 Kilometer südöstlich von Moskau liegt. Wirtschaftsdezernentin Ekaterina Belokopytova berichtete, dass die Metropole derzeit 500 000 Einwohner zählt, fast doppelt so viele wie noch im Jahr 1970. „Als Grundstein unserer Wirtschaft dient eines der größten Hüttenwerke Europas“, sagte sie. Zudem sei im Jahr 2005 in der Lipezker Region die erste Sonderwirtschaftszone Russlands gegründet worden.

Bei deutschen Firmen gilt diese Zone als besonders beliebt, wie die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing mitteilt. Demnach haben sich neben einem Kühltechnikhersteller eine Firma für elektrische Installationssysteme und Kabelkanäle und ein Chemiekonzern bei Lipezk angesiedelt.

Firmen tragen sich mit Sorge

Cottbuser Firmen gibt es allerdings noch nicht in der Sonderwirtschaftszone. Oberbürgermeister Holger Kelch sagt: „Aufgrund des Embargos der Europäischen Union ergibt sich ein Dilemma, das insbesondere ostdeutsche Unternehmen betrifft.“

Den exportorientierten Firmen bereitet die Entwicklung auf dem internationalen Markt wachsende Sorge. Das stellt die jüngste Konjunkturumfrage für den Süden Brandenburgs fest, veröffentlicht zu Beginn des Jahres 2019 von der Industrie- und Handelskammer in Cottbus. „Ein wachsendes Risiko sehen die Unternehmen aber in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen“, heißt es in der Studie. Sie bezieht sich damit auch auf den bevorstehenden Ausstieg aus der Braunkohle. Die Auswirkungen der Energiewende auf die Region seien „noch nicht abschätzbar“.

So suchen auch Firmen aus Spremberg nach neuen Geschäftspartnern, da der Kohleausstieg die Stadt samt dem Industriepark Schwarze Pumpe vor besondere Herausforderungen stellt. Seit dem Jahr 2015 kooperiert Spremberg mit der Bergbaustadt Schelesnogorsk, die zur Oblast Kursk zählt.

Markt der Zukunft

Für Unternehmen aus dem Bergbau und der Kraftwerkstechnik in der Lausitz gilt Russland nach Angaben der Industrie- und Handelskammer ohnehin als wichtigster Markt der Zukunft. In Spremberg kümmert sich der frühere Altstadtsanierer ASG um die wirtschaftlichen Beziehungen zu Kursk.

Cottbus wird sich allerdings nicht direkt am Spremberger Modell orientieren. Das bekräftigt Oberbürgermeister Holger Kelch. „Wir gehen einen eigenen Weg“, sagte er am Freitag. Dr. Elena Herzog von der Wirtschaftsförderung Cottbus, eine gebürtige Russin, ist nach seinen Worten „die Person, die das für uns steuert“.

Sergey Malko leitet im Lipezker Rathaus die Abteilung für Kultur und Tourismus. „Wir haben große Pläne“, erklärte er im Gespräch mit dem Cottbuser Oberbürgermeister. „Dazu gehört ein regelmäßiger Austausch auf den Gebieten der Wissenschaft und der Kultur.“ Auch Firmenvertreter wollen Cottbus besuchen, wie Olga Gerasimenko berichtet. Sie kümmert sich im Lipezker Rathaus um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Prognose für das Fußballspiel

Gemeinsam werden die Gäste aus Russland und der Cottbuser Oberbürgermeister am Wochenende das Heimspiel des FC Energie gegen Kaiserslautern besuchen. Holger Kelch geht davon aus, dass Cottbus drei Punkte holt.

Ekaterina Belokopytova von der Delegation kündigt bereits an, dass sie „das komplette Team zu einem Freundschaftsspiel nach Lipezk“ einladen wird, unabhängig vom Resultat des Duells am Sonnabend im Stadion der Freundschaft.