Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) stoppt den Insektizid-Einsatz im Wald. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat den Gift-Anflug gegen Waldschädlinge mit dem Breitband-Insektizid „Karate Forst flüssig“ jetzt untersagt und damit eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Potsdam auf Eilantrag des Naturschutzbundes in vollem Umfang aufgehoben. Die sythetischen gegen Schädlinge hoch wirksamen Inhaltsstoffe gelten mit langfristiger Wirkung als sehr schädlich für Wasserorganismen. Der Einsatz des Fraß- und Kontaktgiftes ist deshalb heftig umstritten. In diesem Frühjahr auch vor den Gerichten. Etwa 2500 Hektar Waldfläche bleiben nun verschont.

Friedhelm Schmitz-Jersch, der Vorsitzende des Nabu-Landesverbandes Brandenburg, zeigt sich hoch erfreut: Dies sei ein „großer Erfolg für den Naturschutz“. Insbesondere Waldflächen um Borkheide, Borkwalde und Fichtenwalde (Landkreis Potsdam-Mittelmark) dürften nun nicht mit Gift behandelt werden. Unter anderem hatten Bürger vor Ort gegen den Karate-Einsatz gekämpft.

Allerdings hat der Landesbetrieb Forst in Potsdam-Mitelmark auf etwa 4000 der ingesamt 6500 vorgesehenen Hektar Waldflächen das Insektizid bereits ausgebracht. Das bestätigt Nabu-Sprecherin Heidrun Schöning. Vor allem in Teltow-Fläming ist der Fall bereits abgeschlossen.

Das Oberverwaltungsgericht hat nunmehr die Kritik des Naturschutzbundes geteilt, dass Anwendungsbestimmungen für das Insektizid nicht eingehalten und der Artenschutzes damit nicht gesichert sei. Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF), das den Insektizid-Einsatz mit Hubschraubern mit einer Ausnahmezulassung genehmigt hatte, habe nicht hinreichend sichergestellt, dass Rückzugsräume für betroffene „Nichtziel-Insekten“ erhalten blieben und besonders und streng geschützte Arten durch den Einsatz nicht erheblich beeinträchtigt würden. Der vom Oberverwaltungsgericht verfügte Beschluss ist unanfechtbar.

Die Naturschützer drängen auf natürliche Formen des integrierten Pflanzenschutzes wie den Waldumbau hin zu Mischwäldern. Das aber braucht Zeit.

Auch in der Lausitz. Besonders spannend wird dieses Jahr für die Eiche, prognostiziert Ellen Schlieker, Sprecherin des Landesbetriebes Forst. „Diese Baumart leidet vorwiegend durch ein komplexes Schadgeschehen von Dürre, Spätfrösten, Insekten und weiteren Faktoren“, beschreibt sie die Brisanz der Lage. Bereits durch den Dürresommer 2003 waren die Eichen in Brandenburg viel zu spät ausgetrieben. Das wiederum hatte negative Folgen für die Bildung von Reservestoffen und die Vitalität in den Folgejahren.

Das wohl bekannteste Eichengebiet der Niederlausitz befindet sich bei Tauer im Südostteil der Lieberoser Heide (Spree-Neiße). Marion Vater von der zuständigen Oberförsterei Cottbus gibt sich zurückhaltend: „Vitalitätsverluste werden erts nach dem vollen Laubaustrieb erkennbar. Weitere Schäden können oft erst Jahre später auftreten“, erläutert sie.

Auch um die Kiefer steht es schlechter, Zwar bereiten nadelfressende Insekten in Südbrandenburg derzeit nur punktuell größere Probleme. Dafür aber sind die Rinderbrüter umso aktiver. Wegen Stresses durch Wassermangel und fehlende Ruhephasen im vergangenen milden Winter haben die Bäume den gefräßigen Käfern nur wenig entgegenzusetzen. So gelten fehlende Harztrichter an den Einbohrlöchern als Zeichen für den Erfolg dieser Insekten. Auf den Flächen der Oberförsterei Cottbus ist in diesem Frühjahr der Befall mit Borkenkäfern, insbesondere Großer und Kleiner Waldgärtner sowie Sechs- und Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer, markant. Durch das umgeworfene Sturmholz der vergangenen zwei Jahre finden die Schadinsekten ideale Brutraum-Angebote vor. „Befallene Bäume müssen dem Wald zeitnah entnommen werden“, sagt Funktionsförsterin Marion Vater.

In der Oberförsterei Senftenberg brechen durch Insektenfraß die Fichtenbestände ab dem Alter von etwa 40 Jahre regelrecht zusammen. „Allerdings beträgt der Anteil dieser Baumart an unserer Waldfläche nur zwei Prozent“, sagt Forstmann Lutz Schaffrath. Doch auch die Kiefern leiden in dem Gebiet. Überall in der Oberförsterei verteilt finden sich Käferlöcher, verursacht durch Pracht- und Kiefernborkenkäfer. Lutz Schaffrath empfiehlt privaten Waldbesitzern, die betroffenen Gehölze umgehend aus dem Bestand zu entfernen, um die Schäden nicht noch zu vergrößern.

Auch in den Oberlausitzer Wäldern befinden sich die Forstschädlinge auf dem Vormarsch. Renke Coordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst spricht aktuell von einer „sehr hohen Gefährdungssituation“. Deshalb habe das Aufarbeiten des verbliebenen Wurf- und Bruchholzes nun höchste Priorität. Coordes weist darauf hin, dass trotz der recht hohen Winterniederschläge das Wasserdefizit des vergangenen Jahres noch immer nicht ausgeglichen werden konnte. „In vielen Forstkulturen sind deshalb erhebliche Ausfälle zu verzeichnen.“