Meine Homeschool hat noch Ferien. Das hat sie sich verdient. Wir waren fleißig, haben jeden Tag von 8.30 Uhr bis nachmittags um drei gelernt. Mit Frühstückspause, Mittagspause, Chillpause und einer Stunde zur freien Verfügung. Trotzdem, das sollen uns andere erstmal nachmachen.

Die meisten schaffen das nicht, weiß eine neue Studie zum Homeschooling in der Covid-19-Pandemie. Mehr als die Hälfte der Schüler lernen zu Hause weniger, das ist Ergebnis einer Umfrage, die das Bildungs-Startup Skills4School aus Hamm durchgeführt hat. Schüler arbeiten demnach zu Hause nur zwei bis drei Stunden pro Tag in drei Fächern. Das gab ein Drittel der befragten 1543 Schüler aus allen Bundesländern an.

Mehr als die Hälfte der befragten Schüler lernen zu Hause weniger als in der Schule - die meisten überdies mit schlechter Betreuung und ohne digitale Hilfsmittel. Halbwegs vernünftig gelernt wird in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch. Das trauen sich die meisten Homeschooler zu, weil es in diesen Fächern konkrete Aufgaben gab, die in der Zeit daheim abzuarbeiten sind. Vom Tisch fallen Latein und Spanisch, gaben die Befragten zu. Auch Informatik lernt sich nicht so gut auf eigene Faust. Keine guten Noten also für das Lernen daheim. omeschooling „kann offensichtlich keine Alternative zum Schulunterricht sein“, sagt der Geschäftsführer von Skills4School, Rubin Lind.

Homeschooling: Die meisten Schüler lernen einsam

Lind ist eine schillernde Figur. Mit seiner Lern-App gewann der damals 17-jährige Schüler 2017 in einer TV-Show. Später ging seine Firma insolvent, jetzt ist sie wieder am Markt, pünktlich zu den Corona-bedingten Schulschließungen.

Seine Umfrage wurde von Mitte März bis Mitte April durchgeführt - und offenbart Einsamkeit in der Bildungswüste am Küchentisch. Nur ein Viertel der befragten Schüler hatte beim Lernen Hilfe durch die Eltern. Ein Drittel war in virtuelle Lerngruppen mit Mitschülern eingebunden. 80 Prozent standen in Mailkontakt mit ihren Lehrern - jedoch nur ein Drittel mehrmals in der Woche. Den Schülern seien zudem „überwiegend keine digitalen Hilfsmittel“ angeboten worden - jedenfalls keine Lernapp. „Die Chance, die Schüler für die Zeit des Homeschoolings mit digitaler Bildung zu unterstützen, wurde leider zu spät erkannt und eingeführt“, lautet Linds Resümee. „Wenn die Schulen nicht schnellstens auch auf digitales Lernen umstellen, wird das Schuljahr 2019/2020 verloren sein.”

Ich sehe das nicht so schwarz. Nächste Woche bin ich wieder mit meinen drei Schülerinnen zusammengeschaltet. Wir haben nun noch zwei Wochen vor uns. Bis dahin lässt sich was retten.