Fünf Wochen ohne Schule sollen nicht fünf Wochen schulfrei werden. Da war ich mir schnell einig mit den beiden anderen Müttern. Unsere Töchter gehen in die vierte Klasse, im Sommer steht der Wechsel ans Gymnasium an. Nun hat die Corona-Krise den Schulbetrieb ausgesetzt - für die nächsten fünf Wochen passiert gar nichts.

Die Covid-19-Pandemie bringt unser aller Leben durcheinander, auch in meiner Familie. Homeoffice ist für mich als Reporterin nichts Neues. Aber Homeoffice plus Homeschooling – das ist eine neue Qualität.

Mein erster Gedanke war: Packen wir es an! Es gibt Momente, da muss das freie Individuum zeigen, was in ihm steckt. Wenn Dein Land Dich fragt: „Was kannst Du für mich tun?“, dann zier Dich nicht, oder? Alle meine Termine sind ohnehin abgesagt, also diene ich meinem Land am besten mit dem, wofür sonst wenig Zeit bleibt: Nudelsoßen ohne Glutamate kochen und rechnenden Kinderlein über die Schulter schauen.

Zweiter Gedanke: Wenn, dann richtig. Also habe ich eine Lerngruppe zusammengetrommelt. Die Tochter und zwei ihrer Freundinnen lernen ab sofort zusammen. Mal bei mir zu Hause, mal bei den anderen Eltern. Den Anfang mache ich.

Corona macht Online-Lernen populär

Ich weiß mich in guter Gesellschaft. Deutschlandweit sind 40 000 Schulen geschlossen – damit bleibt für elf Millionen Kinder und Jugendliche nur der Heimunterricht.

Früher dachte ich, Homeschooling wäre nur was für evangelikale Amerikaner, die ihrem Staat und seinen Schulen nicht trauen. Aber in der Corona-Krise ist das Thema plötzlich überall: Eltern suchen Rat, wie sie ihre Kinder in den nächsten Wochen sinnvoll beschäftigen und schulisch am Ball halten. So viele Leute wie nie zuvor wollen wissen, was Online-Lernprogramme taugen und über welchen Messenger sie mit ihrer Schule kommunizieren können. Oder ob die die Sendung mit der Maus wirklich helfen kann, Wissen auf lässige Weise in Kinder zu füllen.

Ich mache den Selbstversuch - und werde an dieser Stelle täglich meine Erfahrungen berichten. Mit dabei sind meine Tochter und ihre zwei Freundinnen. Sie haben von ihrer Lehrerin ein vollständig analoges Lernprogramm bekommen: einen Stapel Aufgabenzettel. Der ist für die nächsten Wochen sowas wie ihre Heilige Schrift. Der erste Tag lief zufriedenstellend, für einen ersten Tag. Es gelang mir, den Zweijährigen von den lernenden Mädchen fernzuhalten. Ich schaffte es, ein Mittagessen zu kochen, das allen schmeckte, obwohl es Kohl war - und trotzdem halbwegs ungestört diese Kolumne zu schreiben. Ich bin frohen Mutes.