Gleich am Anfang habe ich gesagt: „Bitte legt die Handys weg.“ Sofort schauten mich vier enttäuschte Mädchenaugen an: „Richtig weg?“ Ja, richtig. Unser improvisierter Heimunterricht ist zwar keine Schule, wo das Handy im Ranzen bleiben muss, aber sowas Ähnliches. Ich wollte keine uncoole Homeschoolerin sein. Also kassierte ich die Geräte nicht ein, sondern ließ sie - leise gestellt - im Fenster liegen. Die drei Stunden Lernzeit sollen effektiv genutzt werden. Mädels, ich zähle auf Euch!

Das war Tag Zwei unseres Homeschooling-Experiments. Ich unterrichte drei Viertklässlerinnen, die wegen der Covid-19-Pandemie nicht in die Schule können. Zwei von ihnen haben Smartphones, meine Tochter hat keins. Ich bekenne: Mein Kind gehört zu den nur noch 45 Prozent der Zehnjährigen, die ohne den kleinen Hosentaschen-Computer auskommen müssen.

Beim Thema Handy fürs Kind machen Eltern grundsätzlich zwei Fehler: Sie preschen entweder zu schnell vor - oder verweigern sich zu lange. Mein Fehler ist der zweite. Ich bin der Anschaffung eines mobilen Endgeräts für die Zehnjährige bislang erfolgreich aus dem Weg gegangen. Zugegeben, das ist keine sehr erwachsene Art, mit einem Problem umzugehen, das sowieso kommen wird. Aber es ging.

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Cottbus

Studien: Kinder mit Smartphone lesen schlecht

Anders als das Pferd mit fünf ist das Handy kein kindlicher Wunsch, der sich herauswächst. Die meisten haben irgendwann eins, viele schon sehr früh. Mehr als die Hälfte der Sechsjährigen hat schon ein Handy, wenn sie in die Schule kommen. Sie können wischen und Videos schauen, bevor sie lesen können.

Die Folgen sind nicht mehr zu übersehen: Immer mehr Kinder lernen nicht richtig lesen. Man muss nur die Bildungsberichten der vergangenen Jahre blättern. Darin schneiden schon die Grundschüler bei Lesetests immer schlechter ab. Aber da fängt das Problem erst an. Die Generation, die mit dem iPhone groß geworden ist, sitzt jetzt bereits an den Universitäten. Viele von ihnen haben nie gelernt, lange Texte durchzulesen und zu verstehen. Eine Kulturtechnik verschwindet - und keiner will es gemerkt haben.

Ich kenne Eltern, die würden ihr Kind nie allein auf den Spielplatz um die Ecke lassen - aber lassen es mit dem eigenen Endgerät unbeaufsichtigt im Internet surfen. Kinder brauchen ihr Mobiltelefon selten, um daheim anzurufen. Aber öfter, um in der Whatsapp-Gruppe Tom zu fragen, ob er Lina hübsch findet. Und zwar, wenn Mathe dran ist.

Meine Schülerinnen waren folgsam und ließen ihre Smartphones im Fenster liegen. Dann brauchten sie einen Taschenrechner und eine Stoppuhr. Hatten sie beides nicht, weil das das Handy macht.