Meine Homeschool ist eine Grundschule. Es gibt kein Physik und keine Chemie. Keine Formeln, keine Vektoren. Wärmelehre und Optik kommen nicht vor. Darüber bin ich heilfroh. Die Mint-Fächer bleiben mir erspart. Ich habe sie nie gemocht. Naturwissenschaften und Technik gelten als zentrale Heiligtümer der klassischen Bildung. Die musst Du können“, hörten Generationen von Schülern, „sonst kriegst Du keinen Job.“ Das war bevor es einen Harald Lesch im Fernsehen gab, der zeigt, wie faszinierend die Formeln in natura aussehen.

Naturwissenschaften haben in einer hochtechnisierten Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Computer wollen programmiert sein, Kraftwerke gesteuert und kommunale Haushalte berechnet. Ich empfinde Hochachtung für die, die das können. Und ich danke meinem Karma, dass es mich nicht zur Homeschoolerin für die Oberstufe gemacht hat. Ein Glück für alle Beteiligten.

Mathematik macht in unserer Homeschool meist der Vater. Der hat nebenher im Homeoffice zu tun, aber kontrolliert die Aufgaben mit gebotener Sorgfalt. Multipliziert wird schriftlich und auf Papier, wie man es aus der Schule kennt. Mathe wird allgemein mit einer höheren Wichtigkeit eingestuft als der Rest des Lehrplans. Immerhin, ich muss es nicht machen. Oder wenn, dann auf meine Weise.

Geometrie im Garten: Wir pflanzen ein rundes Beet

Zum Glück haben die Bildungspolitik und Schulautoritäten etliche Pakete geschnürt, damit unkundige Homeschooler wie ich pädagogisch nahrhaft durch die Corona-Zeit kommen. Davon mache ich gern Gebrauch. Die Kultusministerkonferenz empfiehlt ein paar Online-Initiativen, die sich besonders um die spielerische Vermittlung von Mint-Fächern kümmern. Auf www.mintmagie.de gibt es eine Reihe von Mathe-Challenges auch für Grundschüler. Das sind cool aufbereitete Aufgaben, die die Kinder in einer festgesetzten Zeit über Instagram einreichen. Dafür gibt es Preise zu gewinnen. Die Aufgaben drehen sich neben Mathe um Informatik und Naturwissenschaften.

Mintmagie gehört zur großen Kampagne „Wir bleiben schlau!“. Dafür haben sich 50 Akteure zusammengefunden, die den Technik-Unterricht in den vielen Homeschools fördern - darunter sind Forschungsinstitute, IT-Vereine und Unternehmen wie die Telekom. Gemeinsam will man zeigen, „wie digital und analog Hand in Hand gehen, wenn die Küche zum Labor oder der Garten zum Experimentierfeld werden“.

Garten kann ich. Neulich habe ich mit meiner Zehnjährigen ein rechteckiges Hochbeet in ein viertelkreis-förmiges umgewandelt. Es sollte mehr Fläche haben. Hatte es auch. Praktische Geometrie.