In Corona-Zeiten ist alles irgendwie Unterricht. Ein Spaziergang im Wald, Kuchen backen mit Oma über Skype. Früher war das nur nett verbrachte Zeit, jetzt geht das als Schule daheim durch. Was wir mit unseren Kindern machen, wo Sachen erklärt und eingeübt werden, gilt in der neuen Massenbewegung namens Homeschooling als pädagogisch wertvoll, sogar Fernsehen.

Karfreitag schaute ich mit meiner Tochter „Die Zehn Gebote“ mit Charlton Heston. Das ist ein göttlicher alter Hollywood-Schinken mit biblischem Inhalt. Volle dreieinhalb Stunden sahen wir zu, wie Moses erst eine geschminkte ägyptische Prinzessin küsst, um dann eine brave hebräische Schäferin zu heiraten. Wie er mit falschem Bart vor den barbusigen Pharao tritt. Wie er das Meer teilt mit analogem 50er-Jahre-Kino-Trick. Als die Tochter fragte, wie das denn geht ohne Computer-Animation, sagte ich: Gott macht das. Später brennt Gott höchstselbst mit analoger 50er-Jahre-Feuerschrift die zehn Gebote in den Stein.

Sowas merken sich Kinder. Ich sah es als Kind. Darum fühlte ich mich als Religionslehrerin durchaus fähig. Im Twitterlehrerzimmer fragte ich die geschulten Pädagogen, ob man solches Kinospektakel als Religionsunterricht abrechnen könne. Einer antwortete mir: „Nur mit ausgefülltem Arbeitsblatt.“ Das hatte ich leider versäumt.

Religionsstunde: Lieber Spaziergang als Aufgaben

Angelika Scholte-Reh sieht das lockerer. Die Pfarrerin aus Kroppen gibt Religionsunterricht an Schulen. Sie weiß, dass ihr Fach im Covid-19-bedingten Homeschooling nicht gerade oben steht auf der Prioritätenliste von Eltern und Schülern. „Die haben haben genug Aufgaben in den Hauptfächern, da muss ich ihnen nicht auch noch mit Aufgaben kommen“, sagt die 56-Jährige.

Noten gibt es für ihren Unterricht sowieso nicht, nur eine Teilnahmebestätigung. Religion fällt als Fach beim Homeschooling hinten runter. Das Wissen um Addition und Subtraktion scheint in all dem Stress dann doch dringlicher als die Teilung des Meeres und die Vermehrung der Brote. Gott verzeih’s!

Der Religionslehrerin bleibt da nicht mehr, als auf Freiwilligkeit zu setzen. Angelika Scholte-Reh hat ihren 200 Schülern zu Ostern Tütchen gepackt. Die Kleinen bekamen Bilderbüchlein, für die Fortgeschrittenen gab es die Emmaus-Geschichte. Damit sollen die Schüler spazieren gehen und Fragen beantworten. „Ich sehe das als offene, freiwillige Aufgabe“, sagt Scholte-Reh. Die Tütchen hat sie den Schülern nach Hause gebracht. Denn manchmal muss der Berg zum Propheten kommen.

Emmaus ist übrigens da, wo Jesus auf der Straße zwei Freunde trifft, obwohl er schon gekreuzigt wurde. Heute nennen wir das Big News.