Brandenburgs Datenschutzbeauftragte hatte mit dem überstürzten Homeschooling von Anfang an ein Problem. „Ich habe Angst, dass gerade viele Standards über Bord geworfen werden und es hinterher heißt: Es funktioniert doch“, sagte Dagmar Hartge bereits Anfang April der RUNDSCHAU, als die Schulen erst wenige Tage geschlossen waren. Hartges Ruf nach mehr Vorsicht beim Chatten verhallte ungehört. Nun macht sie Ernst: Die Datenschützerin droht Lehrern, die die falschen Messenger benutzen, mit Verfahren. Sogar von Bußgeldern ist die Rede. „Dabei ist jeweils auch die konkrete Verantwortlichkeit zu beurteilen“, wird ihre Sprecherin zitiert.
Hinter dem Vorstoß Hartges steckt ein Streit, der seit den Schulschließungen neu entflammt ist. Auf der einen Seite stehen Lehrer, die irgendwie mit ihren Schülern kommunizieren wollten. Auf der anderen die Datenschützer, die die digitale Privatsphäre der Schüler schützen müssen.
Konkrete Dienste nennt Hartge – wie ihre Kollegen aus anderen Bundesländern – nicht. Gemeint sind Zoom, Skype, Facebook und Whatsapp – jene US-Anbieter, die beliebt und verbreitet sind – und keinerlei Datensicherheit bieten.

Minister wollen Lehrer nicht kritisieren

Corona hat gezeigt, wie wenig Erfahrung Schulen mit Online-Kommunikation haben. Viele Schulen hatten vor Ausbruch der Pandemie nur eine einzige Mail-Adresse – manche machen das bis heute so. Das ist nicht nur eine Frage technischer Ausstattung, sondern einer Schulkultur, die sich wandelt. Nur wenige Schulen hatten vor Corona Routine mit Online-Formaten und konnten aus den Vollen schöpfen.
Viele Lehrer dagegen sahen es nicht als Aufgabe, nach Feierabend für Schülerfragen bereit zu stehen. Corona zwang sie aber dazu. Aus einer Mischung aus Verzweiflung und Unbedarftheit haben Schulen einfach losgelegt. Nicht wissend, dass die Klassenchats auf Whatsapp auf Servern hinterm Atlantik gespeichert werden – mit Klarnamen und ohne jeglichen Schutz. Theoretisch könnte der US-Präsident, wenn er will, auf diese Schülerdaten zugreifen, denn das ist ihm laut Gesetz möglich. Egal sein sollte das weder Lehrern noch Eltern.
Die Bildungsminister sind in einer Zwickmühle. Kritisieren will etwa Britta Ernst (SPD) aus Brandenburg nicht, denn eine Alternative zu den US-Giganten konnte sie nicht anbieten. Die Schulcloud, die all das leisten soll, war nicht pünktlich einsatzbereit. Inzwischen ist die Cloud zwar für mehr Schulen geöffnet – aber nicht alle wollen sie nutzen. Für das mit Millionen geförderte digitale Klassenzimmer ging in den ersten Wochen des Homeschoolings wertvolle Zeit verloren.
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