Die Corona-Krise hat viel Stoff zum Nachholen übriggelassen. Nun muss nachgeholt werden. Damit alle schön freiwillig mitmachen, sollen die Sommerschulen lustig werden. Büffeln am Badesee. Pauken im Ferienlager. Lesen mit der Taschenlampe im Zelt.
Die Sommerschule wird es in diesen Ferien deutschlandweit geben. Alle 16 Bundesländer machen ähnliche Angebote. Vorangegangen ist Berlin mit einem straffen Programm aus drei Wochen Ferienunterricht mit je drei Stunden täglich in Mathe, Deutsch und Englisch. In Brandenburg sollen die Kurse im Juli beginnen – in Sachsen läuft das Sommerprogramm in der ersten Ferienwoche – also ab 20. Juli – sowie in der letzten Woche.
Wer das aber nur für eine drollige Notlösung hält, der verkennt die historisch einmalige Chance zur Neuerung, die dem System Schule hier zuteil wird. Diese Sommerschule wird vor allem ein großes pädagogisches Experiment. Es wird eine Schule ohne Schule, denn sie wird größtenteils in Ferienlagern, Horten und Jugendzentren stattfinden. Wie der Unterricht im einzelnen aussieht, entscheiden die Veranstalter und Kursleiter. Die Veranstalter bestimmen auch die Inhalte der Lerneinheiten; ministerielle Lehrpläne herrschen in den Ferien nicht.

Sommerschule: Chance für neue Pädagogik

Das Bildungswesen gehört reformiert. Fächer Inhalte, Lernmittel und Lehrmethoden müssen auf den Prüfstand. Der Missstand, dass Bildungserfolg vom Elternhaus abhängt, ist immer noch nicht be­ho­ben. Was ein Erwachsener im 21. Jahrhundert wissen muss, findet sich kaum in Lehrplänen wieder. Schließlich braucht das Digitale seinen festen Platz im Unterricht. Was nützen teure, steuerfinanzierte Geräte, wenn sie im Computerkabinett verstauben? All das sind dringende Gründe, Neues zu versuchen. Die Coronakrise hat die Augen für diese Probleme geöffnet - die Sommerferien öffnen nun den Raum für Lösungen.
Die Sommerschule wird das Labor für neues Lernen. Wenn Lehramtsstudenten Anfang 20 und pensionierte Profis zusammenkommen, um Schüler bei 30 Grad bei der Stange zu halten, dann entsteht Innovation. Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter, Digitalisten, die schon immer etwas ändern wollten, können es nun probieren.
Schule ist ein behäbiges System. Es trägt eben viel Verantwortung. Jeder Einzelne muss auf dem Weg ins Erwachsenenleben hier durch. Schule kann Menschen zusammenbringen und Biografien gestalten wie keine andere Institution. Dieser Sommer wird entscheiden, wie die Schule der Zukunft aussieht.
Mit dieser Folge endet der LR Homeschooling BLOG. In 45 Folgen haben wir Schüler, Lehrer und Eltern durch die Coronazeit begleitet. Wir haben von ihren Erfahrungen berichtet und neue Methoden des Lernens vorgestellt. Allen Lesern wünschen wir fröhliche und erholsame Ferien.