Das Max-Steenbeck-Gymnasium hat nicht gewartet, dass das digitale Klassenzimmer vom Himmel fällt. Oder von der Landesregierung geliefert wird. Das Cottbuser Gymnasium hat eine eigene Lernplattform. Die heißt Fronter und wurde vom Förderverein der Schule spendiert. Damit ist das renommierte naturwissenschaftliche Gymnasium gut ausgestattet für den digitalen Unterricht in Corona-Zeiten.

Aber Infrastruktur ist nicht alles. Sie muss auch genutzt werden. Das läuft am Steenbeck noch nicht zur vollständigen Zufriedenheit des Schulleiters. „Bei einigen Klassen klappt das sehr gut, andere wieder sind überfordert“, sagt Frank Ristau. Es hänge eben auch daran, wie fit die Fachlehrkraft im Umgang mit der Software ist. „Die notwendigen Schulungen sind zwar erfolgt“, sagt Ristau, „doch heißt das noch lange nicht, dass auch alle Lehrkräfte gleich gut damit umgehen können.“

Das gilt so oder so ähnlich überall. Als Mitte März die Schulen schlossen, durfte man damit rechnen, dass nun endlich die digitale Revolution an den Schulen ausbricht. Plötzlich konnten alle nur noch übers Netz kommunizieren - und gelernt werden musste ja sowieso. Doch so einfach geht das nicht. Vier Wochen Homeschooling haben nicht aus allen Schülern Bildungs-Nerds und nicht aus allen Lehrern Digital-Pioniere gemacht.

Online-Unterricht: Mehr Kommunikation als Stoff

Timo Heber ist Pionier. Der 47-Jährige, der hier unter Pseudonym auftritt, lehrt an einem Potsdamer Gymnasium - und das schon lange mit Cloud und Video-Chat. Für ihn zeigt Corona nun, wie unterschiedlich die Bedingungen an den Schulen sind. „Viele, die schon vorher digital unterwegs waren, haben den Vorteil, dass die Schüler gewohnt sind, digital zu arbeiten“, sagt Heber. Seit den Schulschließungen wird er überrollt mit Anfragen von Kollegen, was man im Netz wie machen kann.

Hebers Erfahrung: Die meisten Kollegen präferieren auch online Formate, die wie Klassenzimmer aussehen. Der Renner sind Videokonferenzen, mit denen Lehrer versuchen, Anwesenheit zu simulieren. Man dürfe aber nicht den Fehler machen, den Unterricht Eins zu Eins ins Netz zu übertragen, meint Heber. Massen an Stoff ließen sich dort jedenfalls nicht vermitteln. Er selbst geht dafür lieber mit ausgewählten Themen in die Tiefe. Der Vorteil des Digitalen liege schließlich in der Kommunikation. Seine Schüler können Termine bei ihm buchen, dann bekommen sie den Lehrer 20 Minuten allein im Videochat.

Cottbus/Potsdam/Dresden

Inzwischen finden seine Schüler Digital-Unterricht sogar besser als normalen. „Einige sagten mir, sie wollen das jetzt jedes Jahr für ein paar Wochen so haben“, sagt der Digital-Revolutionär aus Potsdam.