Möbel raus, Kunst rein: Am Samstag verwandelt die Living Room Gallery für zwölf Stunden Cottbuser Wohngemeinschaften in kleine Kunstgalerien. Von Gemälden bis Skulpturen, von Licht bis Fotografie – Kunst ist facettenreich und genau das wollen die Macher der Galerie auch beweisen.

Studenten aus Cottbus kommen 2015 auf die Idee

„Anfangs war das schon studentisch ausgerichtet. Wir laden Künstler ein, haben eine Wohnung und dann geht’s los“, erklärt Glenn „Glönn“ Buchholz. In drei Räumen und dem Treppenhaus fand die erste Galerie 2015 statt. Zwölf Künstler stellten vor wenigen hunderten Besuchern ihre Kunstwerke aus, es gab Musik und gute Gespräche. Nach zwölf Stunden war der Spuk vorbei, doch der Entschluss stand fest: Die Living Room Gallery soll zum festen Bestandteil der Cottbuser Kunstszene werden.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Was sich in der Zeit entwickelt hat, überrascht die Macher des Projektes noch heute. „Mittlerweile kommen über 40 Künstler nach Cottbus, dazu acht Bands und zig DJs. Wir sind 180 Leute, die helfen und die Menschen stehen manchmal auch noch vor den Häusern an, um reinzukommen“, erklärt Leo Koppe. Dass die Gallery auch bei niedrigen Temperaturen im Winter stattfindet, würde den Besucherandrang nicht mindern. „Wir haben uns mit Absicht dafür entschieden, weil im Sommer eh immer viel los ist und wir auch im Winter ein Angebot schaffen wollten“, sagt Koppe. Die Besucherschlangen der letzten Jahre geben ihm Recht.

Auch in diesem Jahr wollen die Organisatoren der LRG wieder Kunst aller möglichen Genres zeigen. „Wir setzen kein Kunstkonzept voraus. Wir wollen Kunst greifbar machen und es soll ein Wohnzimmer-Charakter entstehen. Da hängen manchmal auch Bilder verschiedener Kunst-Typen nebeneinander und wem ein Bild nicht gefällt, der kann einfach ins nächste Zimmer gehen“, sagt Leo Koppe. Kunst sei nun mal nicht still und steril, wie im Museum. Die Leute sollen sich austauschen können, miteinander und mit den Künstlern – denn die reisen teilweise extra aus Berlin, Leipzig, Dresden, Kiel und Hamburg an, um vor Ort zu sein.

Künstler aus ganz Deutschland – und Cottbus

„Glönn“ hat keine weite Anreise. Der Cottbuser Künstler stellt schon seit 2015 seine Werke bei der Living Room Gallery aus und ist auch 2020 wieder dabei. Was er zeigen wird? „Surrelle Monster“, antwortet „Glönn“. Kreaturen, die mal gruselig, mal skurril sind und völlig seiner Fantasie und dem „Chaos im Kopf“ entspringen. „Ich arbeite oft an mehreren Stücken gleichzeitig, deshalb kann ich gar nicht sagen, wie lange ich für ein Bild brauche“, sagt er.

Weil er schon seit ein paar Jahren dabei ist, ist es für „Glönn“ mittlerweile normal, über seine Kunst zu reden, sich ungefragt Kritik und Lob abzuholen und Hintergründe zu offenbaren. „Gezeichnet habe ich irgendwie schon immer. Seit einiger Zeit lebe ich auch von meiner Kunst“, erklärt er. Wie ihn gäbe es noch viele andere versteckte Künstler in Cottbus, die Kunst machen und dennoch nicht in den normalen Galerien auftauchen. Auch für sie soll die Living Room Gallery eine Bühne bieten.

Enormer Arbeitsaufwand für die Ehrenamtler

Dass die LRG trotz des Erfolges nicht ohne Weiteres weiter wachsen kann, ist den Organisatoren klar. „Schon in diesem Jahr machen wir das in mehreren Wohnungen. Das bedeutet mehrere Parteien mit mehreren Meinungen, die ihre Wohnungen freiräumen und es zulassen müssen, dass Fremde darin rumlaufen“, erklärt Koppe. Der Organisationsaufwand ist für die Ehrenamtler enorm. „Alles nebenbei“ zu stemmen sei gerade in der heißen Phase im Januar kaum noch möglich. „Auch am Samstag sind wir noch voll im Stress, weil auch am Tag so viel zu tun ist“, erklärt Leo Koppe. Die zwölf Stunden volle Ladung Kunst werden sie trotzdem genießen.

Living Room Gallery Kunstmuseum für einen Tag

Cottbus