Lesermeinung
: Ungebremster Konsum zerstört unsere Umwelt

Der erklärende Journalismus der darin bislang eher biederen LR wird erwachsen: Nach dem „Affront“-Artikel über die Gralshüter (Kohlebergbau) von Frau Keilholz erfolgt nun der nächste Paukenschlag über den Umgang mit dem Klimawandel von Frau Wolter!  („Auf welcher Erde wollen wir leben?“, LR vom 10. April). Herrmann Lehmann aus Cottbus schreibt dazu.
Von
LR Café-Tester
Cottbus
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Die Giga-Factory in Grünheide ist schon vor Inbetriebnahme ein Thema. Tesla verschärft den Wassermangel, warnt der Wasserverband Strausberg-Erkner. ⇥

Foto: Patrick Pleul / dpa

Finger in die Wunde

Die neue Generation Kolumnistinnen legt den Finger in die Wunden der langgehegten öffentlichen Wahrnehmungen, beispielsweise Kohleausstieg und nun — quasi zwangsläufig — auch den umweltzerstörenden Konsum, sprich: unendliches Wachstum!

Zur Energiewende sei nur daran erinnert, dass die Protagonisten der 90er–Jahre eine dezentrale Erzeugung anstrebten — 30 Jahre und mehrere EEG–Novellen später wird alles zentral reguliert und vor allem mehrfach besteuert!

Frau Wolter nimmt beispielhaft direkt Bezug auf die Zusammenhänge zwischen unseren Nahrungs– (und Konsum-) Gewohnheiten und den resultierenden Entwicklungen der Krankheitserreger und Pandemie–Voraussetzungen. Die diversen öffentlich und medial heiß diskutierten Szenarien von Massentierhaltung und industriellem Pflanzenbau sind für die gesunde und sättigende regionale Ernährung verzichtbar, aber für das aktuell betriebene explosionsähnliche Wachstum der (finanzoptimierten) Weltwirtschaft „systemrelevant“.

Wie schon genau beschrieben, bringt die — spannenderweise durch Corona erzwungene — Situation ans Licht, dass Einschränkungen bei Konsum, Reiseaktivitäten und Events erhebliche Einsparungen beim Ressourcenverbrauch ermöglichen. Der Umbruch bei Fahrzeug­antrieben generiert eine völlig neue Konstellation in der Zulieferkette (wegen der terminlichen Unzuverlässigkeit asiatischer Lieferanten entdecken VW & Co wieder eigene Komponenten–Fertigung).

Der gigantische Wasserverbrauch führt hierzulande nicht nur seit Tesla zum Problem und anderswo zu Kriegen, dabei leistet sich das moderne Deutschland noch immer eine Toilettenspülung mit hoch aufbereitetem „sichersten Lebensmittel“ namens Trinkwasser, obwohl „unmoderne“ asiatische Großstädte schon seit mehr als 50 Jahren  mit teil­aufbereitetem Grauwasser spülen (Kreislauf)!

Ich selbst durfte eine genehmigte (!) eigenfinanzierte Pflanzenkläranlage wieder außer Betrieb nehmen, weil die Stadt dank Fördermitteln die zentrale Abwassereinleitung diktierte! Unsere Experten achten dafür darauf, dass alle paar Jahre wegen eines antiquierten Eichgesetzes die Zähler zwangsgewechselt werden, weil deren Ganggenauigkeit mit Liter–Messung sichergestellt werden muss, denn die Abrechnung erfolgt bekanntlich (Faktor 1000) nach Kubikmeter!

Wir müssen uns „um des Überlebens willen“ schnell von der Vorstellung lösen, unbedingt eine größere Wohnung (oder Stadtvilla), einen größeren Geländewagen oder einen grüneren Rasen als der Nachbar haben zu wollen. Unsere Lebensqualität — präziser: unser Überleben — kann dauerhaft nur gesichert werden, wenn wir unseren persönlichen Fußabdruck auf diesem „einen belebbaren Planeten“ so klein wie möglich halten.

⇥Hermann Lehmann, Cottbus