Zum ersten Mal seit 2016 hat der Spreewaldverein Lübben zum Beginn der Leinblüte nach Drebkau eingeladen. Die hiesige Agrargenossenschaft ist die südlichste und jüngste Station im Bunde der Landwirtschaftsbetriebe, die im Wirtschaftsraum Spreewald Öllein anbauen. Deren Zahl ist in diesem Jahr erstmals gesunken auf fünf Betriebe. Ursache ist die anhaltende Trockenheit.
„Öllein ist eine empfindliche Kultur. Sie braucht vor allem Wasser. Zur richtigen Zeit. Damit hatten wir in diesem Jahr Glück“, sagt Dagmar Schenke, Vorsitzende der Agrargenossenschaft Drebkau, mit Blick auf das zartblau blühende Ölleinfeld in Siewisch.

Blütenmeer in zartblau löst Begeisterung aus

„Das ist das schönste Leinfeld, was ich bisher gesehen habe. So ordentlich, so ununterbrochen zartblau und schön“, gerät Gisela Christl vom Spreewaldverein, Lübben, bei dem Anblick ins Schwärmen. Sie ist seit 2016 regelmäßig dabei, wenn der Verein medienwirksam gemeinsam mit Landwirten und Öl-Müllern der Region zur Öllein-Blüte einlädt. Dann trägt sie die typische Spreewälder Arbeitstracht.


Sie heimsten stellvertretend für die Mitarbeiter der Pflanzenproduktion viel Lob ein für ihre Meisterleistung bei der Feldbestellung in Siewisch: Stephan Panzner, stellvertretender Leiter Pflanzenproduktion, und Florian Piske (li), Assistent der Geschäftsführung der Agrargenossenschaft Drebkau. Auch Gisela Christl vom Spreewaldverein  ist begeistert. Regen zur richtigen Zeit, eine gute Vorfrucht, ein einjähriges Weidegras namens Rotschwingel,  tragen dazu bei, dass der Öllein so gut steht. Das Feld wurde vor der Aussaat einmal umgepflügt und zweimal gegrubbert. So kann der Öllein nahezu unkrautfrei wachsen und reifen.
Sie heimsten stellvertretend für die Mitarbeiter der Pflanzenproduktion viel Lob ein für ihre Meisterleistung bei der Feldbestellung in Siewisch: Stephan Panzner, stellvertretender Leiter Pflanzenproduktion, und Florian Piske (li), Assistent der Geschäftsführung der Agrargenossenschaft Drebkau. Auch Gisela Christl vom Spreewaldverein ist begeistert. Regen zur richtigen Zeit, eine gute Vorfrucht, ein einjähriges Weidegras namens Rotschwingel, tragen dazu bei, dass der Öllein so gut steht. Das Feld wurde vor der Aussaat einmal umgepflügt und zweimal gegrubbert. So kann der Öllein nahezu unkrautfrei wachsen und reifen.
© Foto: Beate Möschl
Ölmüller Christian Behrendt, Geschäftsführer der Kanow-Mühle Sagritz bei Golßen (Dahme-Spreewald), fragt nach dem zu erwartenden Ertrag. Hintergrund sind die Ernteausfälle in der Landwirtschaft auch beim Öllein in den Hitzesommern 2018 und 2019. Solche Ausfälle stellen die Ölmühlen vor Probleme.
Denn wer unter der beim Deutschen Patentamt in München eingetragenen Kollektivmarke „Spreewälder Leinöl“ produziert, der muss zwei wichtige Kriterien erfüllen: Der Verarbeitungsbetrieb muss seinen Sitz im Wirtschaftsraum Spreewald haben, und er muss so viel einheimische Rohstoffe wie möglich verarbeiten, also mehr als 50 Prozent Leinsaat aus hiesigem Anbau.

Ölmühlen der Region hoffen auf gute Ernte

Das ist schwierig, sagt Behrendt, wenn so wie im vergangenen Jahr gut ein Viertel der üblichen Ernte ausfällt, weil die Pflanzen aufgrund der Trockenheit keine oder nur viel kleinere Samen ausbilden.
Die Agrargenossenschaft Drebkau erwartet auf ihren gut 20 Hektar Öllein in diesem Jahr „eine richtig gute Ernte“. Die wird im September sein und – wenn alles gut geht – auch die erste richtig große Ernte werden seit dem Wiederanbau heimischen Ölleins auf den Feldern rund um Drebkau im Jahr 2018.
Damals erntete die Genossenschaft 11,98 Dezitonnen je Hektar auf einer Fläche von 11,24 Hektar. 2019 waren es nur 3,53 Dezitonnen je Hektar, denn der zweite Dürresommer in Folge forderte seinen Tribut.
Nach Angaben des Spreewaldvereins liegt der Leinsaat-Ertrag bei gut einer Tonne je Hektar. Die Leinöl-Ausbeute liegt Ölmüller Christian Behrendt zufolge bei 20 bis 25 Prozent je Tonne Leinsaat.
Begehrte  regionale Erzeugnisse: Leinöl aus Drebkau und aus der Kahnow-Mühle und Leinkuchen aus der Holländer-Ölmühle in Straupitz.
Begehrte regionale Erzeugnisse: Leinöl aus Drebkau und aus der Kahnow-Mühle und Leinkuchen aus der Holländer-Ölmühle in Straupitz.
© Foto: Beate Möschl

Drebkauer setzen auf Direktvermarktung

Verarbeitet wird die Leinsaat aus eigenem Anbau im eigenen Betrieb und unter dem Logo „Drebkauer Leinöl“ direkt vermarktet mit dem Hinweis „Ein Produkt aus der Spreewaldregion“.
Das Logo hat die Agrargenossenschaft für die Direktvermarktung von Frischmilch und Leinöl entwickelt lassen, „um die Region bekannter zu machen und zu zeigen, das kommt von hier“, so Dagmar Schenke.
Die Leinölproduktion sei ebenso wie die Direktvermarktung von Frischmilch „aus der Misere bei den Erzeugerpreisen entstanden“, insbesondere dem Milchpreisverfall. „Wir mussten uns neue Wege suchen“, sagt sie. Das sei nicht immer einfach. Doch hat ausgerechnet die Coronakrise für die Agrargenossenschaft auch gute Seiten: „Wir haben keinen Rückgang bei der Direktvermarktung. Im Gegenteil. Als im Lebensmittelhandel die Milch knapp wurde, stieg die Nachfrage. Ich hoffe das hält sich.“
Agrargenossenschaft bringt mit Direktvermarktung Drebkau in aller Munde Drebkauer Milch gibt’s am Automaten

Drebkau

An den Drebkauern soll es nicht liegen. Sie haben bereits einen Bauantrag für einen neuen Milchviehstall gestellt, einen Ersatzneubau. „Wenn der Stall steht, wollen wir eine kleine Molkerei anbauen. Dann könne wir auch Käse und Speiseeis produzieren“, kündigt die Vorsitzende der Agrargenossenschaft an. Dazu passt natürlich auch Leinöl, wie Verarbeiter aus dem Spreewald oder auch aus Wittichenau (Landkreis Bautzen) unter Beweis stellen.

Das „blaue Gold“ des Spreewaldes


Seit hunderten von Jahren wird im Spreewald Lein angebaut und zu unterschiedlichen Produkten verarbeitet. Das wohl bekannteste unter ihnen ist frisch gepresstes Spreewälder Leinöl.

Das ist keine Massenware. Der Ertrag liegt lediglich bei etwa einer Tonne Leinsaat pro Hektar Öllein. Im gesamten Spreewald beträgt die Anbaufläche in diesem Jahr rund 140 Hektar (2019: 210 Hektar).

Neben dem wertvollen, auch von Bienen heiß begehrten Rohstoff für das schmackhafte spreewaldtypische Leinöl leisten Landwirte mit dem Anbau von Öllein einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt und bringen mit ihren zartblau blühenden Feldern Farbe ins Landschaftsbild.

Weitere Pluspunkte sind die kurzen Wege von Erzeuger zu Verarbeiter, handwerkliche Sorgfalt und Liebe zum Produkt sowie Wertschöpfung, die in der Region bleibt.

Auch touristisch lässt sich das Netzwerk der Anbauer und Verarbeiter erschließen, mit der Spreewälder Leinöl-Genießertour. Tipps dazu gibt es beim Spreewaldverein. Der besteht in diesem Jahr 25 Jahre und macht passend zum Jubiläum auf seiner Internetseite (www.spreewaldverein.de) mit 25 spreewaldtypischen Rezepten Appetit auf die Region, darunter natürlich auch die Leinölstippe.