Leag in Cottbus: Tarifverhandlungen – Kohlezufuhr in Jänschwalde blockiert

Warnstreik im Braunkohlekraftwerk Jänschwalde. Leag-Beschäftigte haben am Donnerstagvormittag zeitweilig die an einem Stellwerk die Kohlezufuhr blockiert.
Frank Hammerschmidt/dpa- Tarifverhandlungen bei Leag in Cottbus: IGBCE fordert 9% Lohnerhöhung für 7200 Beschäftigte.
- Arbeitgeberangebot: 1,5% Lohnerhöhung bei 18 Monaten Laufzeit, als "Frechheit" bezeichnet.
- Warnstreiks am 6. März angekündigt, zunächst ohne Einfluss auf Strom- oder Wärmeversorgung.
- Leag 2023 Gewinn: 1,5284 Milliarden Euro nach Steuern.
- Leag-Beschäftigte erhalten überdurchschnittliche Löhne, was der Region Lausitz zugutekommt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es geht um sehr viel Geld, beim größten privaten Arbeitgeber im Süden Brandenburgs und im Osten Sachsen. Die inzwischen hoch spannenden Tarifverhandlungen beim Lausitzer Energieunternehmen Leag gehen am Freitag, 7. März, unter verschärften Bedingungen in die zweite Runde. Denn schon vor dem Start der Gespräche in Lübbenau ist die Stimmung zwischen den Verhandlungspartnern gereizt.
Am Donnerstag, 6. März, sind ab dem frühen Morgen alle Leag-Kraftwerke bestreikt worden. „Dieser Warnstreik heute war ein erster Nadelstich“, sagte IGBCE-Verhandlungsführer Holger Nieden. Gestreikt wurde an einigen neuralgischen Punkten in den Kraftwerken. Im Kraftwerk Jänschwalde beispielsweise wurde ein Stellwerk der Kohlebahn bestreikt, sodass keine Rohbraunkohle mehr ins Kraftwerk gelangte. „Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen, werden wir weiter Gas geben“, kündigt Holger Nieden an. Die Streikenden in Jänschwalde ließen in Gesprächen keinen Zweifel daran, dass sie die Kohlezufuhr zum Kraftwerk in Zukunft auch langfristig blockieren könnten.
Bis zum Mittag bestreikt worden waren die Kohlekraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe, Boxberg und Lippendorf (Landkreis Leipzig). Auch an der Leag-Hauptverwaltung, in der Cottbuser Südstadt, hat eine „Solidaritätsveranstaltung der dortigen Vertrauensleute“ stattgefunden. Noch sind die Warnstreik in den Leag-Kraftwerken ohne Auswirkungen auf die Strom- oder Wärmeversorgung geblieben. Das hatten die Gewerkschafter auch so angekündigt.
Das fordert die IGBCE für Leag-Mitarbeiter
Beim Auftakt der Tarifverhandlungen im Spreewald, Ende Februar, hatten die Leag-Arbeitgeber nach Gewerkschaftsangaben ein „unterirdisches Angebot“ vorgelegt. „Nach langem Zaudern und Zögern haben die Leag-Vertreter beinahe am Schluss des Verhandlungstages eine Lohnsteigerung von gerade einmal 1,5 Prozent bei einer Tarif-Laufzeit von 18 Monaten angeboten“, sagt Reni Richter, Bezirksleiterin Lausitz der IGBCE. Die Energiegewerkschaft dagegen fordert in der diesjährigen Tarifrunde eine Erhöhung der Vergütungen um neun Prozent bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten.
So viel Gewinn hat die Leag gemacht
Angesichts des Leag-Angebots „fehlen mir die Worte“, hatte sich IGBCE-Verhandlungsführer Holger Nieden nach der ersten Verhandlungsrunde fassungslos gezeigt. Die Offerte liege – sogar deutlich – unter der Inflationsrate. Es sei „eine Frechheit“, denn der Leag-Konzern fahre auch in diesem Jahr weiter hohe Gewinne ein. Das Unternehmen könne es sich daher problemlos leisten, die Vergütungen der Beschäftigten um neun Prozent anzuheben. Öffentlich zugängliche Zahlen der Leag-Bilanz für das Jahr 2024 gibt es noch nicht. Die Größenordnungen aber sind beachtlich: Der Leag-Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2023 hatte alleine für die Leag-Kraftwerkssparte einen Gewinn in Höhe von 1,5284 Milliarden Euro (nach Steuern) ausgewiesen.
„Die Arbeitgeber haben sich von ihren eigenen Beschäftigten entfernt“, schimpft Holger Nieden. „Wir sind Kooperationspartner und ignorieren keineswegs, dass die Leag in den kommenden Jahren große Summen in die Megaprojekte ihrer grünen Gigawatt-Factory investieren muss“, sagt auch Reni Richter. „Die Menschen, die das Geld dafür erwirtschafteten, müssen aber fair und bezahlt werden.“
Die Verhandlungsführer der Arbeitgeber wollen sich auch vor Beginn der zweiten Runde der Tarifverhandlungen nicht zu den anstehenden Verhandlungen im Detail äußern.
Hohe Leag-Löhne – Auswirkungen auf die ganze Lausitz
Bei der Leag wird gut Geld verdient. Davon profitieren kann die gesamte Region seit vielen Jahrzehnten, weil ein Großteil des Geldes naturgemäß auch in der Lausitz wieder ausgegeben wird. Tatsache ist, dass die Beschäftigten des Lausitzer Energieunternehmens zu den Arbeitnehmern in Brandenburg und Sachsen gehören, denen seit Langem tatsächlich überdurchschnittliche Löhne und Gehälter gezahlt werden. Die Leag-Löhne liegen nach Aussagen von Fachleuten aktuell im Durchschnitt rund 15 Prozent höher als die durchaus akzeptablen Bahn-Tarife, wie sie im neuen DB-Instandhaltungswerk in Cottbus bezahlt werden.

