Die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Praktikern aus erfolgreichen Unternehmen gilt als einer der entscheidenden Schlüssel, wenn es um den wirtschaftlichen Umbau in der Lausitz beim Strukturwandel geht. Die Kooperation von etablierten Firmen mit den Universitäten und Instituten soll helfen, neue Idee der Wertschöpfung für die Zukunft der Region zu entwickeln. Was als das „nächste ganz große Ding“ für die Lausitz jetzt mit Hochdruck und viel Geld massiv ausgebaut werden soll, das gibt es im Kleinen längst.

WissenschaftsTransferpreis 2019 Kleine Energiewunder „made in Cottbus“

Klettwitz

Seit Jahren fördert die Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) mit der Vergabe ihrer Wissenschafts-Transferpreise bemerkenswerte Projekte der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Firmen im Revier. Der Wettbewerb, der – eigentlich vollkommen unberechtigt – in den zurückliegenden Jahren oft unter dem Radar der großen öffentlichen Wahrnehmung lief, hat in diesem Jahr erneut außergewöhnliche und spannende Ideen für die Praxis hervorgebracht. Besonders bemerkenswert dabei ist, dass es nicht unbedingt die großen, nobelpreisverdächtigen Entdeckungen sind, die beim Lausitzer Wissenschafts-Transferpreis geboren werden. Häufig sind es genial einfache Lösungen, die dann herauskommen, wenn Praktiker und Wissenschaftler zusammen etwas „ausbrüten“.

Einfach genial Lausitzer Erfindungen

„Das Geniale liegt im Einfachen“, sagt auch Michael Strzodka von der GMB GmbH. Das Unternehmen ist ein bemerkenswert vielseitiger Dienstleister rund um den Bergbau und mit seinen etwa 300 Mitarbeitern eine 100-prozentige Tochter der Lausitzer Energie AG (Leag). Auf der Suche nach neuen Ideen und Geschäftsfeldern arbeitet die GMB seit Langem erfolgreich zusammen mit dem Institut für Umwelttechnik und Recycling Senftenberg (IURS). Das Institut ist formal ein eingetragener Verein und ein Zusammenschluss vor allem von Ingenieur-Wissenschaftlern und Studierenden der BTU Cottbus-Senftenberg.

Youtube Die Sieger des Jahrgangs 2020

Gemeinsam hatten GMB und IURS in diesem Jahr einen Komplex von insgesamt drei Projekten rund um den großen Bereich der Rekultivierung beim Lausitzer Wissenschafts-Transferpreis eingereicht. Mit ihren Ideen haben die Partner die Jury überzeugt und sich den immerhin mit 5000 Euro dotierten ersten Preis gesichert.
Bei den prämierten Projekten geht es um den effizienteren Einsatz von Kalk bei der Neutralisierung von sauren Lausitzer Bergbauseen. Zweiter Bereich ist ein neuartiges Schleuder-Verfahren, um in Kippenbereichen, die durch Rutschungen gefährdet sind, Erdmassen sicher zu bewegen. Und genial einfach ist auch eine neuartige Methode zum sicheren Verschluss von Filterbrunnen – das dritte Projekt der Kooperation. Die bis zu 130 Meter tiefen Brunnen, von denen es rund um einen Tagebau Hunderte gibt, können ungesichert zur dauerhaften Lebensgefahr für Menschen werden. Bisher mussten die Bohrlöcher extrem aufwändig und mühevoll mit Erdmassen wieder aufgefüllt werden.
Einfach genial: Statt die gefährlichen Tiefbrunnen aufwändig zu verfüllen, reicht einfach ein genial konstruierter Deckel. Der liegt mindestens einen Meter unter der Erde, damit Landwirte auch mit einem Tiefpflug oben drüber arbeiten können.
Einfach genial: Statt die gefährlichen Tiefbrunnen aufwändig zu verfüllen, reicht einfach ein genial konstruierter Deckel. Der liegt mindestens einen Meter unter der Erde, damit Landwirte auch mit einem Tiefpflug oben drüber arbeiten können.
© Foto: GMB GmbH / Bearbeitung: Lehmann/lr
Die Lausitzer haben dafür jetzt einen auf den ersten Blick schlichten Deckel entwickelt. Der ist so konstruiert, dass er auch auf lange Sicht nicht nachrutschen kann und den Tiefbrunnen langfristig wieder zu einer Gefahr werden ließe. Die scheinbar schlichte Konstruktion ist so überzeugend, dass inzwischen dafür beim Patentamt sogar ein Gebrauchsmusterschutz eingetragen werden konnte.
Bei der Zusammenarbeit zwischen GMB und dem Senftenberger Institut arbeiten Michael Strzodka und sein GMB-Team nicht nur mit erfahrenen Professoren der BTU zusammen. Einbezogen in die Entwicklungsarbeit wurden auch Studierende der Lausitzer Universität, die in Bachelor- oder Masterarbeiten einzelne Teilprojekte der Zusammenarbeit mit den Praktikern bearbeiteten. Auf diese Weise bekamen die Lernenden mehr unmittelbare Praxiserfahrungen als sie der reguläre Studienplan eigentlich vorsieht.

Und das sind die weiteren Preisträger

Den mit 3000 Euro dotierten zweiten Preis beim diesjährigen Lausitzer Wissenschafts-Transferpreis erhielt eine Kooperation der Kreisel GmbH aus Krauschwitz mit der BTU Cottbus Senftenberg. Wissenschaftler und Praktiker haben eine bisher einmalige Messeinrichtung entwickelt, mit deren Hilfe der Verschleiß gemessen werden kann, der an Anlagen auftritt mit denen Schüttgüter transportiert werden.
Im Bereich der Pflege angesiedelt ist das Projekt des dritten Preisträgers (2000 Euro). Dabei geht es um einen mobilen, 18 Kilogramm leichten, Pflegelift, der Personen bis zu 130 Kilogramm bewegen kann. Entwickelt wurde der Lift gemeinsam von der Großenhainer Maschinenbau GmbH und Wissenschaftlern der BTU Cottbus-Senftenberg.

Schwarzheide

Was ist der Lausitzer Wissenschafts-Transferpreis


Der Lausitzer WissenschaftsTransferpreis - LWTP - wird von der Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) vergeben. Der Preis verfolgt das Ziel, die Vernetzung zwischen Lausitzer Unternehmen, insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen, in Brandenburg und Sachsen mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen zu verbessern und weiter auszubauen. Mit dem LWTP werden herausragende und beispielhafte Projekte ausgezeichnet, die im wechselseitigen Transfer zwischen Unternehmen in der Lausitz und Hochschulen Forschung und Entwicklung, Innovationen, Technologiekompetenz, Wissens- und Praxistransfer vorantreiben.

In diesem Jahr waren insgesamt sieben Projekte für die Preise nominiert worden. Eine Jury unter dem Vorsitz des Schwarzheider BASF Geschäftsführer Jürgen Fuchs hatte die eingereichten Ideen beurteilt und die Preisträger benannt.