Die Lausitzer National-Elf für die Fußball-Europameisterschaft der autochthonen, nationalen Minderheiten Europas steht und trainiert. Frank Norbert Sieg und Horst Krautzig sind 900 Kilometer weit zur Auslosung für die Europeada 2020 gefahren. Mehr als 100 nationale Minderheiten aus mehr als 30 Ländern werden in dieser Meisterschaft, die zum vierten Mal ausgetragen wird, um eine besondere Fußball-Trophäe kämpfen.
Nach 2008 bei den Rätoromanen in Graubünden, 2012 bei den Sorben in der Lausitz und 2016 bei den Ladinern und deutschsprachigen Südtirolern im Pustertal und im Gadertal/ Italien ist nun Kärten Gastgaber für diesen Wettstreit der nationalen Minderheiten.

Frauen und Männer treten an

„Unsere Lausitzer werden vertreten sein, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Dabei wird das Team „Serbske mustwo“ seine Premiere haben“, bestätigt Frank Norbert Sieg. Nachdem die Sorben aus der Region Bautzen-Kamenz schon bei den drei Vorgänger-Meisterschaften mitgespielt haben, wird es jetzt eine paritätisch zusammengestellte Elf aus der Ober- und der Niederlausitz geben.
Vorausgegangen war, dass die Wenden vor zwei Jahren eine eigene Nationalmannschaft in Dissen mit Spielern aus Drehnow, Briesen, Sielow, Cottbus, Drebkau, Drachhausen, Peitz und Jänschwalde gegründet haben. Erste Bewährungsproben gab es für die Männer um den Sielower Trainer Horst Krautzig in Vergleichen gegen die Sorben und in diesem Jahr gegen die Nordschleswiger in Dänemark.

Gastgeber sind ein Lausitzer Gegner

Die dänische Mannschaft ist in der EM-Auslosung in der Gruppe mit der Sorben-Wenden-Auswahl gelandet. „Das ist natürlich ein Riesenzufall, aber es ist uns nicht unsympathisch, den Gegner kennen wir ja schon“, sagt Frank Norbert Sieg, der zu dem vierköpfigen Trainerstab von „Serbske mustwo“ zählt.
Bei den Männern spielen 24 Mannschaften in sechs Vierergruppen. Zum den Lausitzer Gegnern gehören auch die Gastgeber, die Spieler der slowenischen Minderheit in Kärnten aus Koroska und außerdem noch der FC Lusern. Der vertritt die kleine Gemeinschaft der Zimbern. Die ist eine sehr kleine Sprachminderheit und lebt in der italienischen Provinz Trient.
„Wir sind uns mit unseren beiden Trainerkollegen Frank Rietschel und Andre Strehlow aus der Oberlausitz einig, dass es eine sehr gute Gruppe ist. Dadurch, dass wir den Gastgeber bei uns haben, ist es zwar schwer, denn der Heimvorteil ist immer bedeutend, aber wir werden dadurch auch immer gute Zuschauerzahlen haben“, sagt Frank Norbert Sieg. „Die Nordschleswiger kennen wir schon. Wir wollen auf alle Fälle eine Runde weiter kommen. Wenn wir den Gruppensieg nicht schaffen, dann werden wir darum kämpfen zu den zwei besten Zweitplatzierten zu gehören“, erklärt der Wende aus Sielow weiter.

Wenden büffeln Muttersprache

Auch ein Frauenteam tritt an. Die Niederlausitzerinnen haben jetzt erstmals zusammen trainiert. „ Das war ein richtig guter Abend, die Verständigung ist sehr gut und wir verstehen uns auch menschlich. Das werden bestimmt gute Mannschaften“, erklärt Frank Norbert Sieg.
Die Wenden haben sogar den Ehrgeiz entwickelt, sich wieder in ihrer Muttersprache zu verständigen. Dank des Fußballwörterbuchs, das vom früherer Nowy-Casnik-Chefredakteur Horst Adam erstellt wurde, pauken die Jungs jetzt fleißig wendische Fußballlexik.
Trainiert wird bis Januar in den jeweiligen Wohnorten. Anfang des neuen Jahres treffen sich dann alle zu einem Trainingslager in Cottbus. Dann werden auch die Teams benannt, die im Juni dann als Vertreter der Sorben und Wenden gemeinsam um Fußballerehren kämpfen werden. Die Stiftung für das sorbische Volk und die Domowina sorgen für die finanzielle Basis für das Unternehmen Eurpeada. „Schön wäre es natürlich, wenn wir zahlreiche Fans begrüßen könnten. Wir haben schon die Stadien besichtigt, in den gespielt wird. Dabei haben wir natürlich auch die traumhafte Landschaft von Kärnten erlebt. Das Endspiel wird in Klagenfurt sein“, sagt Horst Krautzig.