Noch vor wenigen Tagen sind die Gänse von Landwirt Max Streich über die Wiese in Wiesendorf gewatschelt. Die etwa 60 Tiere vom Kolkwitzer Geflügelhof Streich haben das letzte Grün des Jahres gefressen. „Morgens und abends bekommen die Gänse noch eine Getreide-Mischung. Die stellen wir selbst her mit Hafer und Weizen, den mein Vater anbaut“, erzählt der Bauer. Seit vier Jahren leitet Max Streich (33) den Landwirtschaftsbetrieb, den seine Eltern gründet haben. Der junge Vater ernährt die Familie mit dem Verkauf von Geflügel. Hühner, Enten und Gänse mästet er.

„Die Aufzucht von Gänsen, unter anderem gescheckter Pommerngänse, ist ein Standbein des bäuerlichen Unternehmens. Wir können davon leben, reich werden nicht“, sagt der gelernte Kaufmann.

Die Gänse auf dem Wiesendorf haben einen geregelten Tagesablauf: Morgens um 7 Uhr werden sie gefüttert und dann aus dem Stall gelassen, sieben Tage in der Woche. Am Abend geht es dann wieder rein. Denn: „Fuchs und Kolkrabe freuen sich sonst über ein Festmahl.“

Jetzt beginnt die Zeit der Ernte, das ganze Jahr über geht der Landwirt in Vorkasse. Futter, Arbeitskraft, Kükenkauf – pünktlich zum Martinsfest wird an den Tieren verdient. Denn nun kommen die ersten Exemplare traditionell in den Bräter.

Der Landwirt bestätigt die Nachfrage nach Martinsgänsen in der Lausitz. Und das ist schöner Stress für den Mann, der eine gute Gänsekeule auch selbst schätzt. Im eigenen Schlachthaus werden die eifrig bestellten Gänse zur Strecke gebracht. „Jeder Kunde bekommt sein Tier ganz frisch geschlachtet. Allerdings haben wir schon damit zu kämpfen, dass das Einsehen über den deutlich höheren Preis im Vergleich zum Supermarkt nicht immer gegeben ist“, bestätigt der Bauer. Die Gans mit bekanntem Stammbaum von der saftigen Heimatwiese aber werde inzwischen wieder hoch geschätzt. Und das freut Max Streich.

Geschlachtet werden vor dem Martinstag nur die Gänse, die ihr Endgewicht schon erreicht haben. Die Weihnachtsbraten werden dann bei Frost auf engerem Raum gehalten. Die Tiere sollen ihr Gewicht vor allem halten. „Und es gibt Mais für die, die noch zulegen müssen“, sagt der Tierwirt. Noch seien nicht alle Gänse vom Geflügelhof Streich im Ortsteil Kolkwitz für das Festmahl weg. Aber die Zeit drängt schon fast.

Max Streich liebt seine Gänse und die bäuerliche Wirtschaft. „Ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen. Der Umgang mit den Tieren ist einfach schön. Ich bin schon mit den Gänsen groß geworden. Heute nehmen ich meine Kinder an den Wochenenden mit zum Füttern“, erzählt er. Der Verzehr des Fleisches gehört für ihn auch dazu.