Roland Kaiser in Cottbus
: War diesmal „Alles O.K.“ beim Konzert im Spreeauenpark?

ReportageFast 10.000 begeisterte Fans aus allen Teilen der Lausitz feierten am Freitagabend Roland Kaiser trotz Dauerregens im Spreeauenpark. Doch wer den Grandseigneur des deutschen Schlagers in Cottbus erleben wollte, musste hart im Nehmen sein.
Von
Jan Siegel,
Nils Contius
Cottbus
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  • Roland Kaiser: Zwei Stunden Show trotz Regens.

    Roland Kaiser: Zwei Stunden Show trotz Regens.

    Michael Helbig
  • Alles O.K. – Der Sänger Roland Kaiser und seine Band begeisterten am Freitagabend mehrere Tausend Besucher im Cottbuser Spreeauenpark.

    Alles O.K. – Der Sänger Roland Kaiser und seine Band begeisterten am Freitagabend mehrere Tausend Besucher im Cottbuser Spreeauenpark.

    Michael Helbig
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Dicke, graue Wolken hängen tief über dem Spreeauenpark in Cottbus. Zumindest bis Einlass–Beginn hält sich das Wetter. Bei (noch) angenehm wirkenden 18 Grad Lufttemperatur hat sich am Stadtring kurz nach 18 Uhr bereits eine gut 500 Meter lange Schlange geduldig wartender Konzertbesucher gebildet. Was vielen Schlagerfans sofort positiv ins Auge fällt: Schon hier gibt’s an zwei zweckdienlich positionierten Getränkeständen eine erste Erfrischung der flüssigen Art zu kaufen: „Na, dann, auf einen schönen Abend“, prostet man sich zu und die Plastikbecher klappern aneinander.

Andere unter den Wartenden zücken unentwegt ihr Smartphone, vergleichen die Prognosen diverser Wetter–Apps, verfolgen gebannt den Regen–Radar über Cottbus. Und es kommt, wie befürchtet: Gut 30 Minuten später weht der Wind zunehmend böiger, es wird deutlich kühler und beginnt zu nieseln. Bald darauf regnet es sich so richtig schön ein. Kaiserwetter „geht“ (eigentlich) anders ...

Wie die Schlagerfans im Spreeauenpark in Cottbus dem Regen trotzen

Die Menschenmenge im Spreeauenpark nimmt’s gelassen. Hartgesottene tragen Badelatschen, Shorts und T–Shirt, wer etwas zarter besaitetet ist, trägt unterm leuchtend gelben Ostfriesennerz einen dicken Pulli und an den Tanzfüßen Gummistiefel. Die Cottbuserinnen und Cottbuser sind bestens vorbereitet und ebenso gelaunt.

Glückliche Fans in Cottbus.

Michael Helbig

Der Verkaufsschlager des Abends sind dennoch die von der CMT vor Ort zum Verkauf angebotenen Regenponchos: „Zwei Stück für drei Euro ist völlig okay“, meint ein Mittvierziger und zieht sich gleich beide Regenschützer über Kopf und Schultern.

Wer Hunger oder Durst verspürt, wartet an den zahlreich gut platzierten Ständen auf dem Areal vertretbare fünf bis zehn Minuten auf Bratwurst oder Bier. Was die gastronomische Versorgung angeht, einer der großen Kritikpunkte aus dem vergangenen Jahr, gilt bis zu diesem Zeitpunkt ganz klar des Kaisers Konzert–Credo: „Alles O.K.“.

Sarah Zucker heizt die Bühne in Cottbus für den Kaiser vor

Sarah Zucker, jüngere Schwester des erfolgreichen Schlagerinterpreten Ben Zucker, besingt ab 19.15 Uhr ihre Sehnsucht nach der „Côte d’Azur“: Trotz Regens gelingt ihr der angekündigte Mix aus modernem Schlager–Pop und mediterraner Unbeschwertheit. Das Cottbuser Publikum honoriert den stimmungsvollen Auftakt des Konzertabends und die aufmunternden Ansagen der jungen Sängerin mit dankbarem Applaus.

Mit „Ohne Dich“ verabschiedet sich Sarah Zucker von der Bühne, jedoch nicht, ohne anzukündigen, dass Roland Kaiser in wenigen Augenblicken diese übernehmen wird. Als der Name des Schlagersängers fällt, bekommt man einen Vorgeschmack darauf, wie lautstark die Begeisterung der Zehntausend im Spreeauenpark ausfallen wird, wenn Kaiser höchstselbst die Bühne betritt ...

Sarah Zucker eröffnet den Konzertabend im Spreeauenpark.

Michael Helbig

Punkt 20 Uhr Cottbuser Ortszeit: Der Kaiser betritt die Bühne ...

Der Boden vor der Bühne beginnt unter der gewaltigen Basslast eines sphärischen Orchesterklangs zu beben. Kein Zweifel, es ist Showtime. Und da ist er: Roland Kaiser! Perfekt gestylt mit weißem Hemd und Krawatte, Anzug, Weste in edlem Blau. Das Publikum ist sofort komplett aus dem Häuschen: „Roland, Roland!“ skandiert der Jubel aus zehntausend Kehlen. Auf einen Schlag vergessen ist die bange Frage, die bei Veranstalter wie Konzertbesuchern, Bühnenbau– und Technik–Crews in den letzten Tagen die Runde machte: Meint es Petrus gut mit Cottbus oder braut sich am Schlagerhimmel über dem Spreeauenpark ausgerechnet jetzt doch noch ein Unwetter zusammen?

Konzertbeginn um 20 Uhr: Roland Kaiser betritt die Bühne und singt „Alles O.K.“.

Michael Helbig

Auf den Kartenvorverkauf hatte sich die drohende Schlechtwetterlage, laut Veranstalterangaben am Vortag, kaum ausgewirkt. Dennoch scheinen die Vorhersagen der Meteorologen nicht wenige Schlagerfans abgeschreckt zu haben: In einschlägigen Kleinanzeigenportalen häuften sich im Laufe der vergangenen Woche zunehmend die Angebote an „umständehalber“ zu verkaufenden Roland–Kaiser–Tickets, teilweise zu deutlich günstigeren Preisen.

Clemens aus Eisenhüttenstadt zum Beispiel habe sich spontan zum Konzertbesuch entschlossen und für sich und seinen Kumpel erst eine Stunde vor Konzertbeginn Tickets „aus zweiter Hand“ erworben: „Zwei Sitzplätze zum Preis von 130 Euro. Ein Schnäppchen“, freut sich der 22–Jährige unter seiner Regenjacke. Im Vorverkauf waren für nur eine Sitzplatzkarte schon knapp 100 Euro zu berappen.

Das Cottbuser Publikum trotzte dem Dauerregen und feierte den Schlagerstar.

Michael Helbig

So eröffnet Roland Kaiser in Cottbus eine musikalische Zeitreise

Roland Kaiser lässt seinen Blick über die dicht an dicht gedrängten Fans unmittelbar vor der Bühne gleiten. Als sei ihm jedes einzelne Gesicht in den ersten acht, neun oder zehn Reihen seit Ewigkeiten vertraut, so scheint es, begrüßt er das Publikum mit einem dezenten Kopfnicken, freundlichem Augenzwinkern und einladend offenen Armen. Dann setzt die Band zu „Alles O.K.“an. Seine Exzellenz, Kaiser Roland, der Erste, der Einzigartige und Unerreichbare, übernimmt das Zepter des Handelns, sprich: das Mikrofon. „Es ist alles O.K.“, daran lässt der Grandseigneur des deutschen Schlagers von Beginn an keinen Zweifel. Der 71–Jährige kann seinen Job und liefert großartig ab: „Es ist eine wunderbare Freude, wieder hier zu sein. Danke, dass Ihr trotz des Regens alle da seid“, spricht er in den kühlen Abendwind und erntet Begeisterungsstürme.

Kaiser überrascht mit musikalischer Hommage an große Künstlerkollegen

Weiter geht es Schlag auf Schlager kreuz und quer durchs musikalische Kaiserreich von „Dich zu lieben“ bis „Amore mio“. Bei „Santa Maria“ singt die Lausitzer Fangemeinde kollektiv und textsicher mit. Roland Kaiser verspricht, zu singen, bis der Regen aufhört. Die Menge tobt. Zur Halbzeit um 20.50 Uhr überrascht der Sänger mit einer überzeugend authentischen Coverversion des Westernhagen–Klassikers „Lass uns leben“ aus dem Jahre 1983. Das Publikum ist nicht mehr zu halten. Nach 90 Minuten Showtime verneigt sich Roland Kaiser mit einem Medley vor dem musikalischen Lebenswerk des unvergessenen Udo Jürgens. Bei „Ich war noch niemals in New York“ haben viele Fans Tränen der Rührung in den Augen und halten auch A–capella den Takt.

Christa ist mit ihrer Enkeltochter Lena (17) aus Forst angereist. Für beide sei es das erste gemeinsame Roland–Kaiser–Konzert überhaupt, freut sich die 72–Jährige: „Wir sind total begeistert“, ruft sie mit lauter Stimme gegen den satten Bühnensound an. In diesem Moment lässt sich nicht genau sagen, ob ihr dabei Freudentränen oder etwa Regentropfen die Wangen hinunterlaufen.

Apropos „laufen“: Auch an den Getränkeausschank–Stellen ist nach wie vor „Alles O.K.“. Und der vom Veranstalter eigens für das Konzert eingerichtete Bus–Shuttle zum Spreeauenpark habe sehr gut funktioniert, berichten glückliche Roland–Kaiser–Fans auf Nachfrage übereinstimmend.

Gab es wieder viele Falschparker und in der Folge eine Knöllchen–Flut?

Zumindest bis 21 Uhr ist, ganz im Gegensatz zum Vorjahr, von Falschparkern und damit verbundener Knöllchen–Flut weit und breit nichts zu sehen: „Na ja, vermutlich, weil’s heute regnet“, scherzt eine Besucherin am Ausschank und verschwindet wieder tanzend in der Menge. Knapp 250 Strafzettel waren beim Roland–Kaiser–Konzert 2022 verteilt worden. Aus Sicht der Stadtverwaltung „ein trauriger Rekord“. Der Frust betroffener Fahrzeughalter über Ordnungsgelder bis zu 55 Euro war groß.

„Extreme“ läutet das große Finale ein — ein Fazit

21.50 Uhr: „Extreme“ schallt es von der Bühne herab. Der Konzertabend mit Roland Kaiser am 23. Juni 2023 neigt sich dem Ende entgegen. Doch schon vor der ersten Zugabe steht felsenfest: Roland Kaiser hat die ihm treu ergebene Lausitzer Fangemeinde im Cottbuser Spreeauenpark einmal mehr wunschlos glücklich gemacht. Und auch all jene, die für das alles in allem gelungene Drumherum verantwortlich zeichnen, die Organisatoren von Einlass bis Gastronomie, über Bühne, Ton und Licht, haben gezeigt, was sie draufhaben: Cottbus kann Kaiser–Konzerte!

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