Wenn es um die Strukturwandel in der Energieregion geht, wollen die Lausitzer nicht im „eigenen Saft schmoren“. Deshalb wird die Region zwischen Elbe und Neiße in Sachen Strukturwandel immer öfter zur Plattform für den Austausch neuer Technologien rund um die Energieerzeugung der Zukunft.

Für Dienstag, 28. Januar, hat die Industrie- und Handelskammer Cottbus ihre Mitglieder zu einem Workshop unter dem Titel „Skandinavien: Vorreiter in Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ eingeladen.

Die Wirtschaft in den skandinavischen Ländern entwickelt und investiert seit langem kräftig in Themen wie Energieeffizienz in der Produktion, Ausbau der Erneuerbaren Energien, fossilfreie Energiegewinnung, intelligente Stromnetze, alternative Antriebe und Elektrifizierung des Transportsektors. Bei dem Workshop in Cottbus sollen sich Lausitzer Unternehmer über Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Marktchancen in Skandinavien informieren können.

England als Vorreiter beim Kohleausstieg

In dieser Woche bereits waren britische Wirtschaftsförderer und Gewerkschafter in Cottbus zu Gast, um mit ihren deutschen Kollegen und mit Wissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg Erfahrungen rund um den Strukturwandel auszutauschen. Der Lausitzbeauftragte Klaus Freytag und die Britische Botschaft hatten das Treffen organisiert.

Es ging um gelungene Beispiele für den Energieumbau auf der britischen Insel und auch um die dabei auftretenden Schwierigkeiten.

Auch wenn sich Deutschland inzwischen gern als Vorreiter für den energetischen Strukturwandel darstellt, ist es keineswegs so, dass die Briten als ahnungslose Neugierige in die Lausitz kamen. Wenn es nämlich um den Kohleausstieg geht, ist Großbritannien Deutschland inzwischen in einigen Bereichen weit voraus. Die letzte Steinkohlemine in Nordengland wurde im Jahr 2015 geschlossen.

Schon 2008, vor mehr als zehn Jahren, hatte sich Großbritannien ein eigenes Klimaschutzgesetz gegeben, das die Weichen in Richtung Kohleausstieg stellte. Schon Jahr 2013 hatte London einen CO2-Mindestpreis eingeführt, der die Kohlenutzung zuverlässig verteuerte und damit unrentabel regelrecht zum Absturz brachte. Die britischen CO2-Emissionen betrugen demnach im Jahr 2018 nur noch rund 360 Millionen Tonnen. Das sind rund 39 Prozent weniger als im Referenzjahr 1990. Damit liegen die Pro-Kopf-Emissionen der Briten mittlerweile bei nur noch 5,4 Tonnen jährlich. Das sei der niedrigste Stand seit 1858, berichtete das Online-Portal „klimareporter“ bereits im vergangenen Jahr.

Der Windmühlenpark Middelgrunden in Dänemark. Riesige Möglichkeiten zur CO2-freien Stromerzeugung in Nord- und Ostsee.
© Foto: Foto: ddp

Wie erstaunlich die Daten der britischen Klimapolitik sind, zeigt der Vergleich mit Deutschland. Hierzulande liegen die Emissionen bislang nur rund 32 Prozent unter dem Niveau von 1990. Der Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland ist fast doppelt so hoch wie in Großbritannien – bei rund neun Tonnen CO2 pro Jahr.

Die Briten machen Strom aus flüssiger Luft

Berücksichtigt werden muss bei den Betrachtungen zum britischen Kohleausstieg allerdings auch die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich der Kernenergie nicht - wie Deutschland – abgeschworen hat und rund 14 Prozent seines Stroms mit der Kernspaltungstechnologie erzeugt. Auch hatte die Briten bereits in den 1970er Jahren damit begonnen massiv Gaskraftwerke zu bauen, nachdem in der Nordsee riesige Erdöl- und Erdgasfelder erschlossen worden waren.

Trotzdem machen die Engländer immer wieder auch mit bemerkenswerten Pilotprojekten für eine klimaneutrale Energieversorgung der Zukunft international auf sich aufmerksam. Für Schlagzeilen sorgte in den vergangenen Monaten ein besonderes Speicherkraftwerk. Das britische Unternehmen Highview Power arbeitet dabei mit der Verflüssigung von Luft. Das britische Unternehmen Highview Power will im Norden Englands auf dem Gelände eines ehemaligen thermischen Kraftwerks einen Flüssigluft-Speicher mit einer Leistung von 50 Megawatt und einer Kapazität von 250 Megawattstunden installieren. Die Luft wird dabei mit überschüssigem Ökostrom und speziellen Kühlaggregaten auf minus 196 Grad gekühlt. Auf diese Weise lässt sich die flüssige Luft dann ohne großen Aufwand über Wochen hinweg in speziellen, isolierten Tanks lagern. Setzt man die wieder dann wieder der Umgebungstemperatur aus, wird sie gasförmig und dehnt sich dabei um das 700-fache aus. Ein dabei entstehender Druck lässt sich nutzen, um eine Turbine zu betreiben. Seit Anfang 2018 betreibt das Unternehmen nahe Manchester eine Demonstrationsanlage.

Für Internationale Aufmerksamkeit sorgt auch das Großkraftwerk Drax, in Nordengland. Dort werden Holzpellets statt Kohle zur Stromerzeugung genutzt werden. Allerdings ist die Technologie nicht unumstritten, weil dazu riesige Holzmengen aus Übersee – meist Kanada – auf die britische Insel transportiert werden.

Welche Experten zum IHK-Workshop erwartet werden


Am 28. Januar lädt die Cottbuser IHK interessierte Unternehmer aus Südbrandenburg zu einem Workshop unter dem Titel „Skandinavien: Vorreiter in Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ ein.

Als Experten und Diskussionspartner stehen den Interessenten an diesem Tag Rede und Antwort:

  • Sybille Köhler, Projektleiterin Förderprojekte Bund und Länder, AHK Norwegen
  • Dr. Verena Adamheit, Market Entry & Business Development AHK Schweden
  • Klaus Hammes, Chefökonom bei der Schwedischen Energiebehörde (Energimyndigheten)
  • Kjell Andersson, Swedish Bioenergy Association
  • Christian Kunze, Cluster Smart Innovation Nor-way
  • Antje Treptow, Coordinator International Coope-ration, AiF Projekt GmbH, Projektträger des BMWi
  • Ulrike Munz, Enterprise Europe Network Berlin-Brandenburg (EEN)
  • Stefan Giebler, Geschäftsführer GS Baugesell-schaft mbH Cottbus
  • Johan Wallgren, indecon consulting GmbH