Klima in Cottbus: Neue Bäume aus dem Branitzer Park müssen Hitzeschlacht gewinnen

Die Baumuniversität im Branitzer Park. Hier werden genetisch identische Bäume nach historischem Vorbild verschult und später als Ergänzung oder Ersatz im Park gepflanzt. Die Gärtner der Stiftung ermöglichten bei Führungen gern Einblicke in die Arbeit.
Michael HelbigDie neue Baumuniversität im Branitzer Park sorgt für ein prima Stadtklima. Im doppelten Sinn. Die Lausitzer Erde bekommt wieder Luft zum Atmen und unverzichtbare neue Bäume, die die Großstadt bei zunehmenden Hitzeperioden wirksam abkühlen sollen.
Dafür ist die ehemalige Gärtnerei im Außenpark der Branitzer Parklandschaft in Cottbus jetzt fast komplett zurückgebaut worden. Etwa 127.000 Quadratmeter groß ist das Areal, das bislang auf einer Fläche von 36.400 Quadratmetern vom Beton befreit worden ist. Weitere 6.300 Quadratmeter werden noch entsiegelt. Das bestätigt Catrin Winn-Janetz, Sprecherin der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz.
Die Neue Branitzer Baumuniversität leistet damit auf eigenem Terrain einen Beitrag für die Grünbilanz der Stadt Cottbus. Denn unversiegelte Böden zur Versickerung von Wasser und Grünflächen zur Kühlung haben klimaregulierende Effekte, die gebraucht werden. Das beweist neben den praktisch schwitzenden Menschen auch der ersten Hitze-Check der Städte Deutschlands der Deutsche Umwelthilfe (DUH). Flächenversiegelung und Grünausstattung in 190 deutschen Städten sind betrachtet worden.
Die Stadt Cottbus hat insgesamt mit einer Grünen Karte abgeschnitten. Als größte Grünanlage im Stadtgebiet sorgt die Branitzer Parklandschaft mit dem Branitzer Park, dem Vorpark, dem Spreeauenpark, dem Tierpark und dem Außenpark auf knapp 3,2 Quadratkilometern Flächen viel für eine reinere Luft, Kühlung und CO2-Speicherung in Cottbus. Die Parklandschaft nimmt gemessen am gesamten Stadtgebiet 1,95 Prozent der Fläche ein.
So wächst die Baumuniversität im Branitzer Park weiter
Auf ersten Arealen des entsiegelten Geländes der Neuen Branitzer Baumuniversität werden schon klimaresiliente Bäume gezogen. Die zukunftsorientierte Gehölzvermehrung wird auch immer wichtiger, um historische Gärten und Kulturlandschaften im Klimawandel zu bewahren. „Der bei den Abbrucharbeiten anfallende Gehölzschnitt ist verwendet worden, um Benjeshecken anzulegen“, sagt Catrin Winn-Janetz. Sie bieten Vögeln, Igeln und Insekten guten Unterschlupf und entwickeln sich durch Aufwuchs von Bäumen und Sträuchern im Laufe der Zeit von selbst zu Windschutzhecken.
Bis Anfang September 2024 sollen die letzten Rückbauarbeiten beendet werden. Agroforstflächen, Wiesen- und Biolandwirtschaft sind mittelfristig geplant. Im Frühjahr 2025 werden die Bauarbeiten für ein multifunktionales Forschungsgewächshaus und eine Technikhalle auf dem Gelände beginnen. Hierfür werden Bestandbauten nachgenutzt, modernisiert und umgebaut. Dafür stellt das Bundesbauministerium auch Fördergeld aus dem Topf zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel bereit.
