„Ostern 2020 wird leider nicht sein können, wie wir es kennen“, sagt Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren, keine Verwandtenbesuche – das macht vieles, was Ostern Tradition hat, unmöglich.

Das Fest der Auferstehung Jesu ist für Christen besonders wichtig

Besonders Christen, für die Ostern als Fest der Auferstehung Jesu wichtig ist, stellt das vor Herausforderungen. Dabei steckt gerade die Karwoche voller Symbole und Rituale, die sie normalerweise in Gemeinschaft, in der Kirche, feiern würden. Die Kirchen sind zwar offen. Gottesdienste können dort aber nicht stattfinden.

„Mich selber schmerzt das sehr, und es ist für uns alle ein großer Verlust, das größte Fest der Christenheit nicht in der gewohnten Weise begehen zu können“, schreibt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt den Lausitzer Katholiken. Ipolt wird wie bereits an den vergangenen Wochenenden Gottesdienste per Livestream anbieten.

Ersetzen kann das die Rituale der Karwoche allerdings nicht. „Diese besonderen Feiern in der Kirche kann nichts ersetzen, das werden wir in diesem Jahr schmerzhaft spüren“, schätzt Susanne Haverkamp, Kommentatorin des „Tag des Herrn“, ein.

Bad Muskau/Weißwasser

Publizist Peter Hahne fordert: Macht Ostern die Kirchen auf!

Sollte man also das Verbot der Gottesdienste aufheben? Der Publizist und Theologe Peter Hahne fordert genau das: „Macht Ostern die Kirchen auf!“, sagt er in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Getränkemärkte haben auf, das Gotteshaus nicht. Wem wollen Sie das erklären?“ Der Propst des römisch-katholischen Instituts St. Philipp Neri in Berlin, Gerald Goesche, forde gar eine gerichtliche Überprüfung des aktuellen Gottesdienstverbots.

Görlitzer Bischof Ipolt erklärt: Ostern 2020 wird einmalig!

In der Lausitz ist das kein Thema. „Es ist uns ein Verzicht auferlegt, den wir annehmen müssen und fruchtbar machen können. Das Osterfest 2020 wird einmalig sein und wir werden es alle miteinander nicht vergessen“, sagt der Görlitzer Bischof Ipolt.

Ähnlich sieht es Christina-Maria Bammel, Pröpstin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO): „Wir werden vor allem die Gemeinschaft in den Kirchen schmerzlich vermissen. Wir wissen auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit, wie sich die Infektionsausbreitung eindämmen lässt und wie es uns in den Städten und Dörfern an Ostern gehen mag. Umso mehr sind wir füreinander da, mit Lesungen, Gebeten, schriftlichen Nachrichten, Filmen, Telefongrüßen – und noch vielem anderem.“

Pröpstin der evangelische Kirche vertraut auf die Kreativität der Christen

Statt die ausfallenden Gottesdienste zu bedauern, geht es jetzt darum, das Beste aus der Lage zu machen. „Gerade in der Karwoche und an Ostern haben wir als katholische Christen ein reiches Brauchtum, das wir jetzt in den Häusern lebendig werden lassen können“, sagt Bischof Ipolt.

„Ungewöhnlich inspirierende und kreative Ideen entstehen in dieser herausfordernden Zeit an vielen Orten unserer Landeskirche“, findet Pröpstin Bammel. „Vieles können wir als getaufte und gefirmte Christen auch ohne den Priester tun und auf diese Weise das Fest begehen“, so Ipolt. Einige Beispiele:

Christen sollen Gründonnerstag als gemeinsames Abendmahl feiern

„Am Gründonnerstag sollte man sich in der Hausgemeinschaft zu einem einfachen Abendessen versammeln und dieses mit einem längeren Tischgebet im Gedenken an das letzte Mahl Jesu am Abend vor seinem Leiden eröffnen“, schreibt Ipolt in seinem Hirtenbrief.

Der Karfreitag, an dem Christen an die Kreuzigung Jesu erinnern, wird angesichts der aktuellen Ereignisse vielen sehr nahe gehen. „Da es keine Kreuzverehrung in den Kirchen geben wird, könnte an diesem Tag in der Wohnung vor dem Kreuz eine Kerze brennen“, rät Bischof Ipolt.

„Der Schrecken des Todes in diesem Jahr steht uns vor Augen. Wir legen ihn ins Gebet. Wir empfehlen, zur Sterbestunde Jesu um 15 Uhr die Glocken für 10 Minuten zu läuten. Vorab können in der Gemeinde die von der Landeskirche zur Verfügung gestellten Materialien, die Gebet und Lesung enthalten, verteilt oder verschickt oder in der digitalen Fassung eingestellt werden. Wir laden dazu ein, im Anschluss an das Läuten diese Texte zu nutzen. Nach dem Ausklingen der Glocken beginnt die stille Zeit, die wir gemeinsam aushalten“, rät Pröpstin Bammel.

Christen sollten Karsamstag in Stille feiern

Der Karsamstag – der Tag der Grabesruhe – sollte ein Tag der Stille und des Gebetes besonders für die Opfer der Coronavirus-Pandemie sein. „Unsere Kirchen werden geöffnet sein und Sie können dort sicher am Heiligen Grab einen Besuch machen. Besonders für Kinder kann das ein eindrückliches Erlebnis sein“, sagt Bischof Ipolt.

Nach der Osternacht wird am Sonntag in Familien, Online-Gottesdiensten und in verschiedenen Internetaktionen die Auferstehung gefeiert. „Eine Osterkerze darf in keiner Familie fehlen. Sorgen Sie dafür, dass besonders die älteren Gemeindemitglieder, eine solche Kerze haben. Die Priester werden mit einigen wenigen Gläubigen das Osterlicht in den Pfarrkirchen entzünden“, kündigt Bischof Ipolt an. Auch Familien sollten zu Hause eine Kerze entzünden. „Stimmen Sie miteinander ein kräftiges Oster-Halleluja an oder eines der Ihnen lieb gewordenen Osterlieder aus dem Gesangbuch.“

Glocken können ein akustisches Band der Gemeinschaft bilden

Die EKBO empfiehlt ihren Gemeinden, die Glocken zu läuten und so ein akustisches Band der Gemeinschaft durch das Land zu ziehen. Auch das mancherorts bekannte Turmblasen sei möglich, solange die Bläser einzeln oder mit genügend Abstand auftreten.

Zudem gibt es ungewöhnliche Aktionen. So lädt etwa eine Gemeinde aus Berlin zum Minecraft-Gottesdienst. Pfarrer Klaus Natho aus Kolkwitz lädt wieder zum Youtube-Gottesdienst.

„Versuchen Sie trotzdem, aus Ostern 2020 etwas Besonderes zu machen“, rät Gesundheitsministerin Nonnemacher. Papst Franziskus sieht es ähnlich: „Wir werden die Karwoche auf wirklich ungewöhnliche Weise feiern.“ Mit Blick auf die Auferstehung Jesu, sprach der Papst von einer Hoffnung auf bessere Zeiten, befreit vom Bösen und von dieser Pandemie. „Hoffnung enttäuscht nicht, sie ist keine Illusion.“