King of Trucks: DMAX-Serie über Krieschower US-Trucks ist einzigartig

US-Trucks made in Krieschow: "King of Trucks" Marco Barkanowitz (M.) mit seinem Werkstattleiter Adam (l.) und Chrom-Spezialisten Uli (r.).
Sven BockHerr Barkanowitz, sind Sie schon aufgeregt vor der ersten Sendung?
Natürlich bin ich aufgeregt. Man weiß nie, ob es den Leuten gefällt oder nicht. Ich hoffe ja. Alles andere wird sich dann zeigen. Wir sehen das relativ locker und entspannt. Der Geschmack der Menschen geht sehr weit auseinander.
Wie wird man eigentlich „King of Trucks“?
Wir arbeiten seit 21 Jahren mit US-Trucks und ich mache das praktisch seit meinem siebten Lebensjahr. Ich komme ursprünglich nicht aus Cottbus, sondern aus Dortmund. Mittlerweile lebe ich aber seit 28 Jahren hier in der Ecke und beschäftige mich praktisch fast mein gesamtes Leben schon mit dem Thema US-Truck. Früher habe ich viel darüber gelesen und mich informiert. Und irgendwann denkt man dann, dass du Derjenige bist, der alles über diese Fahrzeuge weiß. Aber da kann ich jeden nur enttäuschen, das wird niemand wissen, selbst die Hersteller wahrscheinlich nicht. Von damals bis heute haben sich Tausende Dinge geändert, vor allem zum Guten hin. Die Abgaswerte sind für mich zum Beispiel ein sehr wichtiges Thema. Es sieht immer toll aus, wenn diese alten Dinger oben raus qualmen in Filmen wie „Convoy“, aber das ist nicht mehr zeitgemäß. Da stehe ich gar nicht drauf. Euro 6 ist schon das Minimum, das man haben sollte. Die Rauchfahne will aber jeder sehen. Und wenn du das in Deutschland schon so lange gemacht hast, bist du eben der „King of Trucks“. So fühle ich mich aber gar nicht. Ich bin hier nicht persönlich der „King of Trucks“, sondern das ist der Name einer hoffentlich sehr erfolgreichen Fernsehserie. Wir sind die normalen Typen von Nebenan, die sich mit der Materie US-Trucks beschäftigen.
Wie ist die Idee für die Serie entstanden?
Wir haben vor zehn Jahren schon etwas gemeinsam mit DMAX gemacht. Das hätte auch weiter gehen sollen, aber ist dann eingeschlafen. Wir hatten aber auch gar keine Zeit, uns damit zu beschäftigen. Die Serienproduktion ist sehr zeitintensiv. Es ist nicht so, dass die einen nur bei der Arbeit begleiten. Man unterbricht, man stoppt, man fängt wieder von vorne an. Man braucht also etwa drei Mal so lange für eine Tätigkeit. Vor eineinhalb Jahren habe ich dann einen Anruf von der Produktionsfirma Story House Production aus Berlin bekommen, ob ich nicht Interesse hätte. Da habe ich ja gesagt.
Wie laufen die Dreharbeiten ab?
Hauptsächlich ist es tatsächlich so, dass sie uns bei unserer Arbeit begleiten. Es ist nichts geschauspielert oder der Truck wird speziell für das TV gemacht. So etwas gibt es nicht. Es kommt ein Kunde, der einen Truck kaufen und so und so umgebaut haben möchte. Farbe, Chrom, Innen, Außen, Holzfußboden, LEDs ja oder nein. Dann sagen wir der Produktionsfirma Bescheid, welches Projekt ansteht und los geht es. Wir bauen keine Autos oder Motorräder um, was relativ einfach ist. Sondern bei uns sind es Stahlkolosse mit achteinhalb Tonnen aufwärts. Deswegen ist es etwas schwieriger und es hat auch insgesamt eineinhalb Jahre gedauert, um sechs Folgen zu produzieren. Bei einem Auto oder Motorrad bekäme man bestimmt auch drei Folgen in drei Wochen fertig. Aber die Umbauarbeiten von so einem Truck und die individuellen Anpassungen dauern einfach länger.
Wer fährt eigentlich so einen Truck?
Das ist ganz unterschiedlich. Wir selektieren schon, wenn Kunden hierher kommen. Es gibt die sogenannten Tire Kicker, also die nur vor den Reifen treten und dann wieder fahren. Wir wollen aber keine Führungen am Wochenende machen und aus versicherungstechnischen Gründen dürfen wir das auch nicht. Es gibt aber auch tatsächlich Privatleute, die kommen, den Truck geil finden und ihn kaufen. Es gibt auch gewerbliche Spediteure, die spezielle kürzere Auflieger haben, weil man in Europa eine Gesamtlänge von 16,5 Meter nicht überschreiten darf. Wenn du einen US-Truck nimmst und einen 13,6 Meter langen Anhänger, kommst du auf gut 19 Meter. Das ist aber nicht erlaubt. Also haben die nur einen kürzeren Kipper oder Tankauflieger und fahren damit gewerblich. Die fahren also nicht nur aus Spaß damit herum. Viele Firmeninhaber kaufen sich einen Truck und erfüllen sich womöglich damit einen Kindheitstraum. Die Bandbreite ist wirklich groß.
Der Nachteil der US-Trucks ist also deren Größe?
Genau, das ist der Knackpunkt. Von der Technik her ist es inzwischen so, dass die Großkonzerne weltweit alle zusammenarbeiten. Die in Europa bekannte Marke DAF zum Beispiel gehört zu Peterbilt und Kenworth. International arbeitet mit MAN zusammen. Da werden auch in Amerika schon europäische Bremssysteme eingebaut. Bis vor fünf Jahren kannten die noch keine Bremsscheibe im Lkw, sondern nur Bremstrommeln. Es hat aber trotzdem super funktioniert, sonst stände die Milch nicht bei Walmart im Kühlregal. Durch die Länge der Zugmaschine kannst du aber weniger Ware von A nach B fahren.
In den USA gibt es auch keine Beschränkung?
Doch, aber nur auf den Auflieger. Der darf maximal 53 Fuß, also 16,40 Meter lang sein. Der Auflieger ist also in etwa so lang wie bei uns das komplette Fahrzeug inklusive Zugmaschine und Anhänger. Was man dann vorne dran hängt interessiert niemanden. Aber du darfst auch nur insgesamt 38 Tonnen Gesamtgewicht haben. Deswegen gibt es auch Trucks mit dem Modell Tanzsaal als Schlafkabine, vier Meter lang und voll ausgebaut wie ein Wohnmobil.
Würde das in Deutschland überhaupt funktionieren?
Das wäre sehr schwierig. In den USA gibt es zum Beispiel nicht diese Verkehrsinseln, die man in Deutschland für zigtausende Euros in die Auf– und Abfahrten baut. Da ist ein Strich auf der Straße und ein Pfeil und der Fahrer weiß, wo er abbiegen muss. In Deutschland gibt es nur Beton und ist völlig unnütz. In Amerika biegt er an der Ampel ab, zieht rum und weg ist er. Das ist ein Transportland. Das kann man von unserem Land nicht behaupten.
Das betrifft auch die Vorgaben für den Umbau auf deutsche oder europäische Standards?
Es gibt klare Vorgaben, wie so ein Fahrzeug zu sein hat und die musst du auch einhalten. Der Prüfer legt diese vor und danach müssen wir uns richten und so lange daran bauen, bis es passt. Das ist aber nicht das größte Problem. Tatsächlich geht die meiste Zeit bei einem Truck für die Optik drauf. Außer lackieren machen wir das alles selbst. Teile kaufen wir stellenweise in Amerika ein, aber wir bauen auch welche selbst.
Wie lange muss ein Kunde auf sein Fahrzeug warten?
Das kommt immer darauf an, was es für ein Truck ist. Wir haben auch viele Fahrzeuge schon fertig. Die haben wir so gemacht wie wir uns das denken. Wenn den ein Kunde vielleicht nicht in grau, sondern in weiß haben möchte, kann man das schnell realisieren. Aber mit Show-Auflieger, alte Auspuffanlage ab und eine neue in den USA bestellen dauert das natürlich viel länger.
Woher kommt die Liebe für US-Trucks?
Ich habe die Dinger von Matchbox und Siku in klein gesehen und gerne damit gespielt. Dadurch wurde ich wahrscheinlich mit einem Virus infiziert. Dann bin ich mit dem Nachbarn immer auf Ferntour gegangen und fand das richtig klasse. Der hatte zwar keinen US-Truck, aber einen Mercedes. Das war das allergeilste. Es war Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre aber auch eine ganz andere Zeit. Da bist du in die Telefonzelle gegangen und hast deinen Chef angerufen und gesagt: Ich bin jetzt da. Heute sieht er mit GPS wo du gerade rumturnst. Das hat nichts mehr mit Freiheit und tollem Lkw-Leben zu tun. Das sieht man schon, wenn man nur mal beobachtet, was auf einem Rastplatz so los ist. Das macht alles keinen Spaß mehr. Der Job an sich bestimmt, aber nicht das ganze elektronische, das noch dazu kommt.
Hat das Sie auch letztendlich vom erträumten Fernfahrerleben abgeschreckt?
Nein, das kam dann alles ganz anders. Nach der Schule habe ich Industrie-Isolierer gelernt und danach noch dazu Autoverkäufer. Das war natürlich alles gut für den Job, den ich heute mache. Nach ein paar Jahren hatte ich aber von dem ganzen Autoverkaufen so die Schnauze voll, dass ich nach Amerika geflogen bin und mir meinen ersten Truck gekauft habe. Den habe ich umgebaut, verschönert und poliert. Dann kam eine große Brauerei, die ihn genau so haben wollte. Die Kohle dafür habe ich genommen und direkt zwei neue gekauft. Damals gab es unter anderem noch diesen Hype um die Brauerei-Trucks, die man zu den Bierkästen dazu bekommen hat. Das ist heute nicht mehr so. Alles hat seine Zeit. Das heißt nicht, dass wir heute nichts mehr verkaufen, aber es war früher viel mehr.
Amerika ist sehr stark vom Coronavirus betroffen. Wie trifft das Ihr Geschäft?
Amerika hat mit uns nichts zu tun. Corona trifft uns aber schon, weil im Eventwesen ganz viel abgesagt wurde. Wir wollten unter anderem mit DMAX und der Zeitschrift Fernfahrer auf die IAA Nutzfahrzeug-Messe fahren. Die fällt aus. Wir wollten zum Truck-Grand-Prix auf den Nürburgring mit 120 000 Zuschauern fahren. Da fahren wir schon seit 17 Jahren am Stück hin. Aber auch das wird nichts. Das ist natürlich blöd, weil man sich selbst nicht präsentieren kann. In Folge dessen trifft uns also Corona auch, weil die Veranstaltungen nicht stattfinden und niemand unsere Show-Trucks mit den Showbühnen mietet. Dafür gibt es keine Nachfrage mehr. Nichtsdestotrotz haben wir auch amerikanische Wohnmobile im Angebot und Camping boomt. Das hat uns am Leben gehalten und wir gehen nicht unter.
Die Nachfrage nach Trucks ist also eher bescheiden.
Ja, weil die Leute sich alle Zuhause eingelullt haben. Es geht zwar langsam wieder los. Aber wenn ich mit Geschäftspartner aus der Industrie rede: Die haben alle noch Homeoffice oder Kurzarbeit. Was sollen die machen? Die sitzen Zuhause und haben kein Geld und kein Budget. Das ist Corona.
Die erste Staffel von „King of Trucks“ hat sechs Teile. Bleibt es dabei oder sind schon neue Folge in Planung?
Normalerweise geht Discovery, das Medienunternehmen zu dem DMAX gehört, so vor, dass erst mal zwei Folgen ausgestrahlt werden sollen. So testet man vor dem Start einer neuen Serie, ob diese Potential hat. Wenn sie gut ankommt, gibt es eine zweite und erst im Anschluss wird eine komplette Staffel produziert. In unserem Fall hat die Produktionsfirma DMAX das Material geschickt und die haben gesagt: Macht gleich eine ganze Staffel. Das muss man erst mal schaffen.
Jetzt kam Corona und die TV-Sender haben genau wie der gesamte Medienmarkt kräftige Einbußen. Der Werbemarkt ist weggebrochen. Deswegen soll es jetzt erst ausgestrahlt werden um zu schauen, wie es bei den Leuten ankommt. Wir drehen aber am kommenden Wochenende schon neue Szenen. Wie weit aber gedreht wird und ob und wo und wer das zeigt, entscheidet sich erst nachdem die Ausstrahlung begonnen hat. Ich gehe aber davon aus, dass es weitergeht.
Discovery ist ein weltweit agierender Konzern. Gibt es schon Pläne für eine Ausstrahlung auch in anderen Ländern?
Nein, die gibt es noch nicht. Mit meinem Werkstattleiter Adam arbeite ich schon seit 18 Jahren zusammen. Er wohnt kurz hinter der Grenze in Polen. Ich kann mir schon vorstellen, wenn die dort mitbekommen, dass einer der besten Truck-Costumizer aus Polen kommt und im Fernsehen zu sehen ist, dass es dort auch ein großes Interesse dafür gibt. Eine Sendung über US-Trucks ist als Format weltweit einzigartig. Das gab und gibt es selbst in den USA nicht. Es gibt Sendungen über Motorräder, Autos, Auto, Autos, wieder Motorräder. Aber nicht über US-Trucks.
„King of Trucks“ jeden Donnerstag auf DMAX
Von der individuell gestalteten Fahrerkabine bis zu den Auspuffrohren: Bei jedem Projekt realisieren die Lkw-Experten ein thematisches Konzept. Die neue, sechsteilige DMAX-Eigenproduktion begleitet den „King of Trucks“ Marco Barkanowitz und sein Team bei der Arbeit und ist ab 23. Juli immer donnerstags um 21:15 Uhr exklusiv und in deutscher Erstausstrahlung auf DMAX, DMAX.de und Joyn zu sehen.