Was er jungen Menschen empfehlen würde? „Macht den Schulabschluss, macht eine Ausbildung, selbst wenn es nicht gut läuft und ihr es kacke findet“, sagt Pascal Uhlemann ganz unverblümt. Er weiß, wovon er spricht. Auch bei ihm lief es keineswegs rund im Leben. Zwei Ausbildungen brach er vorzeitig ab. Erst beim dritten Anlauf hielt er durch und wurde Mechatroniker. Heute ist er selbstständig und führt das Grafik-Design-Studio „Der Gestalter“ in Cottbus.

Jugendliche, die noch nicht wissen, was sie im Leben wollen und keinen Schul- oder Berufsabschluss haben, sind auch die Zielgruppe des neuen Projektes „Warm-up“, das vom Land Brandenburg und dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Es schließt an das Programm „Next Level“ an, das bereits seit August 2018 erfolgreich mit 13 Teilnehmern läuft. Hier wird versucht, die aus dem Raster gefallenen Jugendlichen im Alter von 18 bis 25 Jahren von der Straße zurück in die Gesellschaft mit Normen und Regeln zu holen.

Jugendliche gründen Start-up-Unternehmen

Schritt zwei folgt nun: Zusammen mit einem vierköpfigen, geschulten Team sollen die jungen Menschen ein Start-up-Unternehmen gründen. „Vielleicht ist ja einer ein ganz toller Rennfahrer oder ein herausragender Künstler“, sagt Projektleiter Alexander Weps. Das wisse man nicht. Das soll im Rahmen des Projekte herausgefunden werden.

Vorstellbar sei beispielsweise der Aufbau einer Schrott-Karosse zu einem Foodtruck. Solche Imbisse auf Rädern gehören in Großstädten schon längst zum alltäglichen Erscheinungsbild. Aus den USA ist die Foodtruck-Welle auch nach Deutschland geschwappt. „Vielleicht wird es aber auch ein Autobetrieb oder eine Künstlerwerkstatt“, räumt der 51-jährige Projektleiter ein. Ziel ist, einen Jugendhilfebetrieb zu installieren.

Projekt lohnt, wenn nur einer durchhält

Rund 300.000 Euro Fördermittel stehen für das auf zwei Jahre ausgelegte Projekt mit maximal zehn Teilnehmern zur Verfügung, wie Ivonne Bellen, Leiterin der Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGmbH (FAW) auf Nachfrage informiert.

„Das ist gut angelegtes Geld“, betont Sven Mochmann, Geschäftsführer des Jobcenters in Cottbus. Selbst wenn nur einer dieser zehn Jugendlichen Arbeit findet und ins Steuer- und Sozialsystem einzahlt, lohnt sich das rein betriebswirtschaftlich. Rund 800 Euro staatliche Unterstützung laufen bei Hartz-IV-Empfängern mit eigener Wohnung jeden Monat auf. „Es geht hier aber auch um Menschen“, betont Mochmann.

Einer dieser Menschen ist Martin*. Die FAW hat seine Geschichte anonymisiert, um ihn zu schützen. Die Fakten sind echt. Schon frühzeitig wurde bei Martin* ADHS diagnostiziert. Er besuchte die Förderschule in Cottbus-Schmellwitz und war dort als Klassenclown bekannt. Später arbeitete er als Gerüstbauhelfer, flog aber schnell raus und absolvierte mehrere Arbeitsamts-Maßnahmen sowie eine Aktivierungshilfe bei der FAW. Hier hörte er von dem neuen Projekt. Martin* träumt von einem Ausbildungsplatz in der Garten- und Landschaftspflege und einem Arbeitgeber, der ihn akzeptiert, wie er ist.

Ex-Energie-Profi Toralf Konetzke als Schirmherr

Als prominenter Schirmherr für das „Warm-up“-Programm konnte der ehemalige FC-Energie-Spieler Toralf Konetzke gewonnen werden, wie Weps berichtet. Der 47-Jährige ist heute Unternehmer in Drebkau. Gesucht werden weitere Unterstützer. Elf Kooperationspartner gibt es bereits, darunter das Jobcenter und das Jugendamt der Stadt Cottbus.

„Das Projekt könnte auch eine Produktionsschule light werden“, sagt Sven Mochmann. Über den Aufbau einer solchen Einrichtung für Schulabbrecher wird in Cottbus bereits länger diskutiert. Offen ist jedoch die Frage der Finanzierung. Fördermittel beim Bundesbildungsministerium sollen beantragt werden. Mit einer Zu- oder Absage wird im März 2020 gerechnet.