Jubiläumskonzert: Cottbuser Blasorchester feiert sich selbst
Die Probe im Konzertsaal der BTU hat noch nicht begonnen. Doch Posaunentöne schwirren schon durch die Luft, Trompeten, Querflöten, Hörner folgen. Die Musiker stimmen sich ein. Das Durcheinander von Tönen wird von Markus Witzsche, dem Leiter des Blasorchesters Cottbus, beendet. Mit Beginn der Probe läuft es nach seiner Ansage. Geübt wird für das Jubiläumskonzert zum 55-jährigen Bestehen des Ensembles am 23. November im Staatstheater Cottbus.
Vom Trompetenschüler zum Dirigenten
„Les Miserables, damit möchte ich heute anfangen“, sagt Witzsche. Seit neun Jahren steht er bereits am Dirigentenpult. Angefangen hat er einst als Trompetenschüler. Mittlerweile unterrichtet er das Instrument an der Musikschule in Spremberg.
Die Arbeit mit dem Blasorchester Cottbus sei ihm „eine Herzensangelegenheit“, wie er betont. Witzsche schreibt auch Noten und bearbeitet Filmmusiken. Rund 350 Stücke umfasst das Repertoire des Orchesters mittlerweile. Die Spannbreite reicht von Beethoven bis zu den Beatles, von zeitgenössischer Blasmusik bis hin zu klassischen Konzertmelodien.
Was noch nicht sitzt, wird bei der Probe wiederholt
„Noch mehr Sicherheit beim ersten Ton. Er muss knackig sein und von euch allen kommen“, fordert er. Was ihm nicht gefällt, lässt er wiederholen. Die dritte Trompete muss tiefer anfangen, das hohe Horn die Führung übernehmen und die letzten zwei Takte müssen noch tänzerischer, verspielter klingen. „Das war gar nicht schlecht“, bescheinigt er den Musikern am Ende des Stückes.
Das Blasorchester Cottbus wurde 1964 von Herbert Brätsch gegründet. Von Anfang an dabei ist Lothar Naglatzky, der Waldhorn spielt und heute Vorsitzende des Vereins ist. „Wir waren alle relativ jung“, erzählt er. Geprobt wurde im Eckzimmer des damaligen Hauses der Jugend (heute: Gladehouse). 1969 wurde das Ensemble an die Bezirksmusikschule angegliedert. Noch im selben Jahr machten die Musiker beim Leistungsvergleich in Herzberg (Elbe-Elster) erstmals auf sich aufmerksam.
Erfolg für das Blasorchester auf internationaler Ebene
Nach der Wende trat das Orchester erfolgreich bei Internationalen Leistungsvergleichen wie „Mide Europe“ in Schladming (Österreich), dem Folklorefest in Callela (Spanien), beim Deutschen Musikfest in Karlsruhe an. 2007 errang es den ersten Preis beim Internationalen Blasmusikfestival im lettischen Auce.
Unter der Leitung von Hans Hütten gab es Konzerttourneen bis nach Malaysia. Dort sollen vor allem die swingenden Stücke gut angekommen sein. Hütten gehört zu den bekanntesten Cottbuser Musikschaffenden. Er hat die Entwicklung des Blasorchesters zu einem starken Repräsentanten der deutschen Blasmusik entscheidend mitgeprägt. Im vergangenen verstarb er im Alter von 75 Jahren.
Erstmals spielt gesamtes Ensemble im Staatstheater
Das Jubiläumskonzert im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus ist für die Musiker eine Premiere. „Noch nie hat unser gesamtes Ensemble gemeinsam auf der Bühne gestanden“, erzählt Naglatzky. Einzelne waren bereits bei „Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten„ zu hören. In dem Theaterstück ging es um das Schicksal der Mitglieder einer Blaskapelle in Nordengland vor dem Hintergrund des Niedergangs der Kohleindustrie. Das passte gut. Die Musiker des Blasorchesters sorgten für „viel Schwung“ und waren „großartig“, wie die Theaterkritiker lobten. „Das war schon etwas ganz Besonderes für uns“, sagt Naglatzky.
Ehemalige Orchestermitglieder feiern mit
Beim Jubiläumskonzert Ende November werden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Giacomo Puccini, Richard Strauß und natürlich von Hans Hütten erklingen. Unterstützt werden die 18 festen Vereinsmitglieder von ehemaligen Musikern des Klangkörpers, die heute im gesamten Bundesgebiet verteilt leben und sich noch immer mit dem Blasorchester verbunden fühlen.
BTU-Studenten halten das Orchester jung
In den Orchesterreihen sitzen aber aktuell auch zehn BTU-Studenten, die in Cottbus Musikpädagogik studieren. „Von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten“, sagt Naglatzky. Die Studenten können ihre Orchesterscheine machen und Erfahrungen sammeln. Das Blasorchester selbst bleibe jung.
Jubiläumskonzert im Staatstheater
Das Jubiläumskonzert beginnt um 19.30 Uhr im Staatstheater Cottbus und dauert zwei Stunden. Karten ab 13 Uhr sind im Besucherservice des Staatstheaters unter Telefon 0355 7824242 erhältlich.


