Was steckt hinter Ihrem neuen Bühnenprogramm?

Trischan „Rares für Bares“ – das ist selten gelesene oder schon lange nicht mehr vorgetragene Literatur wie „Schischyphusch“ von Wolfgang Borchert. Dieses Stück ist sehr, sehr komisch, eigentlich tragisch komisch. Auch Zungenbrecher und Theateranekdoten habe ich herausgekramt, Uraltes von Tucholsky beispielsweise. Also rare Literatur für bares Geld. Ich dachte, das klingt ganz gut.

Gibt  es einen Autor, der ihnen persönlich am Herzen liegt?

Trischan Ja, Hanns Dieter Hüsch, den bringe ich auch mit. Den habe ich erst in meinem hohen Alter schätzengelernt. Als junger Mensch dachte ich immer, was ist denn das, das ist albern. Wie kann man sich über Nichtigkeiten so lustig machen. Jetzt finde ich es saukomisch und komme aus dem Brüllen nicht mehr heraus, wenn ich Hüsch lese.

Schon im Titel steckt ein Wortspiel. Ist die Anspielung auf die bekannte ZDF-Sendung „Bares für Rares“ bewusst gewählt?

Trischan Ja, das ist gewollt. Neben meinem Kopf auf dem Plakat brauche ich ja immer auch noch einen Titel. Meine Frau ist darauf gekommen. Es hat aber nichts mit der Fernsehsendung zu tun, ich nutze vielleicht ein klein bisschen deren Popularität für mich.

Auch Sie selbst arbeiten für das Fernsehen und sind vielen Zuschauern aus der Arztserie „In aller Freundschaft“ bekannt. Was ist Ihnen lieber: Arztkittel oder Bühne?

Trischan Bühnenprogramm mache ich seit mehr als 30 Jahren. Ins Theater zieht es mich immer wieder. Das Theater ist zuverlässiger und treuer als das Fernsehen. Ist die Geschichte auserzählt, sagen die Fernseh-Macher von heute auf morgen auf Wiedersehen.

Ist Theater anspruchsvoller?

Trischan Ja, man muss bühnentauglich sein. Viele Filmschauspieler sind das gar nicht oder ihnen fehlt die Erfahrung. Ich selbst bin vor den Auftritten immer aufgeregt. Das wird sogar noch schlimmer im Alter. Als junger Schauspieler habe ich den Text irgendwie nebenbei gelernt. Heute muss ich mich hinsetzen und richtig büffeln.

Bevor Sie Schauspieler wurden, waren Sie Krankenpfleger. Profitieren Sie von dieser Erfahrung als Fernseharzt?

Trischan Ja, ich habe einen anderen Zugang zu den Krankheitsbildern und Handreichungen. Ich habe ja im OP gearbeitet und dem Arzt die Instrumente gereicht. Meine Anatomiekenntnisse sind sehr gut. Im Bauchraum kenne ich mich aus, wie kein anderer (lacht).

Mussten Sie schon einschreiten, um klassische Regiefehler zu verhindern?

Trischan Ja, tatsächlich. Der Patient ist bei der OP ja abgedeckt. Und der Anästhesiebogen, hinter dem der Narkosearzt sitzt, hat eine vorgeschriebene Höhe, damit alles steril bleibt. Im Studio geht das nicht, weil die Kamera darüber sitzt. Also wird der Anästhesiebogen heruntergefahren. Ein anderes Beispiel: Viele Regisseure bauen das Wort Schweiß ein, um die Dramatik zu erhöhen. Nach dieser Anweisung muss die Schwester dem operierenden Arzt die Stirn tupfen. Im wirklichen Leben sagt das niemand. Im Gegenteil, wenn der Arzt wirklich schwitzt, wischt er sich bei seinem Assistenten die Stirn ab.

Wie fühlen Sie sich in Ihrer Rolle als Dr. Brenner?

Trischan Ganz gut. Es war ja vom Publikum so gewünscht, dass er Arzt wird. Von der Geschichte her war er Krankenpfleger mit einem abgebrochenen Medizinstudium. So beginnt sein Job in der Sachsenklinik, als seine Mutti  eingeliefert wird. Als Krankenpfleger, das finde ich fast noch interessanter, hat er sich mit seinem Halbwissen in die Diagnosen eingemischt und Sachen gemacht, die richtig waren, für die er aber keine Kompetenz hatte. Das gab natürlich Reibereien. Die Drehbuchautoren haben sich immer köstlich amüsiert.

Wie ist es mit dem Ruhm? Ist er Fluch oder Segen? Sind Sie als Fernseharzt abgestempelt?

Trischan Ja, in der Branche ist das tatsächlich so. Ich bekomme nur noch selten andere Angebote. Im November drehe ich für Soko Wismar. Das ist nichts Großes, ich nehme es aber gern an. Man steckt in einer Schublade. Ach, der ist in einer durchgehenden Serie, der hat keine Zeit, heißt es. Früher habe ich in einer Woche manchmal gleich in drei Filmen gedreht. Da haben sich die Aufnahmeleiter arrangiert und miteinander abgesprochen.

Auf der Bühne stehen Sie auch ...

Trischan Ja, fürs Fernsehen arbeite ich aber am meisten. Die Gastspiele betreibe ich fast ausschließlich am Wochenende. Da kommt mir der Film nicht dazwischen.

Wer stellt das Bühnenprogramm zusammen?

Trischan Meine Frau. Wir lesen gemeinsam und wählen aus, was komisch und geeignet ist. Sie macht die Dramaturgie. „Rares für Bares“ ist so konzipiert, dass ich es ohne Musik mache, nur das gesprochene Wort.

Ist es Ihnen eine Herzensangelegenheit, weniger bekannte Werke wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen?

Trischan Alles andere ist schon zig-mal vorgekommen. Allerdings muss man immer auch was Bekanntes einbringen, bei dem das Publikum hängenbleibt. Heinz-Erhardt-Geschichten sprechen die Zuschauer sogar im Chor mit.

Sie sind wiederholt in Cottbus. Wie sehen Sie die Stadt und Ihr Publikum?

Trischan Ich bin zum vierten Mal hier. In Cottbus habe ich schon eine Fangemeinde. Die Vorstellungen sind immer sehr gut besucht. Ich freue mich schon auf mein Publikum.

Mit Michael Trischan
sprach Silke Halpick