Von Peggy Kompalla

Die Stadt Cottbus könnte sich zu einem Knoten für den grenzüberschreitenden Bahnverkehr entwickeln. Davon ist der Cottbuser Dieter Schuster überzeugt. Er ist der Kopf der Bürgerinitiative ProTram, die sich seit Jahren kritisch in die Verkehrspolitik einmischt.

Als Mitglied im ökologischen Verkehrsclub VCD hat die Bürgerinitiative nun für ihren Vorschlag zur Wiederbelebung der alten Bahnverbindung von Leipzig über Cottbus nach Poznan (Posen) beim Bund Anerkennung gefunden. Aus Sicht von ProTram wäre das aber nur ein Anfang.

Cottbus war einst ein wichtiger Bahnknoten

Das Ende von Cottbus als wichtiger Bahnknoten brachten zwei Weltkriege und die damit verbundenen neuen Grenzen von 1918 und 1945. Sie durchschnitten fortan die Magistralen. Doch im geeinten Europa und mit dem Nachbarland Polen im Schengenraum bietet sich nun eine Chance, diese Trassen wiederzubeleben. Davon würde nicht allein Cottbus profitieren, sondern auch Doppelstadt Guben-Gubin.

Den Strukturwandel im Blick sagt Dieter Schuster: „Es wäre doch paradox, wenn einerseits die Kohlekraftwerke aufgrund der schlechten Klimabilanz abgeschaltet werden, aber andererseits bei der Verkehrsinfrastruktur weiter aufs Auto gesetzt wird.“ Die Schiene müsse Vorrang haben.

Und die Bahn könnte der Lausitz in den kommenden Jahren tatsächlich wieder neuen wirtschaftlichen Schwung geben. Das Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn soll künftig nicht nur Dieselloks und -triebzüge umrüsten, sondern sogar für die Wartung vin IC und ICE-Zügen aufgerüstet werden. Das hat auch der Infrastrukturvorstand der Bahn Ronald Pofalla bei einem Beuch im Bahnwerk Cottbus deutlich gemacht.

Aus Sicht des VCD könnte die polnische Region mit den Wojewodschaften Lubuskie (Lebus), Wielkopolskie (Großpolen) und Kujawsko-Pomorskie (Kujawien-Pommern) positive Auswirkungen auf die Veränderungen in der Lausitz haben.

Bahnstrecke Leipzig – Cottbus – Poznan

Die Strecke Leipzig – Poznan würde zwei bedeutende Universitätsstädte verbinden – die Lausitz wäre mittendrin. „Derzeit existiert diese klassische Strecke nicht mehr“, erklärt Dieter Schuster. „Alle Transporte laufen über Berlin und Frankfurt (Oder).“ Die Strecke Leipzig – Cottbus – Poznan ist aber 60 Kilometer kürzer und würde eine Entlastung des Berliner Knotens bedeuten. Zudem existiert parallel zur Schiene keine Autobahn. 

Um die Trasse Leipzig – Cottbus – Poznan wiederzubeleben müsste lediglich ein etwa 50 Kilometer langes Stück Schiene zwischen Guben und Czerwiensk (Rothenburg) erneuert und elektrifiziert werden.

„Der Abschnitt zwischen Czerwiensk und Zbaszynek ist bereits elektrifiziert und soll laut Informationen des Marschallamtes Zielona Góra bis zum Jahr 2023 weiter modernisiert werden.“ Auf deutscher Seite ist die Strecke bis Guben bereits ausgebaut. „Allerdings“, merkt Dieter Schuster an. „Ist der Abzweig nach Polen auf etwa 700 Metern nur eingleisig, genauso wie die Neiße-Brücke.“

Stadtoberhäupter stehen hinter neuer Bahnstrecke

Das wäre eine Kleinigkeit gegenüber den Aufgaben für die polnische Seite zur Belebung der Strecke. „Würde das Stück bis zur Grenze inklusive der Brücke von deutscher Seite in Angriff genommen werden, wäre das ein positives Signal“, so Schuster.

Die Stadtoberhäupter von Guben und Gubin stehen hinter der Idee. Bürgermeister Bartłomiej Bartczak sagt: „Eine Revitalisierung der Verbindung Leipzig – Posen wäre für uns ein großer Gewinn. Eine direkte Verbindung zu beiden Universitätsstädten und Oberzentren sowie die Verbesserung der Verbindung nach Zielona Góra würden die Attraktivität unserer Doppelstadt deutlich erhöhen, insbesondere auch für junge Menschen sowie Arbeitspendler in unserem Grenzraum.“

Gubens Bürgermeister Fred Mahro ergänzt: „Die Europastadt Guben-Gubin würde vom Rand wieder in die Mitte des Raumes rücken.“

Mit dem Zug von Berlin über Cottbus bis nach Breslau

Für Cottbus ist aus Sicht von ProTram aber noch eine zweite alte Verbindung wichtig – von Berlin nach Wroclaw (Breslau). Dabei sind die Voraussetzungen umgekehrt. In Polen ist die Strecke bis zur Grenze in Horka. Auf deutscher Seite nicht.

„Die Strecke zwischen Cottbus und Görlitz soll künftig elektrisch ausgebaut werden“, sagt Dieter Schuster und schiebt nach: „Damit wäre es möglich, von Berlin über Cottbus, Spremberg und Horka elektrisch bis nach Breslau durchzufahren.“

Nach Informationen des VCD soll die Strecke zwischen Weißwasser und Rietschen wegen der Erweiterung des Tagebaus Rietschen neu gebaut werden. Schuster fragt: „Warum kann in diesem Zusammenhang nicht die ganze Strecke ausgebaut werden?“

Dagegen scheint es von polnischer Seite für die Erneuerung der alten Strecke Cottbus – Breslau über Forst und Zagan kein Interesse zu geben. Derzeit ist Breslau nur von Berlin über Frankfurt (Oder) erreichbar – oder am Wochenende mit dem Kulturzug dann auch über Cottbus.