Corona zieht sich in die Länge. Bis zum 3. Mai werden die Schulen noch geschlossen sein. Damit stehen uns weitere zwei Wochen Homeschooling bevor. Zehn volle Schultage also voller Federmappenchaos im Wohnzimmer, mit „Ich kapier das nicht!“ und „Was gibt’s zu essen?“ und mit dem kleinen Bruder, der ins Sprachbuch malt. Ich ärgere mich nicht. Die Pandemie ist noch nicht durchgestanden, ich sehe meinen Einsatz als Not-Lehrerin als lebensrettende Maßnahme.

Meine zehnjährige Tochter hat neue Aufgaben bekommen. Die Listen mit Lernstoff stehen seit ein paar Tagen auf der Schul-Homepage. Seitdem wälzt sich die PDF-Flut durch diverse Whatsapp-Eltern-Chats, plingt auf Hunderten Handys auf, ploppt in Mailfächer, sickert mit zugesetzten Ärger-Heul-Uff-Emojis in die digitale Kleinwelt des Homeschoolings.

Auf dem Weg wurden die Aufgabenzettel mehrfach gespeichert auf den Servern amerikanischer Internetkonzerne. Sollte sich der US-Präsident irgendwann dafür interessieren, muss er dort nur anrufen und bekommt eine schwarze Mappe auf den Schreibtisch seines Ovalen Büros gelegt, in der stehen wird, dass meine Tochter in der Klasse 4b aufgetragen bekam, die Grundaufgaben der Division gedächtnismäßig zu beherrschen. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber bitte: Wer hätte mit Corona gerechnet?

Brandenburg: Wenig Interesse an der Schulcloud

Zwar sind die Kultusminister sehr darauf bedacht, ihren Schulen sichere Plattformen für den Online-Unterricht anzubieten. Aber diese Clouds standen Mitte März nur ausgewählten Schulen offen. So nutzen die meisten Eltern und Schüler doch wieder die eingetretenen Trampelpfade von Whatsapp-Gruppen, Facetime-Anrufen und Zoom-Konferenzen. Diese Dienste sind Datenschützern ein Graus, weil dort in großem Stil Daten abgeschöpft werden. Aber diese Dienste sind gebräuchlich und unkompliziert. Und wer sie gern nutzt, der mag sich nicht mehr umstellen.

So lässt sich wohl erklären, dass bislang nur wenige Brandenburger Schulen Interesse an der die landesweiten Schulcloud des Bildungsministeriums angemeldet haben. Bislang ist das digitale Klassenzimmer an 54 Schulen in Gebrauch, 170 weiter Schulen wollen die Cloud, nach Ostern sollen nun 115 Schulen folgen. Das macht, zusammen gerechnet, gerade mal ein Drittel der 930 Schulen im Land. Das Kernprojekt der Schuldigitalisierung droht damit zum Ladenhüter zu werden.

Immerhin werden die Rechenergebnisse meiner Tochter nicht in die USA geliefert. Der Rücklauf der Aufgaben läuft an unserer Schule analog. Die Aufgabenblätter werden ausgefüllt und mitgebracht, wenn die Schule weiter geht.

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