Die Schulen öffnen ab 4. Mai wieder. Aber öffnen sie auch für die richtigen Schüler? Diese Frage wird immer lauter. Nach Plänen der Kultusminister sind es zuerst die Abiturienten, die wieder in die verwaisten Schulhäuser dürfen, um ihre Prüfungen zu schreiben. Bildungsforscher macht diese Entscheidung nicht froh, sie würden lieber einer anderen Schülergruppe den Vorzug geben: den benachteiligten Schülern.

Nun fordert eine Gruppe von 42 Bildungsexperten in einem offenen Brief an die Kultusministerkonferenz, „Finden Sie eine Lösung, mit der diese Kinder und Jugendlichen bei einer schrittweisen Öffnung der Schulen bevorzugt berücksichtigt werden.“

Unter den Corona-bedingten Schulschließungen leiden arme und leistungsschwache Schüler Davor warnen Lehrergewerkschaften und Sozialverbände seit Wochen. Erste Studien über das Homeschooling seit Mitte März bestätigen das. Insbesondere das Schulbarometer, auf das sich die 42 Unterzeichner des offenen Briefs beziehen. Auch andere Befragungen von Lehrern deuten darauf hin: Die Pädagogen verlieren in der Corona-Pause den Draht ausgerechnet zu den Schülern, die die meiste Aufmerksamkeit brauchen. Das sind jene, bei denen zu Hause kein Deutsch gesprochen wird. Und die, denen die Technik für den Online-Unterricht fehlt.

Bildung in Deutschland: abhängig vom Elternhaus

Die Bundesregierung will diesen Kindern nun Zuschüsse für Laptops zahlen. 150 Euro sollen Schüler bekommen, deren Familien sich kein Geräte leisten können, hat der Koalitionsausschuss von CDU und SPD beschlossen. Damit will man verhindern, dass das Homeschooling jene Kinder weiter abgehängt, die es schon im normalen Schulalltag schwer haben.

Befördert die Digitalisierung des Unterrichts die Ungleichheit unter den Schülern? So sieht es der Bildungsforscher Klaus Klemm, einer der Unterzeichner des Offenen Briefs. Der 78-jährige emeritierte Professor der Universität Duisburg-Essen kritisiert seit langem, dass der Bildungserfolg deutscher Kinder immer noch stark abhängt vom Elternhaus. Das könne nun verstärkt werden, wenn Schule nur noch über den heimischen Computer läuft. Das Corona-bedingte Fernlernen ist ohne den Zugang zu Lernprogrammen oder zumindest Mails vom Lehrer nicht zu stemmen. „Ein Computer gehört heute zum Existenzminimum“, sagt Klemm, um die digitale Teilhabe aller Schüler zu sichern. Weil das zurzeit noch Utopie ist, will Klemm das Homeschooling so schnell wie möglich beenden. Benachteiligte Schüler sollten als erste wieder an die Schulen dürfen, damit sie notfalls in kleinen Gruppen „das lernen, was ihre bessergestellten Mitschüler zu Hause erledigen.“