Die Spreewald-Schule in Lübben hat alles auf der Homepage, was die Schüler für fünf Wochen Homeschooling brauchen. Das ist reichlich viel Stoff. „Damit niemand vor einer vermeintlichen Fülle von Aufgaben erschreckt“, steht in schönstem Lehrersprech dabei, sei daran erinnert, dass bis zum 19. April kein Unterricht stattfindet.

Zettel voller Aufgaben gab es in der Spreewald-Schule nicht, sagt der Schulleiter. Andreas Kurzhals ist Informatiker und entsprechend sieht die Homepage seiner Schule aus: interaktiv und voller Möglichkeiten. X-mal hatte sich Kurzhals vergeblich beim Land beworben für das Modellprojekt zur digitalen Schul-Cloud. Dann reichte es ihm und er baute eine eigene Lernwolke.

Damit ist die Spreewald-Schule weiter als die meisten anderen. Die Digitalisierung der Schulen ist oft ein Prozess von unten her. Wenn ein Lehrer da ist, der nach Feierabend gern den Webdesigner spielt, dann geht manchmal schneller voran, als wenn die Politik Prozesse anleiert.

Das zeigt sich an der Schul-Cloud, jenem Superding, das eigentlich alles bieten soll, was Schule im Online-Zeitalter braucht: Vernetzung, Kommunikation, gemeinsames Arbeiten. Gerade hat Bundesforschungsministerin Anja Karlicek (CDU) 15 Millionen Euro dem Potsdamer Hasso-Plattner-Institut versprochen, das an einer Cloud bastelt, die bald alle deutschen Schulen überspannen soll. Dieses Jahr noch soll sie fertig werden. Zu spät für die hunderttausenden Schüler, die jetzt daheim lernen.

Online-Klassenkonferenz: Nicht schlecht für den Anfang

Die Chance in der Krise ist nun, dass nun alles ganz schnell gehen muss. Neuerungen, die vorher Jahre gedauert haben, müssen innerhalb von Wochen funktionieren. „Wir erleben gerade eine unfassbare Rückmeldung aus den Schulen“, sagt Florian Funke, der am Fachbereich Didaktik der Informatik der Universität Leipzig Lehrer fürs Digitale fit macht. Seit die Schulen wegen der Covid-19-Pandemie schließen mussten, steht Funkes Telefon nicht mehr still. Lehrer, die sich vorher nie ans Digitale getraut haben, wollen nun wissen, wie man online Konferenzräume aufmacht. So eine Konferenz ist praktisch der ins Virtuelle transferierte Klassenraum. Für den Anfang nicht schlecht, aber: „Damit nutzt man die Vorteile des digitalen Lernens nicht wirklich aus“, sagt Funke.

Schulleiter Kurzhals braucht keinen Konferenzraum - er hat seine Spreeschul-Cloud. Die hat ihn und seinen Stellvertreter viele Arbeitsstunden gekostet, aber jetzt können alle gut damit arbeiten. „Es muss Alltag werden, dass beim nächsten Vorkommnis dieser Art alle schon mal mit solchen Dingen gearbeitet haben“, sagt Kurzhals. Er meint ein Vorkommnis wie die Corona-Ferien.

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